Namens sicherte . Sie fühlte sich gehobener , bedeutsamer durch die Bitten der Vereine , doch ihrer eingedenk zu bleiben und für sie zu wirken . Denn wenn die Trompetta wirkte , so bekam ein Magdalenenstift , eine Diakonissenanstalt , ein Blindenasyl , ein rauhes Haus für verwahrloste Kinder u.s.w. gleich eine sehr bedeutende Summe . Mit den schweren Liebesdiensten der christlich sozialen Richtung selbst gab sie sich nicht ab . Dazu war sie zu flüchtig , zu eitel , zu vergnügungssüchtig . Und oft sagte sie so laut , daß es ihre intimsten Freundinnen , Pauline von Harder und die Flottwitz , hören konnten : Was thut denn auch die Gräfin Mäuseburg anders , als daß sie jeden Morgen die Rapporte von einer alten Kammerjungfer und von ein paar alten Nähterinnen anhört , die statt ihrer zu den armen Wöchnerinnen , zu den Kranken und Hilflosen gehen und ihr die Thatsachen mittheilen , denen sie durch die disponiblen Fonds der Kassen auf ihrem Sopha eine andere Wendung gibt ! Sie notirt sich die Fälle in ihren Büchern und setzt daraus die Statistik zusammen , die sie dem großen Centralausschusse vorlegt ! Besonders wegen der lieben Flottwitz sah die Trompetta heute mit Vergnügen , daß im Salon der Geheimräthin die politischen Elemente überwogen . Die Flottwitz und die Trompetta gehörten zwar zu den musikalischen Akademieen der feindlichen Schwester in Tempelheide , allein Pauline hatte gerade gern eine Verbindung mit dem jenseitigen Feldlager . Die Trompetta sagte oft zu ihr : Pauline , brauchen Sie mich bei der guten Anna als versöhnenden Parlementär ! Aber Pauline schüttelte den Kopf und sagte lächelnd , wie zum Scherz , aber sie meinte es ernstlich : Nein , ma chêre , als Spion ! - Pfui ! Pfui ! hatte zwar die Trompetta darauf erwidert , aber sie besaß ein merkwürdiges Talent , in Form harmloser spielender Berichte gleichsam nur wie beispielsweise und ohne alle Absicht die ganze Chronik der großen Welt in Umlauf zu bringen . Sie entzweite und verband , wie es kam . Junge Mädchen , die ein Herz schon gefunden hatten , mußten sich vor ihr in Acht nehmen . Sie hatte die Leidenschaft , » unpassende Parthieen « zu hintertreiben und blinder Liebe bei Zeiten den » Staar zu stechen « . Denen aber , die noch nichts gefunden hatten , hielt sie gern immer ein ganzes Register vortrefflicher Parthieen entgegen , die sie allenfalls » vermitteln « konnte . So der Flottwitz . Friederike Wilhelmine dachte , bei ihrem Verkehr mit Offizieren , nur an das Wohl der Monarchie und die unbefleckte Ehre und Treue des Kriegsheeres , nicht an eine prosaische Heirath ; aber die Trompetta schob ihr immer doch diese kleinlichen Gedanken an Liebe und Ehe unter . Die Augen der älteren Freundin kuppelten fortwährend für die jüngere und noch vorm Eintreten in den Salon der Geheimräthin hatte sie auf der Treppe zur Flottwitz gesagt : Wenn wir unter den Malern , die bei Paulinen sich versammeln , heute einmal den Siegbert Wildungen wiederfänden ! Sie waren zwar schon auf dem Wege nach Tempelheide verletzt , liebe Friederike Wilhelmine , durch seine demokratischen Äußerungen , wie ich durch seine Blasphemieen ; allein es ist doch ein hübscher , artiger , recht idealischer Mann ... Die Flottwitz hatte darauf nichts erwidert , sondern nur noch beim flüchtigen Vorüberstreichen an einem von Oleandern versteckten Spiegel ihre langen blonden Tirebouchons geordnet . Aber als zu Aller Erstaunen jetzt ihre Antipathie , Fräulein Melanie Schlurck , mit einem alten Herrn eintrat , warf sie doch der gleichfalls überraschten Trompetta einen Blick zu , der etwa sagen sollte : Das da ist ja der Gegenstand , für den dieser junge staatsgefährliche Künstler entflammt ist ! In dies Geschwirre und Gesumse rauschte wirklich gegen neun Uhr , als man schon die verschiedenen Sorbette herumreichte , Melanie Schlurck , geführt von ihrem Vater . Drittes Capitel Meisterin und Schülerin Melanie Schlurck hatte sich heute ganz weiß gekleidet und glich Aphroditen , wie sie dem Meeresschaume entstieg . Man konnte ihre Toilette einfach nennen , wenn nicht hinter der gänzlichen Entfernung jedes Prunkes und jedes auffallenden Behanges die Absicht durchschimmerte , sich nur ganz allein , ganz selbst zu geben . Die Taille hielten die einfachsten langen weißseidenen Bänder zusammen . Der Nacken war unverhüllt . Das Haar in griechischer Einfachheit , ohne den geringsten andern Schmuck , als den natürlichen der in den Nacken zusammengewundenen starken Flechten , die von einigen Locken durchzogen waren . Ein Fächer war das Einzige , was wie ein besonderer tändelnder Schmuck erscheinen konnte . Franz Schlurck trug einen neuen grünen Frack mit goldenen Knöpfen . Er liebte das todtengräberische , leichenbittende Schwarz nicht und hatte sich von den Gesetzen der Etikette hinlänglich freigemacht , um in solchen Dingen seinen eigenen Eingebungen zu folgen . Er war wieder ganz frisch , ganz aufgeregt . Die niederdrückenden Erfahrungen des Vormittags waren von dem leichtsinnigen Manne vergessen und die unmittelbare Nähe seines geliebten Kindes elektrisirte ihn immer . Pauline empfing Melanie mit großer Auszeichnung . Machte Melanie schon durch sich selbst den siegreichsten Eindruck , so mußte sie der Mittelpunkt des Abends umsomehr werden , als ihr die Geheimräthin entgegenkam , sie mit unbeschreiblicher Holdseligkeit auf die Stirne küßte und sie auf das Hauptsopha des Salons zu sich niederzog , sie mit Liebkosungen und steter Bewunderung ihrer Schönheit fast überschüttend . Dieser Moment des Triumphes wurde nur leider zu früh dadurch abgebrochen , daß die Trompetta in ihrer Wanderung von Person zu Person und der Flottwitz wegen Melanie vermeidend eben ins blaue Zelt gerathen war und dort hinter den Camelien die Gräfin d ' Azimont entdeckt hatte . Dieser Moment ! Dieses laute Geräusch des Staunens ! Dieses - was konnte man von der Trompetta anders erwarten - exaltirte , förmliche Geschrei ! Helene mußte vortreten und ein Gemurmel der Begrüßung ging durch den ganzen Saal . Helene lächelte und sagte , während sie näher kam : Liebe Frau von