recht die vergangenen Jahre und die scheinbar nutzlose lugend , die ihn jetzt von dieser Erscheinung überrascht werden ließ , ohne daß er bereit und wert war , auch nur im geheimen eine herzhafte Leidenschaft aufkommen zu lassen und zu nähren . Er fuhr seufzend mit der Hand durch das Haar und entdeckte , daß er keinen Hut auf dem Kopfe hatte . » Ein Kerl ! « rief er , » der nicht einmal einen guten Hut , das Zeichen der Freien , auf dem Kopfe trägt ! Da lauf ich barhäuptig wie ein Mönch in fremdem Besitztum umher ! Ich muß einmal nach meinem Hute sehen ! « Er lief in das Gartenhaus . Das freundliche Apollönchen allein war da und holte ihm auf sein Begehren seinen Hut hervor ; aber sie hielt denselben mit einem schalkhaften Lächeln dar , soweit dies ihrer Gutmütigkeit immer möglich war ; denn der Hut sah schändlich aus und war gänzlich zugrunde gerichtet . Vom Regen war er noch aus aller Form gewichen und stellte sich von allen Seiten , wie man ihn auch wenden mochte , als ein höhnisches Unding vor . Wie Heinrich ihn so trostlos in der Hand hielt und Apollönchen mit verhaltenem Lachen dabeistand , trat Dorothea aus dem Saale herein und rief » Wo ist denn das Herrchen ? Ach , da sind Sie ja ! Wenn es Ihnen lieb ist , so wollen wir doch ein wenig spazierengehen , sehen Sie hier , da habe ich Ihnen einen Hut zurechtgezimmert , der Ihnen hoffentlich wohl anstehen soll ! « Wirklich hielt sie einen breiten grauen Jägerhut in der Hand , um den ein grünes Band geschlungen war . Sie setzte ihm denselben auf und sagte » Lassen Sie sehen ! Ei vortrefflich , sage ich Ihnen , sieh mal , Apollönchen ! Ich habe mir erlaubt , Ihre Jugendfarbe daran anzubringen , damit wir doch ein bißchen grünen Heinrich hier haben ! Ist dies Ihr Hut ? Wollten Sie den aufsetzen ? Zeigen Sie ! « » Ach , sehen Sie ihn doch nicht an ! « rief Heinrich und wollte ihn wegnehmen , aber sie entschlüpfte ihm , und den Trübseligen pathetisch vor sich hinhaltend , sagte sie » Lassen Sie ! Ich möchte gar zu gern ein solch schlechtes Ding und Krone der Armut einmal ganz in der Nähe besehen ! Ja , es ist wahr ! kummervoll sieht er aus , der Hut ! Aber wissen Sie , ich möchte doch einmal ein Bursche sein und mit solchem verwegenen Unglückshut so ganz allein in der Welt herumwandern ! Aber durchaus müssen wir ihn in unserm Rittersaal aufpflanzen als eine Trophäe unserer Zeit unter den alten Eisenhüten ! « Heinrich entriß ihr die Trophäe und steckte sie in den Ofen , in dem eben ein helles Feuer brannte , und ging mit ihr , die ihn darüber ausschalt , ins Freie . » Wenn er einmal verbrannt sein mußte « , sagte sie , » so hätten wir ihn doch auf feierliche Weise verbrennen sollen ! Sie haben in Ihrem Schreibebuch selbst so artig besungen , wie Sie Ihre Dornenkrone lustig auf einem Zimmetfeuerchen verbrennen wollten , nun hätten wir den schlimmen Hut dafür nehmen und ihn dergestalt mit guten Zeremonien verbrennen können , zum Zeichen , daß Sie entschlossen sind , es sich von nun an recht wohl gehen zu lassen ! « Er antwortete hierauf nichts und dachte auch an gar nichts mehr , was er soeben erst gedacht , sondern überließ sich ganz gedankenlos dem Vergnügen , an der Seite der schönen Jungfrau zu sein , welche ihm die Gegend zeigte , vor ihm her über Wassertümpelchen und Geleise sprang , ihr Kleid anmutig aufnehmend , und zuweilen lachend zurücksah , ob er ihr auch ordentlich folge . Seit langer Zeit erging er sich zum ersten Mal wieder auf dem Lande , ohne Sorgen und an einem schönen Abend , und er wurde durch alles dies so wohlgemut , daß er auf die harmloseste Weise mit der Schönen umherlief und lachte und anfing , Witze zu machen , ohne jedoch die Bescheidenheit zu verletzen . Es dunkelte schon , als sie wieder auf dem Kirchhof ankamen , wo sie mit dem Herrn des Hauses zusammentrafen ; dieser nahm Heinrich mit sich fort und begehrte mit ihm zu sprechen , während Dorothea zurückblieb , um noch schnell , soweit es das scheidende Tageslicht erlaubte , die Gräber nachzusehen , welche ordentlich unter ihrer Obhut zu stehen schienen . » Ich habe « , sagte der Graf , » jetzt alles überdacht , was wir tun wollen . Ich habe in der Hauptstadt einige Geschäfte und muß diesen Herbst noch hinreisen . So wollen wir gleich morgen zusammen hingehen ; Sie versehen sich da mit allem Nötigen , vorzüglich aber mit einigem Handwerkszeuge , soviel Sie zur Vollendung eines oder zweier ansehnlichen Bilder bedürfen , und dann kehren wir hierher zurück ; denn ich möchte Sie durchaus nicht mehr in der Stadt wissen , und Sie müssen sich vollkommen wohl befinden auf einige Zeit , dies legt eigentlich den besten Grund zu einem guten Wesen ; denn die Welt ist nicht auf Grämlichkeit und Unzufriedenheit , sondern auf das Gegenteil gegründet . Hier machen Sie mit leichtem Mut eine gute Arbeit , Sie werden es tun , ich weiß es ; obgleich ich eigentlich kein Kunstschmecker und Kenner von Profession bin und nur für weniges Gutes , was in seiner ganzen Art mich anspricht , mich zuweilen interessiere , so weiß ich dennoch , daß es in Ihrem bisherigen Handwerke gerade so zugeht wie mit allem andern und daß man unter gewissen Umständen mit gutem Sinne immer das kann , was man will , wenn man nur etwas darin getan hat . Ist die Geschichte fertig , so bringen wir sie nach der Stadt , stellen sie aus , und ich werde alsdann mittelst meiner gesellschaftlichen Stellung das Nötige veranlassen , daß Ihre