Pisani war anfangs in Zweifel gewesen , ob er die plötzliche Erkrankung seines Nebenbuhlers für einen glücklichen Zufall halten sollte , der ihm eine schlimmere That ersparte ; die Meinung des Arztes jedoch , daß der russische Offizier in der höchsten Gefahr schwebe und die Kenntniß vom Zustande der türkischen Heilanstalten ließ keinen Zweifel darüber aufkommen , daß der Tod ihn von dem Gegner befreien werde , und so richtete er sein Augenmerk allein auf die Täuschung der Gräfin . Gleich nach der Fortschaffung des Kanken hatte er sich zurück in ' s Selamlik begeben und dort leicht von Sami-Pascha , mit dem er in sehr genauem Verkehr stand , die Begnadigung des vom Kriegsgericht als Spion Verurtheilten erlangt . Die Ordre dazu wurde auf seinen Wunsch in türkischer und französischer Sprache niedergeschrieben , und da die Person darin im Allgemeinen nur als der des Spionirens angeklagte Gefangene bezeichnet worden , war es ihm leicht , sie zu seinen Zwecken zu benutzen . Mit dem Papier in der Hand betrat er das Gemach der Gräfin , in dem dieselbe am Morgen von den zu ihrem Dienst befohlenen türkischen Frauen am Boden gefunden und mit Essenzen wieder zum Bewußtsein gebracht worden war . Stillschweigend legte er es vor ihr nieder , und als ihre Hand hastig danach griff , ihr Auge den Inhalt überflog und ein leiser Schimmer von Roth wieder die blasse Wange färbte , verrieth Nichts in seinem Gesicht die Gefühle von stolzem Frohlocken und bitterm Groll , die in seiner Brust tobten . » Sie haben Ihr Wort gelöst - vollenden Sie Ihr Werk und geben Sie dem Unglücklichen die Freiheit wieder . Er möge fern sein , ehe ich - das meine halte . Ich bin bereit dazu - nur gönnen Sie mir Zeit bis zum Abend und - lassen Sie uns dann sogleich diesen Ort verlassen . « Er versprach mit kurzen Worten , ihre Wünsche zu erfüllen , und schlug ihr vor , daß sie sich nach der Trauung sofort nach Belgrad auf den Weg machen und dann auf ihre Güter am Maros begeben wollten , um dort die Verhältnisse zu ordnen , indem er eines Urlaubs weiter nicht bedürfe . Sie willigte in Alles und fügte nur die Bitte hinzu , den deutschen Arzt ihr mitzubringen , dessen offenes redliches Gesicht ihr Vertrauen eingeflößt zu haben schien . Der Oberst versprach , daß er einer der Zeugen sein solle . Dann entfernte er sich und überbrachte die Begnadigung Sami-Pascha ' s dem Bey , der - kurz gebunden in seinen Beschlüssen , - dem Zigeuner eine genügende Tracht Schläge mit den Steigbügelriemen aufzählen und ihn dann durch zwei Soldaten aus der Stadt transportiren ließ mit dem Bedeuten , daß , wenn er sich je wieder darin blicken lasse , ihm Kugel oder Strick gewiß sei . Nursah - der schwarze Knabe - folgte von fern dem kleinen Zuge . - - Der Wind vom Flusse her strich eisig durch die winkligen Straßen und über die Wälle und Mauern her , als Welland das Konak des Pascha ' s betrat . Der große Hof war durch Fackeln erhellt , eine Anzahl von Soldaten und Dienern des Gouverneurs auf den Beinen , und der Arzt bemerkte nicht ohne eine heimliche Freude , eine bespannte Araba , möglichst bequem mit einem Deckschirm eingerichtet und in ihrer Nähe eine Eskorte von zehn türkischen Kosaken unter einem On-Baschi haltend , denn er hoffte nicht mit Unrecht , daß das Fuhrwerk die ungarische Dame aus Widdin führen solle . Noch ahnte er nicht , in wessen Begleitung . Es war dem Golde und den Bemühungen des Obersten gelungen , einen bosnischen Franziskaner-Geistlichen , der sich in Widdin aufhielt , aufzutreiben und diesen durch ein reichliches Geschenk zu vermögen , die Trauung zu vollziehen ; denn er kannte den Werth des Augenblicks und der günstigen Gelegenheit zu gut , um sich durch irgend eine Schwierigkeit zu einem Aufschub bewegen zu lassen . Der Doctor wurde auf die Frage nach dem Grafen in das Gebäude zur Seite gewiesen , vor dessen Tschardak die Araba hielt . Als ihn Sta Lucia , - der hier Wache zu halten schien , - erblickte , eilte er in ' s Haus und der Oberst kam ihm alsbald entgegen und führte ihn in ein Seitengemach . » Welche Nachricht , Doctor , bringen Sie von dem Kranken ? « » Er ist in diesem Augenblick vielleicht schon verschieden . « » Sie haben mir gestern zwar eine Bitte ziemlich rauh abgeschlagen , ich hoffe aber , daß Sie eine andere aus Rücksicht auf die Nerven einer Dame erfüllen werden . Wenn die Gräfin sich nach dem Gefangenen erkundigt , so verschweigen Sie ihr , in welcher Lage er sich befindet und sagen ihr vielmehr , daß er gerettet sei . « » Ich werde Ihren Wunsch erfüllen . « » Haben Sie irgend ein flüchtiges Salz , eine Essenz zur Stärkung der Lebensgeister bei sich - die Gräfin ist nicht wohl und bedarf Ihres Beistands ? « Der Arzt bejahte . » Wohl , so bitte ich Sie , mir zu folgen . Doch erinnern Sie sich , daß Sie - wenigstens im Schweigen mir Gehorsam schuldig sind . « Er führte ihn in ein größeres Gemach , in dem bereits mehrere Personen versammelt waren , Iskender-Bey mit seinen beiden Adjutanten und der Kolassi Wersbitzki , der Kommandant der türkischen Kosaken mit einem seiner Offiziere . Alle grüßten ihn freundlich und der Bey erkundigte sich sogleich nach dem russischen Capitain . Der Doctor wiederholte die Worte , die er dem Grafen gesagt . Es blieben ihnen nur wenige Augenblicke der Unterhaltung , - dann führte der Oberst , der sich durch eine zweite Thür entfernt hatte , an seiner Hand die Gräfin Helene in das Gemach . Hinter ihnen d ' rein kam der Franziskaner ; - erst jetzt bemerkte der Doctor , daß in einer Ecke des Zimmers ein weißbehangener Tisch mit Lichtern und einem