Hofschulze , » die Sachen von mir aufzunehmen , die mit den anderen Dingen stimmen , welche bereits von mir geschrieben stehen . « Der Richter schien etwas in Verlegenheit zu geraten und erwiderte : » Das gehört ja nicht zur Sache und ich muß überhaupt erst den Herrn Diakonus vernehmen . « - Dessen Verhör war kurz , es drehte sich eigentlich um nichts . Der Hofschulze wartete ruhig die Beendigung ab ; dann wiederholte er seine frühere Bitte . - » Soweit ich Euch im allgemeinen verstanden habe « , sagte der Richter , » wollt Ihr Sachen aufgeschrieben wissen , die sich nicht ziemen . « » Nicht ziemen ! « rief der Hofschulze mit erhöhter Stimme . » Ich habe Euch auf alle Fragen nach der Heimlichkeit und wie ich sie verwaltet , Rede gestanden , und nun verlange ich auch mit der Manier , daß meine Auskünfte und Zusätze gehörig dazugetan werden , und soweit mir die Rechte bekannt sind , dürft Ihr mir die Zunge nicht stumm machen . « » Nun denn « , rief der Richter halb ängstlich halb ärgerlich seinem Schreiber zu , » zeichnen Sie auf , was der Alte sagt . « » Ja , alt bin ich , und alt ward ich in Ehren « , versetzte der Hofschulze gelassen . Der Diakonus wollte gehen . - » Nein , bleiben Sie , Herr Diakonus « , sagte der Hofschulze , » es ist mir gar sehr lieb , daß Sie zufällig hier sind , denn ich ästimiere Sie als einen frommen und gelehrten Mann von Herzen , und es kann mir nicht schaden , wenn auch Sie meiner Art und Manier Zeugenschaft geben . - Herr Skribent « , sagte er zu dem Schreiber so gebietend , als habe er an Gerichtsstelle zu befehlen , » schreibet genau auf , was ich zu wissen tue . Herr Richter , ich mag mit meinem Schwerte und mit der Heimlichkeit am Stuhl wohl wie ein Narr da in den Schriften stehen , und Possen , wenn mir recht ist , nannte der junge vornehme Herr , an dem ich mich in meiner Angst vergreifen wollte , die Sachen , woran mein Herz gehangen hat . Ich will aber jetzt explizieren , was vor eine Bewandtnis es mit diesen Possen gehabt hat . - Allerhand habe ich erlebt in der Bauerschaft , Friedenszeiten und Kriegesläufte und Hagelschlag , Überschwemmung , gute Ernte und Mißwachs und Viehsterben . Nun sah ich denn , seitdem ich in die Jahre getreten war , wo das Menschenkind anfängt nachzudenken , daß hin und her die Herren kamen , die sich auf die Schreiberei verstehen und auf das Besserwissen als die Leute , welche die Sache angeht , und die kuckten nach , wenn alles geschehen war , das Korn niedergetreten und das Vieh in den letzten Zügen lag und die Wässer wieder im Ablaufen sich befanden . Hatte aber gar der Feind geplündert und ravagiert , da kamen sie vollends erst lange darnach und notierten sich ' s auf , denn während der Gefahr war meistens keiner der Herren zu finden . Die Herren taten dann ordinieren , wie alles wieder in Richtigkeit zu bringen sei , mehrestenteils aber sagten sie Sachen des Sinnes und Verstandes , daß wenn der Hagel nicht gefallen wäre , so hätte sich das Korn nicht umgelegt und ohne die Lungenfäule müßten die Kühe noch am Leben sein . Unterweilen wurde auch wohl einiges Geld geschickt , es kam aber selten an den Rechten , und im ganzen rappelten diejenigen sich am besten wieder heraus , welche nicht auf die Hülfe der Herren da draußen warteten , sondern sich selber halfen , wohingegen ich manche Menschen habe ganz herunterkommen sehen , die immerdar bei jedem Unfall meinten , es müsse nun von da draußen ihnen das Malheur gutgemacht werden . Erstaunend absonderlich aber war eine Sache . Mitunter machte ein Herr von der Schreiberei unter uns Bauern Dinge , worüber wir lachen mußten und dann traf es sich wohl , daß ein solcher Herr ein paar Jahre darauf von weither mit vier Pferden durch die Bauerschaft gefahren kam und hatte eine Miene , als habe er bei Erschaffung der Welt mitgeholfen und allerhand bunte Bänder vorne am Rocke . Dieses alles nun in meinen einfältigen Gedanken betrachtend , vermeinte ich letztlich , daß die Herren von der Schreiberei da draußen uns Bauern eigentlich wenig hülfen , und das auch eigentlich nicht wollten , sondern nur schreiben und sich nach und nach in die Wägen mit vier Pferden hineinschreiben . Und Gott verzeihe mir die schwere Sünde , einstmalen , als ich bei einem Rübsenfelde vorbeiging , worinnen die Pfeifer waren , so fielen mir die Herren ein und wußte nicht , wie das geschah . - Nun auf der anderen Seite hatte ich meine Reflexion , wie das Wesen in der Welt so eigentlich bestellt sei . Da dachte ich ( denn ich habe immer in meinem Leben Nachgedanken gehabt ) daß ein ordentlicher Mensche schon durchkommt , der auf Wind und Wetter achtet , und auf seine Füße schaut und in seine Hände und sich mit seinen Nachbarn getreulich zusammenhält . Sehet , ihr Herren , darauf kommt es mehrestenteils nur an . Und nach diesem gewöhnte ich mir selbst zuerst die Gedanken nach Hülfe von draußen ab , zahlte meine Steuern und trug meine Lasten , im übrigen aber hielt ich mich vor mich und ließ es mir lieber , wenn ein Malheur passierte , etwas saurer werden , als daß ich die Herren da draußen um Beistand angesprochen hätte . Hernacher gewöhnte ich es auch den Leuten um mich herum ab . Sie nahmen an mir ein Exempel , und so taten wir Nachbarn uns allmählich zusammen , sprangen einander bei , ordinierten unser Wesen für uns , und kam von vielen Sachen , um die sie andererorten ein großes Hallo erheben , nichts über die