sie gewollt ! - Dunkle Bilder wogten vor seiner Stirn - der Legationsrath , sein räthselhaftes Verhältniß zur Lupinus ! Hatte sie einen Kuppelhandel treiben wollen ? - Nein , vergiften - sie vergiften . Aber warum , womit ? Weil Unglückliche den Anblick von Glücklichen nicht ertragen können ? Weil der Adel einer rein gottgeschaffenen Seele zum beständigen Vorwurf für Die wird , welche diesen Adel eingebüßt . Es war plötzlich eine Überzeugung . die ihn durchdrang . Aber war es nur Instinkt gewesen , oder hatte sie systematisch gearbeitet ? Mein Gott , ist es denn möglich , daß eine Frau systematisch an ein solches Geschäft geht ! Es war wohl nur ein Gebilde des Argwohns , und doch - alle ihre Handlungen - und boten Erfahrung und Geschichte ihm . nicht hundert Beispiele einer solchen Verführungslust blos aus dem Gelüst zu verführen ? Wie man dem Tobsüchtigen Wasserstürze giebt , hatte sie auf alle ihre warmen Gefühle einen Eisguß geschüttet . Das junge warme Herz , ja es sollte systematisch erkalten , vor der Zeit absterben , - nicht an eigenen bitteren Erfahrungen , an denen einer egoistischen Seele , die nicht mehr Liebe , Glaube , Hoffnung kannte . Ein blühendes Geschöpf , von der Natur mit allen Frühlingsregungen begabt , wollte sie zum ausgebrannten Vulkan machen . War sie das selbst ? - Nein , etwas lebte doch in der Frau , ein geheimes Feuer - Haß , Neid , eine stille Wollust des Egoismus . Eine kaltherzige Egoistin ist zu Allem fähig . - So wollte sie Adelheid präpariren , zu einer Mitsünderin , einer Verlorenen , Trostlosen . Und er selbst ! - Stand er ohne Schuld da ? Hatte ihn nicht längst eine Ahnung überschlichen , daß die Lupinus dies beabsichtigte ? Und hatte er die Ahnung nicht aus dem Sinn geschlagen , und aus Eigennutz ? War es nicht sein Wunsch gewesen , daß seine Braut dort aushalte , weil er in diesem Hause freien Zutritt hatte , weil in letzter Zeit wenigstens die Geheimräthin seinen Wünschen entgegen zu kommen schien , weil er unter andern Verhältnissen , in einem andern Hause für seine Hoffnungen fürchten musste ? Darum hatte er , zwar nicht gegen seine Pflicht gehandelt , aber doch - die Gedankensünde begangen . Selbst ein Egoist , wagte er Andere anzuklagen ! Da rollte die Equipage der Fürstin vorüber , im Fond diese mit Adelheid , auf dem Rücksitz saß Louis Bovillard . Die Fürstin schien zu schlummern . Adelheid und Louis sahen nichts , sie sahen nur sich . Der Wagen war verschwunden , eine Erscheinung . Ein » Gott sei Dank ! « löste sich aus Walters Brust , vielleicht von seinen Lippen . Er fühlte eine wohlthätige Transpiration . Das Schicksal hat es so , es hat es vielleicht zum Besten gefügt . Ja , im Kontobuch stand noch seine Schuld auf der Seite » Soll « , .aber sie war ausgeglichen auf der Seite » Hat « . Er hatte nichts mehr . Seine Geliebte war die Geliebte eines Anderen . Sie war gerettet , und er - verloren ? Nein , er war nur frei geworden , um sein ganzes Ich , ohne Egoismus , hinzugeben einer andern Geliebten , liebten , dem Vaterlande , der Idee , als deren letztes Ziel in der Ferne - Deutschlands Errettung vom Fremdjoch schwebte . Mit Eifer setzte er sich an den Schreibtisch und seine Arbeit förderte sich . Er war fertig , als der Minister eintrat . Neunundsechszigstes Kapitel . Alles für einen Andern . Die verfinsterte Stirn des Ministers , mit welcher er eingetreten , erheiterte sich nicht , als er das Papier durchlas . Er flog es nur noch über , als er es auf den Tisch fallen ließ . » Das ist nichts - gar nichts . « - » Euer Excellenz Ideen - « » Die Ausführung taugt nichts . Dilettantenarbeit für Herrn Merkel in den Freimüthigen . Oder an die Zeitung da in Leipzig . Wir arbeiten hier nicht für die elegante Welt . « Walter hielt den Hut schon unter dem Arm und verengte sich , den Entlassungswink anticipirend . » Empfindlich ! Das taugt nicht für die Staatskarriere . « - » Da meine Schrift nichts taugt , kommt wohl darauf nichts mehr an . « - » Man darf nicht der Empfindlichkeit nachhängen , wenn man sich berufen fühlt , für das Gemeinwesen thätig zu sein . « - » Mir wird eben der Beruf abgesprochen . « Der Minister hatte , ohne ihm zu antworten , das Papier wieder in die Hand genommen , und klopfte , indem er sprach , mit der umgekehrten Hand darauf . - » Dürfte « - » sollte « - » wagte ! « » Wie soll das wirken ! Das gleitet an den blasirten Ohren vorüber , wie eine obligate Flöte , die den Waldsturm akkompagniren will . Das Gleichniß vorn , machen Sie ein Gedicht daraus . Diesen hier muß man derb , Schlag auf Schlag , die Nothwendigkeit vors Auge führen . Da ist ein guter Passus , aber die Worte auch wieder viel zu gehobelt . Und wie sollten sie die Anspielung verstehen ? Mit der Trompete ihnen ins Ohr blasen , es ist noch immer sanftere Musik als die Kanonen . « Walter äußerte etwas davon , daß die Stellung eines Anfängers , der kaum in das Geschäftsleben geblickt , ihm nicht erlaube , sich so fort in die Stellung des Ministers gegen seine Kollegen , oder gegen die Majestät des Königs zu finden . » Das glaube ich gern , « sagte der Minister , der , sichtlich erschöpft und mit andern Gedanken beschäftigt , sich auf das Ruhebett geworfen . » Man muß Vieles erst lernen . « Walter wartete noch immer auf das Zeichen der Entlassung . Der Minister blätterte in einem Notizbuch . Hatte er ihn vergessen ? Plötzlich sprach er