die Säle seiner Fabrik . Die Maschinen standen still , kein Arbeiter war zu sehen , dennoch aber hörte er das Schwirren der Räder und Spindeln , und eine leichte Wolke feinen Wollstaubes umhüllte ihn . Er konnte nicht unterscheiden , ob es Tag oder Nacht war , denn obgleich die Lampen nicht brannten , glühten und leuchteten doch die gläsernen Kugeln , welche sie umgaben , und ein röthliches scharfes Licht strahlte von ihnen aus . Auch der Himmel war hell und durchsichtig blau wie am Tage , nur schien es , als sei statt der Sonne der Mond aufgegangen . Die goldglänzende Kugel wärmte nicht , ihr Licht war kalt und farblos . Wie bläuliches Feuer durchströmte es die umliegende Haide und spiegelte sich in den schimmernden Wellen des See ' s. Die Glocke schlug die zwölfte Stunde , dann läutete es . Die Thüren aller Säle , die Adrian auf einmal übersehen konnte , thaten sich auf , und in langem Zuge erschienen die Spinner . Es waren aber keine Menschen von Fleisch und Bein , sondern graue durchsichtige Schatten mit kummervollen Mienen , tief eingefallenen , entsetzlich leuchtenden Augen , die sie alle unverwandt auf den erschrockenen Gebieter richteten . Jeder trat an seinen Ort und das ganze Heer dieser murmelnden Schatten begann zu spinnen . Kaum bewegten sich die Maschinen , als Adrian einen namenlosen Schmerz empfand . Er sah , wie seine Haare sich bäumten , wie die Finger der gespenstischen Spinner darnach griffen und sie an die Spindeln hefteten . Dabei hörte er das Höhnen und Lachen von tausend Stimmen , die sich freuten über seine Qualen . Die verhungerten Kinder krochen hervor unter den rasselnden Walzen , umringten ihn und führten einen phantastischen Tanz auf , während er von den zahllosen Spindeln emporgehoben wurde und nach allen Seiten hin durch die Spinnsäle schwebte . Ihm war , als fühle er sich unter unsäglichen Qualen immer kleiner werden , zum Zwerg einschrumpfen und endlich fast ganz verschwinden . Was von ihm übrig blieb , war nicht größer als ein gewöhnlicher Ball , deren sich die Kinder bei ihren Spielen bedienen . Diesen Ball , in dem Adrian sich fühlte und wußte und sah , ergriff zuerst der finstere Martell und schleuderte ihn Maja Simson zu , die ihn in großen Bogen weiter warf . Ein Wesen , das er kannte , obwohl es mit den Arbeitern in keiner Verbindung stand , fing ihn auf , legte ihn behutsam auf die Erde und stampfte dann mit beiden Füßen darauf , daß er jeden Tritt schmerzhaft fühlte und unter den erbarmungslosen Stößen laut seufzte und stöhnte . Ein Fußtritt schnellte ihn wieder zurück in Martells Hände , der das vorige Spiel von Neuem begann . Wohl zwölf Mal mußte Adrian sein fühlendes Selbst in so schrecklicher Weise durch einen endlosen Raum fliegen sehen . Da fing ihn zuletzt Bianca auf , liebkoste ihn und legte ihn in ihren Schooß ! Adrian war wieder er selbst . Er kniete vor der spröden Schönen und flehte um ihre Liebe . Die Grausame lächelte kalt und schüttelte ihre glänzenden Locken , indem sie mit dem Zeigefinger der rechten Hand seitwärts deutete und Adrian zwang diesem Fingerzeige zu folgen . Da sah er in ein dunkles , feuchtes Gewölbe . Einander gegenüber saßen zwei scheußliche Gestalten , die bald sich bald ihn verfluchten . Zwischen ihnen kniete eine greise Frau in schwarzen Gewändern . Er erkannte in ihr Herta , seine Tante . Sie betete und rief um Gnade für ihren Sohn , über den eine strafende Stimme laut das Todesurtheil aussprach , so laut , daß Adrian jedes Wort deutlich verstehen und an dem Tone die Stimme seines Bruders Aurel erkennen konnte . Obwohl der Träumende diesen Sohn weder sah noch kannte , fühlte er doch die Nähe desselben und bei diesem Gefühl ward ihm so schwer und bang , daß er zu ersticken glaubte . Er wollte nach Hilfe rufen , konnte aber nicht , denn die nassen kalten und schönen Haare Theresens , die seinetwegen sich den Tod gegeben hatte , umschnürten seinen Hals ! Lange mußte er röchelnd die erschütternde Gruppe in dem dunkeln Gewölbe betrachten , ohne eine Secunde lang sein Auge davon wegwenden zu dürfen , und als endlich das peinigende Bild verschwand , zogen in langer Reihe alle diejenigen wieder an ihm vorüber , denen er im Leben einmal Böses zugefügt hatte . Dieser Zug war von grauenvoller Ausdehnung und von schauerlicher Lebendigkeit . Jeder rief händeringend Wehe über ihn und kehrte sich , wenn er vorüber war , nochmals mit grimmiger Gebehrde gegen ihn , um einen zürnenden Fluch auf ihn zu schleudern . Als endlich auch dieser gespenstische Zug in feurigem Dunst verschwand , hörte er von fern Trompetengeschmetter , das schnell näher kam . Adrian erbebte vor diesen rauschenden , schreienden Tönen , denn ihm kam es vor , als solle das Weltgericht beginnen und von allen Geschöpfen sei er allein der Verworfene , zu ewigen Qualen Verdammte ! Nochmals erklang der Ruf der Trompete , das seinen Hals umschlingende Haar löste sich , er konnte athmen und erwachte ! Dieser wüste Traum , ein treues Abbild von Adrians Seelenzustande , schien mit der Wirklichkeit einigermaßen im Zusammenhange zu stehen . Es war lichter Tag und Adrian hörte jetzt wirklich das laute Geschmetter einer Trompete , das der Wind vom Dorfe her über den See jagte . Auf sein heftiges Klingeln trat der stumme Jean ein und bedeutete dem bestürzten Grafen , daß etwas Ungewöhnliches im Dorfe vorgehen müsse . Adrian stand nun auf und eilte an ' s Fenster . Mitten auf dem See schwamm die Fähre gegen die Insel . Sie war mit Menschen dicht besetzt , aus deren Mitte ein Reiter hervorragte , der von Zeit zu Zeit in eine Trompete stieß , worauf sowohl die Menschen auf der Fähre , als die Bewohner des Dorfes ein lang andauerndes Hurrah erschallen ließen . Der Name Martell