Arbeit gesehen und mit Anstand verkauft wird . Erst dann können Sie mit Ehren dem Handwerke , das Ihnen unzulänglich dünkt , den Rücken wenden und Ihren Sinn auf das Weitere richten . « Hierauf erwiderte Heinrich nichts , sondern blieb einsilbig den übrigen Teil des Abends hindurch , selbst als der seltsame Pfarrer am Abendessen teilnahm und mit kuriosem Humor die Gesellschaft erheiterte . Aber als Heinrich im Bette lag , überdachte er alle diese Dinge mit großen Sorgen ; denn er erinnerte sich erst jetzt mit Macht an seine Mutter , zu welcher er noch gestern unaufhaltsam hatte laufen wollen , und es wollte ihn bedünken , daß er nun unverzüglich seinen Weg fortsetzen und sich durch keine Umstände von dieser so einfachen und natürlichen Absicht ablenken lassen solle . Es schwebte ihm vor , wie wenn der Vorschlag des Grafen , seine Freundschaft , die Schönheit Dorotheas , das gastliche Haus und das feine Leben darin , alles dies eine künstliche , glänzende und lockende Welt wäre , welche ihn von dem harten und schmalen Weg seines guten Instinktes wegziehen und in die Irre führen möchte . Obgleich er über diese unsinnige oder unklare Ahnung sogleich lachen mußte , dachte er doch , es wäre für einmal besser , wenn er seiner Absicht treu bliebe und unverzüglich nach Hause reise , um da auf heimatlichem Boden aus sich selbst heraus und ohne alle Ansprüche zu sehen , was er treibe . Er beschloß desnahen , am andern Tage unverbrüchlich jenen Weg einzuschlagen , anstatt mit dem Grafen zu gehen , und schlief mit diesem Vorsatze ein , aber nicht ohne alsobald wieder aufzuwachen und nichts anderes vor sich zu sehen in der Dunkelheit als das Bild Dorotheas , welches freundlich , aber unbarmherzig allen Schlaf verscheuchte . Hierüber wunderte er sich sehr und fragte sich bedenklich , ob er etwa wirklich verliebt sei ? Es war lange her , seit er dies gewesen , aber dennoch glaubte er aus dem Grunde zu wissen , was Liebe sei , und hielt seine aufgeschriebenen Knabengeschichten noch immer für Meisterwerke leidenschaftlicher Erlebnisse . Und dennoch konnte er sich jetzo nicht entsinnen , auch nur ein einziges Mal etwa nicht geschlafen zu haben während jener Geschichten , und war ganz verblüfft , erst jetzt ein ihm bisher unbekanntes Gefühl seinen Rumor beginnen zu sehen , welches ganz anders ins Zeug und in die Tiefe zu gehen schien als alle jene Verwirrungen und Anfängerstückchen . Eine frohe Bangigkeit durchschauerte ihn , Furcht und Lust zugleich , sich selbst zu verlieren , und so gefährliche Dinge schienen sich da ankündigen zu wollen , daß er doppelt beschloß , sich am andern Tage zu flüchten . Aber als er in der Frühe geweckt wurde und ein Wagen schon im Hofe stand , während der Graf und Heinrich das Frühstück nahmen , war es ihm nicht möglich , mit einem Worte seines Entschlusses zu erwähnen , ja er dachte kaum noch daran , da es sich von selbst zu verstehen schien , daß er nie einen Augenblick im Ernste von der Seite dieser Person wegkäme . Ohne weiteres stieg er mit seinem Beschützer in den Wagen und mußte der Dorothea versprechen , sich in der Hauptstadt wieder einen grünen Rock anzuschaffen . Als er das versprach und der Wagen in den sonnigen Herbst hinausrollte in der gastlichen Gegend , war es ihm , als ob er böse wäre auf seine arme Mutter , die da im Vaterland säße und in ihrem Schweigen die unerhörtesten Ansprüche erhöbe , alles zu lassen und stracks ein ungeteiltes Herz zu ihr zu bringen ; denn in seiner Konfusion und bei der Neuheit der Empfindung glaubte er , daß es jetzt um die Liebe zu seiner Mutter geschehen sein müsse , da er eine Fremde mit solchen Augen ansah , wie er noch nie eine angesehen . In der Stadt angekommen , sah er sich die Straßen , in denen er in seiner Trübseligkeit umhergegangen , mit Muße an und ging in Gedanken immer selbander durch dieselben hin . Er kaufte sich zwei große Stücke Leinwand und alles dazugehörige Zeug , auch versah er sich mit neuen Kleidern und Effekten , und endlich wollte der Graf auch den alten Trödler aufsuchen , um durchaus die größeren Sachen Heinrichs wiederzuerwerben , die derselbe ihm verkauft . Sie gingen miteinander hin und fanden in dem dunklen Gäßchen den kleinen Laden halb verschlossen . Die andere Hälfte stand nur so weit offen , soviel Licht einzulassen , als eine kleine armselige Auktion brauchte , welche in der Spelunke stattfand ; denn das Männchen war vor wenigen Wochen gestorben . Dies tat Heinrich sehr weh , und er bereute es nun , nicht mehr zu dem Alten gegangen zu sein , da er es bei aller Wunderlichkeit so gut mit ihm gemeint hatte . Es trieben sich nur wenige geringe Leute in dem Laden herum und gingen die dunkle Treppe auf und nieder in der engen Wohnung des Verschwundenen , um den niemand sich sonst gekümmert hatte und der auch um niemanden sich gekümmert . Heinrichs Bilder waren noch alle da mit den übrigen Siebensachen , und es kostete wenige Mühe und noch weniger Mittel , derselben habhaft zu werden . Er verpackte sie im Gasthofe , sie nahmen dieselben gleich mit , und Heinrich sah mit angenehmen Gefühlen wenigstens den wesentlicheren Teil seines ehemaligen Besitztumes wieder beisammen und in einem guten Hause aufgehoben , wo er selbst so gern zeitlebens geblieben wäre . Zwölftes Kapitel Was der Graf vorausgesagt , geschah nun wirklich . Heinrich schlug in einem hellen Gemache seine Werkstatt auf , zwei große ausgespannte Tücher luden mit ihrer weißen Fläche Auge und Hand ein , sich darauf zu ergehen , die alten Bilder und Kartons hingen stattlich an der Wand , und seine Studien lagen ihm bequem zur Hand . Man kann eine Übung lange Zeit unterbrochen haben und dennoch , wenn man sie zu guter Stunde plötzlich wieder beginnt