, jede Frage noch in zwei oder drei dünnere hätte spalten wollen . In Betreff des sogenannten Thymos , welchen Plato zum dritten - ich weiß nicht was in unsrer Seele macht , muß ich zu dem bereits Gesagten nur noch hinzusetzen , daß alle Schwierigkeiten von selbst wegfallen , sobald bei den Erscheinungen , die er unter dieser Benennung begreift , das , was seinen unmittelbaren Grund in der organischen Beschaffenheit des Leibes hat , von dem was das eigentliche Werk der Seele dabei ist , so genau als möglich unterschieden wird . Ueberhaupt fehlt sehr viel , daß dieses vorgebliche Princip bei allen Menschen gleiche Wirkungen hervorbringe : die Verschiedenheit des Temperaments , der Nervenstärke und Muskelkraft , der von Jugend an gewohnten Lebensweise und anderer Umstände , gibt gar verschiedene Resultate . Der eine zittert vor dem bloßen Anschein einer Gefahr , da ein andrer gar nicht weiß was Furcht ist , und seinen Muth mit der Gefahr steigen fühlt . Dieser ergrimmt über etwas , das jenen kaum aus dem Gleichgewicht rückt . Bei einigen ist hoher Muth mit Sanftheit und Zartgefühl , bei ungleich mehreren mit Rohheit , Härte und Gefühllosigkeit verbunden , u.s.w. Das aber , was ohne Zweifel allen Menschen gemein ist , - der natürliche , mit mehr oder minder lebhaftem Widerstand verbundene Abscheu vor allem , was unsern gegenwärtigen Zustand zu verschlimmern , oder gar unser Wesen selbst zu zerstören droht , - und die Begierde alles , was sich als angenehm , unserm Wesen zuträglich und den Genuß unsers Daseyns verstärkend , kurz , was sich uns unter der freundlichen Gestalt des Schönen und Guten darstellt , an uns und so viel möglich in uns hineinzuziehen , - ich sage jener Abscheu und Widerstand entspringt mit dieser Begierde und Anziehung aus einer und eben derselben Wurzel . Beide bedürfen , um uns in ihren Wirkungen begreiflich zu werden , keines andern Princips , als dessen , worin unser Wesen selbst besteht , dieser sich selbst bewege den Kraft , die sich in dem unaufhörlichen Bestreben äußert , ihr durch den Körper beschränktes , aber innigst mit ihm verwebtes Seyn zu genießen , zu nähren , zu erweitern und zu erhöhen ; und die immer eben dieselbe ist , es sey nun daß sie , als Begierde , das was ihr gut scheint an sich zu ziehen , oder , als Abscheu , das wirkliche oder vermeinte Böse zurückzustoßen strebt . Zu Erklärung dieser so nothwendig mit einander verbundenen und unter der Regierung der Vernunft so harmonisch zu einerlei Zweck zusammenwirkenden Bestrebungen eben derselben Kraft , zwei besondere Seelen anzunehmen , dünkt mich eben so unphilosophisch , als wenn man , um sich die verschiedenen Wirkungen der Liebe und des Hasses zu erklären , eine liebende und eine hassende Seele erdichten wollte . Nach Platons Art zu räsonniren würden wir zuletzt jeder besondern Leidenschaft , wiewohl sie alle aus einerlei Quelle entspringen , ihre eigene Seele geben müssen ; denn sehen und erfahren wir nicht täglich bei tausend Gelegenheiten , daß eine begehrliche Leidenschaft mit einer andern , öfters sogar mit mehrern zugleich ( z.B. der Geiz mit Gewinnsucht , Eitelkeit und Lüsternheit ) in offenbaren Widerspruch geräth ? Doch genug und schon zu viel über die zwei untersten Endpunkte des Platonischen Seelen-Dreiecks . Sollte es mit der vernünftigen Seele , welche die oberste Spitze desselben ist , nicht die nämliche Bewandtniß haben ? Sollten sich nicht alle Erscheinungen und Wirkungen der Sinnlichkeit und der Einbildungskraft , des Verstandes und des Willens , der Leidenschaften und der Vernunft , sehr wohl aus einer und eben derselben mit einem organischen Körper vereinigten Seele erklären lassen ? Können sie nicht ganz natürlich und ungezwungen als bloße verschiedene Modalitäten oder Zustände eben derselben selbstthätigen Kraft gedacht werden , welche , je nachdem sie von ihrem Körper und andern in sie einwirkenden Dingen außer sich mehr oder minder eingeschränkt wird , und je nachdem sie sich selbst aus verschiedenen Beweggründen und Absichten eine andere Richtung oder Stimmung gibt , oder ihre Kraft höher oder tiefer spannt , sich unter andern Gestalten zeigt und andere Benennungen erhält ? Sind wir nicht sogar durch das innigste Selbstbewußtseyn genöthigt , unser Ich in allen seinen Veränderungen , Zuständen und Gestalten , selbst in den ungleichartigsten und unverträglichsten ( z.B. im Uebergang aus der Trunkenheit einer heftigen Leidenschaft in den heitern Stand der ruhigen Besonnenheit ) für ebendasselbe zu erkennen ? Ich möchte wohl sehen , wie uns Plato dieses immerwährende Zusammenfließen seiner drei Seelen in der Einheit des Bewußtseyns , ohne eine ihm und uns bisher unbekannte vierte Seele , begreiflich machen wollte ? Uebrigens bedarf es kaum der Erwähnung , daß ich gegen die allgemeinen , aller ächten Lebensweisheit zum Grunde liegenden Wahrheiten , womit sich das vierte Buch schließt , und gegen die Formel , in welcher Plato seine Theorie über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit zusammenfaßt - » daß die Tugend der Seele eben das sey , was Gesundheit , Schönheit und vollkommenes Wohlbefinden dem Leibe , « und gegen die Behauptung - » daß beide Arten von Gesundheit aus einerlei Ursachen entspringen , wenn nämlich jeder Theil , in gehörigem Verhältniß zu den übrigen , nichts als sein ihm eigenthümliches Geschäft verrichte , und im Ganzen die reinste Uebereinstimmung und Ordnung herrsche « - nichts zu erinnern habe . Warum er uns aber zu so sonnenklaren , von niemand , meines Wissens , bestrittenen und , wie er selbst gesteht , so augenscheinlich vor unsern Füßen liegenden Wahrheiten auf solchen Umwegen und durch so viele struppichte Dornhecken geführt hat , bleibt indessen immer eine Frage , die er selbst vielleicht durch den Ausspruch des alten Hesiodus beantwortet glaubt : daß die Götter es nun einmal so in der Art haben , den Sterblichen nichts Gutes ohne große Müh ' und Beschwerde zukommen zu lassen . 7. Fortsetzung des Vorigen . Der Platonische Sokrates hat , seinem eigenen mehrmaligen Vorgeben nach , die Idee seiner Republik zu