Ihre Blässe war verschwunden ; seit Margot sie bei der Gratulation so lange geküßt , daß es wie Geschwätz erscheinen konnte , hatte sich die feinste Röthe auf ihre Wangen gelagert , und die braunen Locken , die an den Schläfen mit Agraffen von Perlen aufgenommen waren , zeigten den vollen Ausdruck ihrer himmlischen Augen , in denen ein Schein leuchtete , der wie inneres Glück aussah . Lucile ' s scharfer Blick merkte Alles , und als sie an Leonce ' s Arm vorüberging , sagte sie zu ihm : » Nun , meine Hoffnung , Ihre langweilige Natur durch einen fröhlichen Hausstand mit Margot umzuschaffen , wird , denke ich , in anderer Weise bald seine Erledigung finden ! « » O , sprächen Sie wahr ! « rief Leonce und drückte ihren zarten Arm so heftig , daß sie um Hülfe schreien wollte . - Als Elmerice nach der Tafel in dem stillen Zimmer Emmy ' s an ihrem Bette , dicht vor ihren Augen saß , und Emmy alle ihre Sehkraft sammelte , um noch zuweilen das liebliche Bild ihrer Fennimor aufzufassen , öffnete sich die Thür und Lord Duncan trat an Elmerice ' s Seite . » Das ist unser Landsmann , « sagte Emmy , als sie ihn sah - » ich kann ihn unter all ' den Anderen heraus kennen , die wenig wissen , was einen Mann kleidet . « » Es ist Lord Duncan , Emmy « - sagte Elmerice - » er war der Freund meines Vaters - jetzt ist er der meinige . « » Ich kam her , Dich daran zu erinnern , « erwiederte der Lord - » und Emmy ' s Gegenwart wünsche ich dabei . Sieh ' , « sagte er - » seit heute Morgen trägst Du den alten , berühmten Namen dieses Hauses , und ich ruhte nicht eher , bis Du ihn annahmst . Wie findest Du mich , daß ich jetzt schon an Nichts angelegentlicher denke , als ihn Dir zu nehmen , oder vielmehr Dir daneben noch einen anderen zu geben . « Elmerice wurde glühend roth ; aber wir gestehen - Dank Margot ' s Kuß ! - sie hörte das Erwartete . Nach einer Pause fuhr Lord Duncan fort : » Aber wird Dir der Name auch recht sein ? « Elmerice lächelte jetzt ; denn sie fühlte , wie Lord Duncan schelmisch blickte . » Das kömmt freilich auf den Namen an , « sagte sie endlich . » Gewiß , « sagte der Lord ; - » aber wenn er nun wie - d ' Anville klänge ? « Elmerice fuhr zusammen . Sie fühlte , es knieete Jemand neben ihr nieder . - » Ich habe ihn seit lange lieb , « sagte sie endlich schüchtern . - » O , Elmerice , « rief Leonce , der Knieende - » darf ich diesem Himmelslaute vertrauen ? Soll meine heiße , innige Liebe diesen Lohn erhalten ? « » Ja , Leonce ! « sagte das edle Mädchen . » Er , der uns einst trennte , segnet uns jetzt ; - ich war Ihnen treu und ich weiß , daß Sie es mir geblieben sind . « Sie unterbrach den Sturm seiner Gefühle , indem sie sich zu Emmy wendete : » Emmy , willst Du mir Deine Zustimmung geben zu der Wahl meines Herzens ? « » Ich will es ! « sagte Emmy ; - » er hat ein uneigennütziges Herz ! Das ist das Einzige , warum es sich lohnt , einen Menschen von dem anderen zu unterscheiden . - Herr , rufe jetzt Deinen Knecht - er ist müde ! « Es waren Emmy ' s letzte Worte . Von da an blieb sie schlafend , bis der Tod seine Hand sanft vollendend nach ihr ausstreckte . Doch für den Augenblick verließ Elmerice sie ohne Ahnung ihres damit beschlossenen Lebens . Die Verlobten wurden durch Lord Duncan der versammelten Familie vorgestellt ; und gewiß ward nie eine fehlgeschlagene Hoffnung in Franziska , Lucile und Armand vollständiger vergütet , als jetzt durch die Vereinigung dieser beiden von Allen so zärtlich geliebten Personen . Der Familienkreis , der sich hier nun bildete , war der reichste , segensvollste Mittelpunkt für das Glück aller Betheiligten ; und der rächende Geist , der so lange drohend und züchtigend über dem alten Schlosse Ste . Roche geschwebt , mußte sich versöhnt zurückziehen , und ließ keinen weiteren Nachweis zurück ! - Mit tiefer Rührung ward Emmy ' s Leiche an Fennimors Seite gebettet ; - doch war auch dieser Tod versöhnend und beruhigend . Vier Wochen später segnete der alte Vikar von Ste . Roche in der schönen , kleinen Kirche , in der Elmerice zuerst mit so schwerem Herzen gebetet , seine junge geliebte Herrin mit Leonce d ' Anville und Margot d ' Aubaine mit dem jungen Grafen Guiche ein . Zu dieser Feierlichkeit waren Herr und Madame St. Albans eingeladen und erschienen , da die Letztere bei dem Hinscheiden und Begräbnisse ihrer Mutter nicht gegenwärtig gewesen war . Auch hier gab Madame St. Albans ihre mißlaunige , kritische Weise nicht auf , während die feine Erscheinung ihres Gatten ihm das allgemeine Wohlwollen zuzog . An dem erwähnten Hochzeitstage fand Elmerice Gelegenheit , Madame St. Albans allein zu sprechen . » Jetzt müssen Sie mir erlauben , « sagte sie - » Sie mit dem letzten Willen Ihrer Frau Mutter bekannt zu machen . « » O , ich bitte ! « unterbrach sie Madame St. Albans ; - » dieser letzte Wille , denke ich , ist in der ganzen Gegend bekannt . Euer Gnaden haben nun einmal Glück in Erbschaften ; - aus der Tochter meiner Margarith « - hier trat ihr Schluchzen ein - » der einfachen Miß Eton , die unter meinem Dache schlief , an meinem Tische saß , ist nun eine vornehme , großmächtige Gräfin geworden ,