daher , den Mann zu sehen , Herr Komthur . « - » Gern ! « antwortete dieser , und stieß mit des Schwertes Scheide auf den steinernen Boden , daß es an der Decke des Saals wiederhallte , worauf die Flügelthüre sich öffnete , und ein blendender Kerzenschimmer hereinstrahlte . Die plötzliche Helle schloß Bilger ' s Augenlied , aber schnell eröffnete er es wieder , als eine süße Stimme seinen Namen rief , und die Freude rüstete ihn mit starkem Arme empor , da seinem Blick hinter dem Diener , der die Kerzen hereintrug , die Gestalten sich zeigten , die seine Einsamkeit schon diesen Abend besucht hatten ; diesmal aber keine vergebens nach ihm sich sehnende Engelsbilder , sondern lebende , verkörperte Gestalten , die an sein Herz flogen , die ihn mit Liebesarmen umschlangen , und ihm abwechselnd zuflüsterten oder zujubelten : » Gatte ! Vater ! wir sind hier , ... wir , Dein Weib , Dein Kind ! Wir sehn Dich wieder ! « Rudolph ' s Augen , vor Kurzem noch überfließend von den Zähren des Jammers , strömten nun über von den Thränen der Freude , der dankbarsten Freude . Aber nicht in seinen Wimpern allein hingen diese köstlichen Perlen des Gefühls : auch die Gattin schluchzte an seinem Halse , auch die kleine Agnes weinte unter ihren freundlichen Liebkosungen , - und an der Thüre stand die harte Judith , aufgelöst in Rührung ; in der Mitte des Saals stand der Komthur und fühlte sein rauhes Herz erschüttert von menschlicher Bewegung . Die Glücklichen , die sich wiedergefunden hatten , vergaßen die Zeugen um sich her , und verloren sich in Fragen und in Antworten , in dem Labyrinth der Rede , welche der laute Herold des innern Gefühls ist . Ach , nun erfuhr Rudolpf , daß Katharine von seiner ersten Ehe wußte , wenn gleich nicht das Daseyn des Knaben Johannes . - Diese Künde war ein bittrer Tropfen in Bilger ' s Freudenkelch , und er nahm ihn hin wie ein reuiger Sünder , ohne zu läugnen , obschon Katharine mit ängstlichem Blicke dieses Läugnen erwartete , und einer Sylbe von seinen Lippen mehr geglaubt hätte , als allen Schwüren Wallradens , deren entsetzliche Falschheit sie kennen gelernt hatte . Als jedoch Bilger reuevoll um Vergebung bettelte , da wurde aus den schmerzlichen Vorwürfen der Gattin der barmherzige Trost eines Engels , und sie vergab , und forderte ihn auf , sie , und Agnes ferner nicht zu verlassen . » Wer auch jene Andre sey , « rief sie begeistert : » sie liebt Dich nicht wie ich ; sie hat Dich nie also geliebt ; unglücklich muß sie Dich gemacht haben , denn Du bist denen treu , die Du im Herzen trägst , ... obgleich Du auch von uns gegangen bist , von mir und Deiner Agnes ! « - Katharine schwieg schluchzend und kauerte sich zu dem Mägdlein hernieder , um ihre nassen an dessen Halse zu verbergen . Der Herr von der Rhön rief dagegen , den Komthur heftig bei der Hand fassend : » Seht her , edler Herr , seht her ; welch ein Weib ! Ihr habt nur Sinn für die äußere Blüthe der Frauen , aber ahnen mögt ihr dennoch , was Liebe , was Tugend , was Hingebung und Opfer für den Geliebten sey ! Weh mir , daß ich solch ein Herz zu betrüben geschaffen bin , und daß ich noch Schande häufe , auf dieses theure Haupt . Wehe Euch , Herr , denn Ihr habt mich zu jenem abscheulichen Bunde überredet ; Ihr gabt dem Zagenden , dem blöden Jüngling die Mittel zur Hand , die Kette unwiderruflich zu schmieden , nach welcher sein ahnend Herz bald verlangte , welche es bald verwarf . O hätte ich doch nimmer die Stunde erlebt , in welcher ich das verhängnißvolle Ja gesagt , hätte ich doch nimmer den dienstfertigen Mönch geschaut , den Eure Hand auf Baldergrün einführte , dessen Segensspruch - der Fluth meines Lebens - dieses edle Weib zu meiner Krebsfrau , dieses holde Kind zu einem Bastard macht , - und mich gefesselt hält an die unselige Wallrade ! « - » Wallrade ! « schrie Katharine laut auf , und sank von der Überraschung überwältigt , zu Boden . Judith flog auf die Erblassende zu , und mit dem Rufe : » Barmherziger Gott ! sie stirbt ! « wollte sich Rudolph neben ihr niederwerfen . Issing hielt ihn heftig zurück . » Seyd ein Mann ! « sprach er ernst und doch nicht unfreundlich : » das ist nicht der Tod ; eine Schwäche blos , aus welcher dieses Weib hier die Unglückliche rütteln mag . Ich dafür will Euch aus einer verderblichern Ohnmacht zum Leben reizen , aus den Ketten einer verderblichen Wahns . Hört mich an , und wohl mir , daß mein Spott am Heiligsten mir gönnt , euch Heil zu verkünden . Wallrade hatte mich unterjocht , und wünschte , meiner fast überdrüßig , und Euch mit flücht ' ger Liebe umfassend , eng mit Euch verbunden zu seyn , um den zaudernden blöden Freier unauflöslich an sich zu binden . In einer schwachen Stunde entlockte sie mir den Eid , selbst die Hand dazu zu bieten . Ich konnte nicht zurück , fühlte ich gleich die ganze Hölle , selbst den Segen über die Geliebte und den verhaßten Nebenbuhler sprechen zu müssen . Aber meine Arglist verfiel auf eine Auskunft . Ich wollte Euch binden , aber nur vor Euern Augen ; und einst euch niederdonnern mit dem grimmigsten Hohne , Euch erniedrigen vor meiner Verachtung . Der Kirche Segen durfte nur ein Possenspiel seyn , und ein Ordensknecht , der dem Noviziat im Bettelkloster davon gelaufen war , stellte den Mönchspopanz vor , der Euch verband mit ruchloser Spottrede und entweihter Stola . « - » Wie ? « stammelte von der Rhön , zurückfahrend .