die , trotz ihrer Millionen , nicht verschmäht hat , die alte Mistreß Gray zu beerben , die ihr eigen Kind deshalb verstieß ! « Elmerice hörte ruhig lächelnd diesen Ausbruch an ; sie hatte nicht gezweifelt , daß sie ihn erleben würde und deshalb gewünscht , mit ihr allein zu sein . » Ja , Madame St. Albans , « sagte Elmerice nach einer kleinen Pause - » ich habe es nicht verschmäht , diese Erbschaft anzunehmen ; denn meine Weigerung hätte Ihrer Mutter das Herz gebrochen . Aber sie gab mir Vollmacht , Alles nach meinem Gutdünken anzuwenden ; - und eben darüber wünschte ich mit Ihnen zu sprechen . Die Erbschaft bestand aus einem baaren Vermögen in Golde , welches , in Beisein des Pfarrers und des Arztes , in der bezeichneten Kiste gefunden ward . Hier ist der Inhalt aufgeschrieben ; aber nicht so wünschte ich Ihnen den Nachlaß Ihrer Mutter zu übergeben - nehmen Sie hier den vom Prior vollzogenen Kaufkontrakt von Ihrer bisherigen Pachtung Tabor ; sie ist jetzt mit dem dazu gehörenden Walde Ihr und Ihres Mannes unbestrittenes Eigenthum . « » Heiliger Gott , die ganze Pachtung - und den Wald noch überdies ! « rief Madame St. Albans . - » Nun , solch Gut könnte ja einem Baron gehören . Ach , das kann unmöglich sein , dazu langte das Vermögen meiner armen Mutter nicht hin ! « » Machen Sie sich deshalb keinen Kummer , « erwiederte Elmerice , erleichtert durch die Freude der wunderlichen Frau ; - » Margarith Eton , ihre Freundin , besaß Vermögen genug , das Fehlende zu decken . « » Nun , das nenne ich großmüthig ! « rief Madame St. Albans . » Tausend , mein Kind - Sie verstehen die Gräfin zu spielen ! Doch verzeihen Sie , ich vergaß über der Freude , meinen Dank abzustatten . Nein , wirklich viel - viel zu viel Güte - ich weiß gar nicht , ob ich es annehmen darf ! « » O , nehmen Sie es , « sagte Elmerice herzlich - » und lassen Sie uns nicht mehr davon sprechen ! Gewiß , ich bin Ihnen Dank schuldig für die Freude , die Sie mir jetzt gewähren . « - » Ei , ei , meine liebe Frau Gräfin - das ist nun ein wenig zu fein ausgedrückt für so eine einfache , natürliche Frau , als ich bin ! Doch das ist nun einmal Ihre Art , und schickt sich jetzt auch besser für Ihre hohen Zirkel , worin Jemand nicht paßt , der einfach vom Herzen wegspricht . Also noch ein Mal meinen allerunterthänigsten Dank ! « Elmerice eilte , diese peinliche Unterredung zu endigen , und hatte eine schöne Genugthuung durch die edle , ruhige Weise , wie Herr St. Albans ihr reiches Geschenk aufnahm . Beide genossen noch lange ihre schöne Besitzung , die sich in allen Zweigen der Kultur auf das Musterhafteste verbesserte . Zuerst folgten Elmerice und Leonce der Gräfin d ' Aubaine nach Ardoise ; - von da gingen sie nach Ste . Roche zurück und suchten es mit der vollständigsten Pietät für das Andenken , was daran haftete , herzustellen . Emmy ' s Zimmer wurden von Elmerice selbst behütet , wobei ihr Asta zur Hand ging , die , in der nächsten Stadt zur ersten Dienerin vollständig und sorgfältig ausgebildet , ihre junge Gebieterin nicht mehr verließ . So blieb Ste . Roche noch lange ein wohl behütetes Denkmal vieler Jahrhunderte ; denn neben den wieder hergestellten , einfachen Gemächern der Claudia von Bretagne , ihrer Betkapelle und Begräbnißgruft , stiegen die Prachtsäle und Gemächer der Katharina von Medicis , wie der früheren Grafen Crecy-Chabanne , mit ihrem alten Glanze empor . Nur der verhängnißvolle Banketsaal veränderte seine Gestalt ! Schwarze sammetne Vorhänge umzogen seine Wände ; herrliche farbige Scheiben zierten die riesigen Fenster mit symbolischen Bildern und den Wappenschildern der Crecy ' s ; und über der schauerlichen Tafel , die einst Ludwigs Leiche trug , erhob sich in glänzend weißem Marmor ein von Engeln gestütztes Ruhebett , worauf Ludwigs und Reginalds Statuen , nach guten Gemälden gebildet , Hand in Hand ruhten . Wo aber sonst der Thron der Katharina von Medicis stand , hing hinter einem großen Vorhange - Fennimors Engelsbild ! Eben so war der schauerliche Platz am Kamine verschwunden ; vor seinem kunstreich verschlossenen , mit schwarzen Marmorbasreliefs verzierten früheren Heerde , standen zwei Betstühle , und hier wurde bei der Gegenwart der Herrschaften stets ein feierliches Todtenamt gehalten . Durch zweckmäßigen Ausbau war dieser Saal außer aller Berührung gesetzt , während die luftige Gallerie , die daran stieß und zum Eudoxienthurme führte , wieder schon und alterthümlich hergestellt war . Die sich anschließenden Hofdamen-Zimmer waren zu heiteren , luftigen Gemächern aus dem Glanzpunkte dieser Epoche umgeschaffen . Der Eudoxienthurm blieb aber Elmerice ' s Eigenthum - ein mit jugendlich schöner Empfindsamkeit gehegtes kleines Bijou , zu welchem nur Leonce in einzelnen glücklichen Stunden Zutritt hatte - wo sie ihr Glück überlegten und Gott dafür dankten ! Nur selten , und nur auf wenige Monate bezogen sie ihre reichen Palais in Paris und Versailles - und immer nur , wenn Armand und Lucile , Margot und Guiche mit ihnen dort zusammen trafen . Dazwischen unterhielten die gastlichen Züge dieser Familien von einem Schlosse zum anderen , bei welchen selbst die Gräfin Franziska nicht fehlen wollte , das herzlichste und genußreichste Familienleben , das durch nachfolgende Ereignisse nur immer reicher und schöner ward . Waren die Familien aber in Ste . Roche , so erschien nicht selten Lord Duncan mit einigen seiner Kinder , als jubelnd empfangener Gast ; und immer gehörten zu den theuersten Freunden die Greisengestalten des Vikars , des Arztes und der edeln Veronika , wenn ihr hohes Lebensziel ihnen auch nur noch kurze Zeit gewährte . So war ein allseitiger , großer Besitz auf gutem Grunde erbaut - auf dem sittlichen Werthe seiner