mit einem neuen Bewußtsein und vermehrter innerer Erfahrung , etwas hervorbringen , das alles übertrifft , was man einst bei fortgesetztem Fleiße und hastigem Streben zuwege gebracht ; eine günstigere Sonne scheint über dem spätern Tun zu leuchten . So ging es jetzt Heinrich ; er machte zwei große Forstbilder , einen Laubwald und einen Nadelwald , welche er sich als freundlichen grünen Schmuck für ein lichtes kleines Gemach dachte oder für ein hübsches Treppenhaus , damit da etwa im Winter oder in den Stadtmauern einige Grünigkeiten seien . Die Motive nahm er weislich aus den forstreichen Umgebungen des Landsitzes und komponierte nicht viel darin herum , vielmehr fühlte er einmal das Bedürfnis , das Vorhandene wesentlich darzustellen und es für jedes offene Auge erfrischend und wohlgefällig zu machen . Er überhastete sich nicht und schleppte oder faulenzte nicht , sondern führte Zug um Zug fort , bei der Beschäftigung mit dem einen , ohne zerstreut zu sein , an den nächsten und an das Ganze denkend , und indem es ihm wohl gelang , freute er sich dessen und lachte darüber , ohne im geringsten seinen Entschluß zu ändern und etwa neue Hoffnungen auf dergleichen zu setzen . Indem er so sich mit etwas abgab , das er auf immer zu verlassen gedachte und nur aus äußeren Nützlichkeitsgründen noch einmal vornahm , behandelte er diese Arbeit doch mit aller Liebe und Aufmerksamkeit , und diese ruhige und klare Liebe gab ihm fast mühelos die rechten Mittel ein , so daß unversehens die Bilder eine Farbe bekamen , als ob er von jeher gut gemalt hätte und die Gewandtheit und Zweckmäßigkeit selber wäre . Dies machte ihm das größte Vergnügen , und er bereute gar nicht , daß es das erste und letzte Mal sein sollte , wo er ein guter Maler war , vielmehr dachte er schon während dieser Arbeit an die neue Zukunft , und während er zweckmäßige und besonnene klare Farben aufsetzte , gingen ihm allerhand Gedanken von der Zweckmäßigkeit des Lebens überhaupt durch den Kopf . Der Graf war kein Gelehrter , was man so heißt , aber er kannte den Wert und die Bedeutung aller Disziplinen und wußte für das , wessen er bedurfte , sich das Wesentliche sogleich zu beschaffen und anzueignen , und immer war bei ihm guter Rat und ein gesundes menschliches Urteil zu finden . Demgemäß waren auch seine Büchervorräte und andere Hilfsmittel beschaffen , so daß Heinrich ganz ordentliche Studien betreiben konnte in den Mußestunden und den langen Nächten ; denn er war jetzt immer wach und munter , und eigentlich war ihm alles Mußezeit oder alles Arbeitszeit , er mochte machen , was er wollte . Er studierte jetzt verschiedene Geschichtsvorgänge ganz im einzelnen in ihrer faktischen und rhetorischen Dialektik , und fast war es ihm gleichgültig , was für ein Vorgang es war , überall nur das eine und alles sehend , was in allen Dingen wirkt und treibt , und eben dieses eine packen lernend , wie die jungen Füchse eine Wachtel . Neben diesen erheblichen Sachen fand er noch in dem Hause die beste Gelegenheit , manche gute und nützliche Dinge zu lernen , an welche er bisher nicht gedacht und deren Mangel er erst jetzt bemerkte . Obgleich der Graf seiner sogenannten radikalen Gesinnung und abweichender Handlungen wegen in der ganzen Gegend bei Standesgenossen und anderen Respektspersonen verschrieen und verhaßt war , so hielt er doch einen gewissen Verkehr mit ihnen aufrecht und zwang sie , während seiner Gegenwart wenigstens menschlich und möglichst anständig zu sein , wobei ihn seine Pflegetochter mit geringer Mühe und großem Erfolge unterstützte . So kam es , daß der Gehaßte und Verleumdete doch überall willkommen war und die verkommenen übelwollenden Gesichter gegen ihren Willen aufheiterte , so wie sie sich auch etwas darauf zugute taten , in sein Haus zu kommen , und trotz ihres Nasenrümpfens es nie verfehlten , wenn er von Zeit zu Zeit die Pflichten der Nachbarschaft übte . Heinrich , als aus den mittleren alten Schichten des Volkes entsprungen , hatte bis jetzt dergleichen nicht geahnt oder geübt . Wen er nicht leiden konnte , mit dem ging er nicht um und war gewohnt , seine Abneigung wenig zu verhehlen sowie auch jede Unverschämtheit sogleich zu erwidern und nichts zu ertragen , was ihn nicht ansprach . Diese Volksart , an sich gut und tugendhaft , ist in der gebildeten Gesellschaft hinderlich und unstatthaft , da in dieser wegen der Ungeschicklichkeit im Kleinen das Große und Wichtige gehemmt und getötet wird . Das Volk braucht nicht duldsam zu sein im Kleinen , weil es das Große zu ertragen versteht ; jene aber , welche dieses ohnehin nicht haben oder es selten ertragen können , sind darauf angewiesen , für ihre Armut und Fratzenhaftigkeit Nachsicht und Duldung zu verlangen und gegenseitig zu üben , so daß hieraus ein starker Teil der guten Sitte entspringt , die sich sogar zu veredeln und etwas Tieferes zu werden fähig ist . So lernte jetzt Heinrich nach dem Beispiele des Grafen sich auf seinem Stuhle ruhig zu verhalten , die Fratzen , die Rotznasen und die Erbsenschneller zu ertragen und sich gegen jedermann artig zu benehmen , und was er erst mehr heuchelte , als in guten Treuen empfand , lernte er nach und nach in der besten Meinung von innen heraus tun und befand sich um vieles wohler dabei , ersehend , wie in jedem Geschöpfe etwas ist , was wert ist , daß man einige Liebe auf es wirft und ihm einigen Wert verleiht . Zuletzt schämte er sich sogar bitterlich seines frühern Übermutes und fühlte , wie weit mehr man Gefahr läuft , den Armen und Widersinnigen gleich zu werden , wenn man sie befehdet und zwackt , als wenn man sie gewähren läßt ; denn sie haben etwas Dämonisches und Verheerendes an sich . In einem ganz sonderlichen Verhältnisse zu dem Hause stand der katholische Pfarrer des Ortes , welcher so oft in Gesellschaft des Grafen