: » Setzen Sie sich und schreiben ! « Walter folgte mechanisch . » Nein , hier neben mir ; ich will Ihnen ins Gesicht sehen . « Der Minister sah ihm , kaum zwei Schritte entfernt , ins Gesicht . War das wieder eine seiner eigenthümlichen réparations d ' honneur oder sollte es eine Prüfung sein ? Der Minister dachte an beides nicht . Er übersann ein Thema , mit dem er nicht fertig werden mochte , er steckte das Gedenkbuch wieder in die Tasche : » Es ist gut , ein ander Mal . « Was sollte das heißen ? - Er bestimmte ihm einen anderen Tag . Nein , morgen : überhaupt erwarte er ihn jeden Tag um die und die Stunde . Weshalb ? Wozu ? » Die Form Ihrer Anstellung wird sich später finden . Die Branche , für die Sie sich eignen , muß sich erst ermitteln . « Walter sah ihn mit stummer Verwunderung an : » Eben war ich auf das Schmerzlichste in meiner Ehre gekränkt - « » Das ist ausgeglichen , « fiel der Andere ein . » Sie wollen Ihre Freiheit aufgeben , sich dem Staatsdienst widmen . Ich nehme Ihr Anerbieten an . Wie gesagt , bis sich etwas Bestimmteres findet , betrachte ich Sie als meinen Privat-Sekretär . Ich kann in vielen Dingen Ihre Feder gebrauchen . « - » Ich bin noch nicht gereinigt . Nach einer so schweren Anklage muß der Angeschuldigte auf einen klaren Richterspruch bestehen . « - » Sind Sie so punktiliös ? Ich sprach mit Fuchsius . Die Sache klärt sich einfach auf . Während er in der Bearbeitung meines Entwurfs war , kam ihm Ihre Schrift zu Händen . « - » Er räumte ein - ? « » Daß er sie benutzt hat . « - » Wer gab ihm ein Recht dazu ? « - » Er hielt die Schrift für eine preisgegebene , verschollene - machen Sie das mit ihm aus . « - » So entblödete er sich nicht , eine fremde Arbeit für die seine auszugeben . « - » Er entnahm Ihnen nur die Entwicklung der Gründe , die Ausführung - « » Dreiviertel seiner Schrift - « » Unter anderen Verhältnissen auch würde ich es nicht gut heißen . Hier galt es , eine schwierige Arbeit bald und zum Zwecke tauglich herzustellen . Die suprema lex , das salus reipublicae . Warum doppelt schreiben , was einmal zum Zweck genug ist ? « Der Minister wollte den Regierungsrath gerechtfertigt sehen , es wäre von Walter thöricht gewesen , jetzt mit Hartnäckigkeit auf seiner Meinung bestehen . Er gab sie nicht auf , aber er schwieg , weil er auf des Staatsmannes Stirn andere Gedanken gelagert sah . » Ich brauche Jemand , auf den ich mich verlassen kann , der , offenen Kopfes , fähig ist , im Umgang , in der Gesellschaft sich geltend zu machen . Verstehen Sie , Jemanden , der nicht mit de Thür ins Haus fällt , was man mir wohl zum Vorwurf macht der das Metall der Gesinnung in eine gefällige Form zu schmelze weiß . Nicht ein Haarbreit darf er abgeben , aber den Widerstößen soll er eine gewisse Elasticität entgegensetzen . Ich muß ihn brauchen können , nicht zu förmlichen Missionen , für die Form ist Vorrath die Fülle , aber zu gelegentlichen . Keinen Spion , aber er soll die Sinne wach haben . Keinen - « der Minister hielt inne , und als er Walters sich röthende Stirn bemerkte , kam er schnell dem Mißverständniß entgegen . » Er muß von Geburt sein , einen Namen haben , der ihm überall Eingang verschafft , auch am Hofe . Das ist das Traurige , daß die Minister nie mit voller Kraft nach außen und nach innen wirken können , daß sie der Vermittler , Unterhändler bedürfen , nennen Sie ' s immerhin Kundschafter , die sie mit dem Hofe , den höchsten Personen in Rapport setzen und zugleich Kabinetsräthen aufpassen . Jammervoll , unnatürlich ist es , ein Kraftzersplittern , was die besten Intentionen erlahmt , aber es ist nun mal so , und gegen ein Gift braucht man ein Gegengift . « » Unter den Männern von Geburt werden Excellenz eine reiche Auswahl haben . « Der Staatsmann verstand den kleinen Parirhieb , aber mit einem vornehm leichten Aufzucken ging er über etwas hinweg , was zu beachten er nicht für werth hielt . » Die besten sind geschulte Puppen , wenn redlich , steif wie ein Wegweiser . Sie machen Front dahin , wo sie vor zwanzig , dreißig Jahren den Feind sahen ; daß die Dinge sich verändert , daß er jetzt von den Flanken , vom Rücken droht , ist ihnen nicht begreiflich zu machen . Friedrichs Schule hat sich schlecht bewährt . Über das Militär rede ich nicht , nur vom Civil . Da stehn die Posten , wo man sie hingestellt , sich brüstend , daß sie die Stelle nie um einen halben Fuß breit verlassen , aber unaufmerksam , wenn die Contrebande drei Schritte von ihnen bei hellem Tage über die Grenze dringt . Was geht es sie an , sie thun ihre Pflicht ! Wenn die dumpfe Tugendtreue , eigentlich nur Bequemlichkeit , sie auszuhalten drängt , so wäre ihre höhere Tugend und Treue , ihre Befehlshaber aufmerksam zu machen , daß man ihre Kräfte besser verwende . Vor dieser Anmaßung , Überschreitung ihres Dienstes , erschrecken diese Menschen wie vor einer Sünde gegen den heiligen Geist . Mag das Vaterland untergehen , wenn sie nur an ihrem Schilderhaus präsentiren . So nicht Einer , nein , Alle , keine Freiheit des Urtheils , keine selbsteigene Bewegungskraft . Je besser die Normalpreußen geschniegelt , gebürstet und geschnürt sind , so kleiner der Kern des Menschen darin . Ja , in Manchem , wenn man ihn aushülst , ist ' s hohl , das Mark in die