, und nun aus dem Munde der Frauen ein Bekenntniß zu Tage stieß , das sich der alte Mann nicht hätte träumen lassen . Und da er nach und nach heller sah in der verworrenen Geschichte , hörte , wie er hintergangen , und wie diese schnöde List der Anfang alles Unglücks seines Hauses gewesen , da empörte sich sein Gemüth ; das Blut wallte siedend uaf in seiner Brust und seinem Gehirn . Der gewohnte Ungestüm wollte hervorbrechen aus den kaum geschmiedeten Fesseln , verstoßen wollte er die schuldige Gattin , der strengsten Strafe überliefern ihre Mithelferin ; aber ein Augenblick gestaltete sein Inneres anders . Margarethe , in ihrer Reue schöner noch , als an dem Tage , da sie in Diether ' s Hause einzog , - eine siegreiche Braut , - sah auf zu ihm aus der Vernichtung , in welcher sie vor ihm lag . Alle Engel des Erbarmens schienen um sie her im Kreise auf den Knieen zu liegen vor dem zürnenden Greise , ihre Hände gegen ihn zu falten , und seiner stürmischen Seele Friede zuzufächeln mit ihren bunten und goldnen Schwingen . Der Zauber , der über des Kindes wie über des Alten veränderlich Gemüth eine strenge Herrschaft übt , wirkte auch hier . Gegen die entwaffnete Buße hatte er nur Rührung zu stellen , wiederkehrende Liebe , und all diese Gefühle wurden geheiligt durch eine erhebende Ahnung der ewigen , unabänderlichen Vorsehung . So konnte es denn geschehen , daß sein Grimm plötzlich vernichtet dahin fiel , daß wehmüthige Freundlichkeit über seine Züge schlich , und daß die Hand , die vor einem Athemzuge noch , die vor ihm Knieende hinwegstoßen wollte , dieselbe jetzo aufhob , wie ein Vater das liebe Kind aufhebt . - » Steht auf , meine Ehefrau ; « sprach er gütig , und siegreich im Kampfe der Leidenschaft : » Ihr habt mir so vieles zu vergeben , daß ich , obgleich schmerzlich aus der Himmelshoffnung meines Alters gerissen , nicht anders thun kann . Kein Wort mehr von dem , was gewesen ist . « - Er schüttelte Margarethen treuherzig die Hand , sie küßte die seine schluchzend und dankbar . Hierauf hob er auch Willhild auf , und sagte zu ihr , wenn gleich mit strengem Blicke : » Dich könnte ich fragen : Wo ist das Kind , das ich Dir vertraute ? Aber , .... ich bezwinge mich . Der Herr hat ' s gegeben , - der Herr hat ' s genommen , - der Name des Herrn sey gelobt . Der arme kranke , todtschwache Knabe wird freilich von uns nie mehr gesehen werden , setzte er weich hinzu : und auch seine Überreste werden wir nicht finden . Das Haus bleibt aber darum doch nicht ohne Erben , und auch der kleine Hans soll nicht unglücklich seyn , um der Missethat seiner Mutter willen . Jetzt aber , kommt zu eben dieser Mutter Sterbebette , daß ich jetzo sie mit heiterm Muthe segne , und ihr aus vollem Herzen das sühnende Lebewohl zurufe ! « Fußnoten 1 Haynreich - ein mittelalterlicher Name des Taunusgebirges . Neuntes Kapitel . Wenn die Noth am größten , ist die Hülfe am nächsten ! Sprichwort . Im Scheine des gelblich flammenden Abends saß Bilger von der Rhön an einem Fenster des Deutschordenshauses , das hinaussah auf die wallende Fluth des Stroms , und vor dem die Schiffe und Kähne , die darauf zu Berg und zu Thal tanzten , sich tummelten , wie die Fischlein im Grunde ihrer nassen Heimath . Aber das lustige und rege Leben auf Strom und Brücke regte den in kummervolles Nachdenken Versunkenen nicht an , sondern vermehrte nur seinen Schmerz , sich hinausgestoßen zu wissen aus der Mitte des Volks , geächtet , seiner Freiheit , seiner Ehre , seines Lebens selbst am Ende verlustig . Er sah voraus , wie alles um ihn her sich noch schwärzer und düstrer gestalten würde , als es schon bis jetzt geworden war , und seine lebendige Einbildungskraft zeigte ihm hinter den Gefahren der Gegenwart und der Zukunft die Gestalten seiner Lieben , wie sie , gleich verwiesenen Engeln , ihre Hände ausstreckten nach dem Vater und Freund , ohne ihn retten , oder an sich ziehen zu können . Bei diesen trostlosen Gedanken überraschte ihn manchmal auch der verzweifelnde , einen Weg zum Strom zu suchen , um darin alles Kummers und Elends auf einmal quitt zu werden . Dieser Gedanke , - in seiner Fürchterlichkeit dem Gefolterten ein Freund , hatte ihn von der Tafel des Komthur ' s gejagt , dessen rohe und leichtsinnige Reden , im Verein mit der Schlemmerei in Mahl und Trunk , welche die drei Herren des Hauses trieben , seine Brust grausam verletzt hatten . Die deutschen Herren jener Zeit , sowohl Ritter , als Amtleute und Geistliche waren in ihrem Übermuthe , der sich auf die Reichthümer , die Gewalt und Vorrechte ihres Ordens gründete , weit über alle Schranken gegangen . Hang zum Wohlleben , Habsucht und Willkür waren die bezeichnenden Eigenschaften der größern Mehrzahl der Ordensglieder , die vom Volke nicht geliebt , aber wohl gefürchtet wurden , um ihrer weit um sich greifenden Macht willen . Unter den Schwelgern und Trotzköpfen , die der Orden aufzuweisen hatte , stand der Herr von Issing in der vordersten Reihe . So wie er der Tapfersten einer im Felde war , ... seinem Muthe verdankte er die Komthurei , - so war er im Frieden einer der Stolzesten und Unverträglichsten , der mit Härte und Eigenmächtigkeit Alles durchsetzte , was zum Besten des Gesammten war , sollte auch Recht un gut Andrer dabei zu Grunde gehen . Ohne ein böses Herz zu haben , besaß er doch alle Untugenden eines zum Laster aufgelegten Mannes , und vom Augenblick , von der Laune , die dieser ihm gerade einflößte , hing der Werth seiner Handlungen ab . Eine gutmüthige Rohheit sprach sich