in ihm aus , hatte er gerade seine beste Stunde ; kalte Unbarmherzigkeit oder grausamer Zorn brachte vielleicht die nächste , minder günstige . Von frühster Jugend an den Weibern ergeben , hatte er seine höchste Glückseligkeit in den Ausschweifungen sinnlicher Liebe gefunden . In seinen männlichern Jahren hatte sich die aufkeimende Lust an Schmaus und Gezech mit Frau Venus und ihrem Gefolge in sein Herz getheilt , und bei der wohlbesetzten Tafel war es immer , wo er seine unbändige Fröhlichkeit frei daher gehen ließ , seine Scherze , nicht die zartesten , freigebig auftischte , und gleich wilde Lustigkeit von seinen Tischgesellen verlangte . Der Pfaffe des Hauses , ein rüstiger Trinker , ließ sich nicht lange auffordern , Issing ' s Farbe zu tragen , und der Trappierer , ein durchtriebener Schelm , voll Geiz und Schlauheit versäumte nicht , dem Komthur , von dessen Nachsicht er mancherlei Vortheile bei seiner Amtsführung erwartete , dienstfertig zu höfeln , und ihn schier noch zu überbieten in schwelgerischer Eßlust und unziemlichen Reden . In der Mitte dieser Männer konnte einem Unglücklichen unmöglichst wohl seyn , da die grausame Rohheit der Genossen immer wie mit eiserner Faust an das wunde Herz des Armen griff ; und Bilger vollends hätte gewünscht , einer jener dürftigen Unglücklichen zu seyn , denen man , um eines Verbrechens willen , zwar die Freistadt im Hause gönnte ; um welche man sich aber nicht bekümmerte ; denen man überließ , für ihr Obdach und ihren Unterhalt so gut zu sorgen , als sie konnten . Der Komthur hatte aber seinen Stolz darein gesetzt , gegen den Herrn von der Rhön von der freundlichsten Bereitwilligkeit zu seyn , und ihn zu halten , wie es sein Stand und sein Name wohl verdiente . Daher mußte Bilger eine stundenlange Qual an dem tische des Hauses aushalten , und sich , wie ein Dieb , bei guter Gelegenheit fortschleichen , um ungestört seiner Traurigkeit nachhängen zu dürfen ... Zwar war dieses Alleinseyn schmerzlich , aber des Unglücklichen einzig Eigenthum bleibt ja nur noch sein Schmerz . Bilger horchte also nicht auf die fern her gellende Stimme des Ordenspriesters , der in trunknem Muthe die Hymne an den heiligen Johannes , den Patron der Sänger1 , zum Besten gab , sondern er lauschte auf die angstvollen Schläge seines Herzens , auf die Geisterstimmen , die klanglos , aber verständlich zu seinem Ohre sprachen , und sah nicht , wie es dämmerte immer mehr und mehr . Aber das Geräusch welches der eintretende Komthur machte , rief ihn zurück aus der Welt seiner sehnsüchtigen Träume . - » Ei ! bei den Dornen und Wunden unsers Herrn ! « rief der Herr von Issing : » von der Rhön ! was ficht Euch den an , den einsamen Saal hier unserer heimlichen Eßstube vorzuziehen ? Schickt doch Eure Grillen zur Hölle . Meint Ihr denn , die alten Ordensherren , deren gemalte Gesichter uns so kriegerisch anglotzen durch den dämmerigen Abendschein , werden Euch helfen aus der Noth ? Die Lebenden sind ' s , auf welche Ihr hoffen müßt , und so lang Ihr unter dem Schutze des Kreuzes steht , soll Kaiser und Reich die Hand von Euerm Leibe halten . Seyd demnach hübsch munter , und - behagt Euch etwa unsre Kumpanei nicht , so sagt ' s nur frisch heraus , von Brust und Leber : ich kann Euch auch wohl andere Gesellschaft zuweisen , mit welcher Ihr zufrieden seyn möchtet . « - » Herr Komthur ! « antwortete Rudolph ernsthaft : » mein Unglück hat mich unter Euern Schirm gebracht ; doch gewinnt Ihr nicht dadurch das Recht , meiner und meines Grams zu spotten . Bedenkt , daß von Euch selbst alles Übel meines Lebens seinen Ursprung nimmt . « - » Nun , bei meinem Eid ! « lachte Issing schonungslos : » es ist lustig , daß Ihr mir aufbürden wollt , was Eure freie Wahl und eines schlechten Weibes Niederträchtigkeit verschuldet hat ; indessen , weil Ihr unglücklich seyd , nehme ich ' s nicht so genau , und behaupte Euch ruhig in ' s Angesicht , daß ich Eurer nie gespottet habe , und nimmer spotten werde . Der Zufall erlaubt mir , Euch sogar gute Botschaft zu bringen . Aus dem Weißfrauenkloster erhalte ich Kunde , daß Wallrade nicht gestorben , daß sogar die Hoffnung gehegt wird , sie zu heilen und ihr Leben zu erhalten . So wenig ich es der Elenden gönne , so lieb mag ' s Euch seyn , daß sie ein Katzenleben hat . « - » Wirklich ? « fragte Rudolph mit frohem Blicke : » sie lebt wirklich noch ? O habt Dank , Herr von Issing , daß Ihr meiner Seele dieses Labsal brachtet . Meinen Hals befreit die Kunde freilich nicht , aber mein Gewissen wird leicht dagegen und gesünder . Habt Dank . Könntet Ihr mir nur gleich gute Mähr von meinem Kinde bringen , ... von meinem Weibe ... o Gott ! « - Bilger ließ den Kopf , auf die Brust , die Hände in den Schooß sinken , und schwieg seufzend . Der Komthur zuckte die Achseln , und sprach : » Davon weiß ich nicht , mein Freund . Vielleicht wäre jedoch der Bote besser unterrichtet , der vom Kloster nach unserm Hause kam . Wär ' s Euch recht , ihn zu sehen , selbst zu sprechen ? Man mag ihm wohl vertrauen , sonder Gefährde ! « - » Zwar sollte ich jeden Menschen scheuen , « entgegnete von der Rhön : » allein , - ob ich mich jetzo nenne , ob nicht ; es ist gleichviel . Lebt Wallrade noch , o so hat ihr Mund mich genannt ; Gundel hat mich verrathen , Dagobert gegen mich gezeugt ; ich darf fürder nicht hoffen , unerkannt mein Leben zu lassen , ohne Schande für meines Hauses Wappen ! Verstattet mir