Trompetta ! Ich sehe , Sie sind wohl ! Ich begrüße Sie von Herzen . Aber Begrüßung und Abschied in demselben Augenblick ! In einem Besuche bei meiner lieben Pauline überrascht mich diese glänzende Gesellschaft , für die ich nicht vorbereitet bin . Damit kam sie voll Grazie auf Paulinen zu , um von ihr für heute Abschied zu nehmen . Pauline , die in der linken Hand fast noch den zarten weißen Handschuh der rechten Hand von Melanie fühlte , gab ihr ihre Rechte und zog sie zu sich nieder und wollte von der frühen Trennung nichts wissen . Sie hatte ja jetzt ihre bestimmten Absichten mit den beiden Frauen , die sie umgaben . Zwar war sie durch den Eindruck , den Melanie machte - für so schön hatte sie dies vielbesprochene Mädchen nicht gehalten ! - in der Meinung , durch die d ' Azimont sie zu » eklipsiren « , ganz irr geworden . Doch sah sie eben , daß auch Helene ihren Reiz hatte . Ein so zartes sanftes Auge , wie Helene in schüchternen Momenten aufschlagen konnte , besaß Melanie nicht , bei der das Auge im Grunde doch nur schelmisch irrend und fast nichtssagend war . Helene erschien geistig , seelenvoll , Melanie vielleicht nur schön , vielleicht fast kalt , nur eitel . Trotzdem , daß Schlurck Paulinen die Versicherung gegeben hatte , die Gefahr , in die sie durch Egon ' s Kenntnißnahme von Enthüllungen seiner Mutter in der Gesellschaft auf den Rest ihres Lebens gerathen könne , ließe sich noch abwenden , fühlte sie doch die Nothwendigkeit , sich auf alle Fälle mit Egon auf einen sichern Fuß zu stellen und noch glaubte sie mit begründetem Rechte , daß auf jener Rückreise Melanie die siegende Rivalin Helenens geworden war . Sie träumte von Vertraulichkeiten zwischen den beiden Reisegefährten von Hohenberg , von Complotten und allen möglichen bösen Dingen , die Melanie durch Bekanntschaft mit dem Inhalte des Bildes schon über sie könnte in Erfahrung gebracht oder befördert haben . Das befremdete Erstaunen des jungen Mädchens über die Gräfin d ' Azimont entging ihr nicht . Sie konnte nicht ahnen , wie es in ihr rief : Das ist nun die schöne Frau von Paris , mit der du einen Mann im Schloßgarten von Hohenberg geneckt hast , der dich täuschte ! Helene nahm an Melanie , die ihr flüchtig vorgestellt wurde , wenig Interesse . Sie war ohne Neid . Sie duldete jeden andern Vorzug . Sie konnte sich freuen , wenn Andere schön und glücklich waren . Diese im Grunde gute Natur gab Helenen etwas außerordentlich Sicheres und einen gewaltigen Vorsprung vor einem Wesen wie Melanie , das von einer fortwährenden Unruhe und allen nagenden Bedrängnissen der Gefallsucht gepeinigt wurde . Helene war aus einer völlig andern Form weiblicher Schönheit geprägt . Sie zählte zehn Jahre mehr als Melanie , aber da sie klein , zart gebaut , von rundlichen Formen war , so that ihr die Zeit nicht so viel Abbruch , wie sie größeren , schlankeren , spitzeren Formen zu thun pflegt . In Helenen lag der Zauber des rein Weiblichen , den Melanie nicht besaß . Diese konnte sinnlich blenden , aber kaum so das Bedürfniß der höheren Liebe reizen , wie die weichen Formen der d ' Azimont . Melanie ihrerseits fühlte das mit gewaltigem Eindruck . Sie hatte doch irgend eine geheimnißvolle Beziehung zum Fürsten Egon , das wußte sie , wenn sie auch schmerzlich darunter litt , daß der männliche , herausfordernde , kecke Dankmar der Fürst nicht gewesen war . Wie hatte sie diesen mit der d ' Azimont geneckt ! Purpurglut der Scham und jede Wallung des Zornes überkam sie , wenn sie daran dachte , daß Dankmar ihr ja immer die reinste Wahrheit gesagt und nur ihre eigene tolle Verblendung , ihre eigene dem Höchsten nachstrebende Verkehrtheit diese Wahrheit nicht hatte hören wollen . Das war nun die d ' Azimont , mit der sie den vermeintlichen Prinzen » aufgezogen « hatte ! Das jene schöne elegante Pariserin , auf die sie einem Schattenbilde , einer Täuschung zu Liebe , Eifersucht gefühlt hatte ! Pauline bemerkte wohl , welchen forschenden Blick sie auf Helenen richtete . Das ist der Blick einer Rivalin ! sagte sie sich und beobachtete und verglich Beide von ihrem Standpunkte . Auf die Ströme von Fragen , in denen die Trompetta auf Helenen sich ergoß , antwortete diese lächelnd mit einer ihr sehr angenehm stehenden schmerzlichen Resignation . Wäre sie mager , flüsterte Heinrichson Reichmeyern in ' s Ohr , ich würde etwas von der Madonna des Murillo in ihr finden . Der Blick ist vollkommen der des Spaniers . Eine Spanierin , ja ! sagte Reichmeyer . Aber es ist noch mehr die heilige Therese , die leidenschaftliche Äbtissin der unbeschuhten Karmeliterinnen . Ich glaube , daß sie alle Mysterien der irdischen Liebe kennt , wie die heilige Therese die der himmlischen . Helene hielt solchen Kritiken und Vergleichungen nicht zu lange Stand . Sie foderte die Trompetta auf , ihr die Stunde zu sagen , wo man sie sprechen könne . Diese antwortete , sie wäre zu viel in Bewegung , um eine feste Zeit einhalten zu können , aber schon morgen käme sie selbst zu ihr . Helene nickte graziös und erhob sich dann wirklich , um zu gehen . Pauline begleitete sie . Wie die Kleine in ihrer einfachen schwarzen Tracht neben der phantastisch aufgeputzten jugendlichen Matrone über das Parkett schritt , hatte sie den ganzen Zauber reinster und natürlichster Menschlichkeit für sich . Sie war von Dem , was sie heute Alles erlebt hatte , erschöpft . Man sah ihr die Abspannung an . In dem Vorzimmer umarmte Pauline sie noch einmal und sagte : Helene , Sie sind groß ! Sie haben sich wie eine Heldin bewährt ! Sie beherrschten sich . Es wird Aufsehen machen . Als die Gräfin statt aller Antwort die Augen gen Himmel aufschlug , in