sich tragend . Aber , wenn es schwer gewesen war , sie zusammenzubringen , so sah ich bald , daß es unmöglich war , sie zusammen zu halten ! Alle drängten sie vorwärts , weiter ! Wozu man auch nur noch eine Secunde verlieren wolle : man sei ja beisammen ! Der Regen werde im nächsten Augenblicke herabströmen , die Laternen vielleicht verlöschen , und was solle dann werden ? » Vorwärts , vorwärts ! meine Herrschaften ! « kreischte der Steuerrath ; Herr von Granow rief auch : » Vorwärts , vorwärts ! - « und die Gesellschaft setzte sich in Bewegung . Es war mir bei der unbeschreiblichen Verwirrung , die herrschte , bei dem Rufen , Schreien , Durcheinanderrennen so vieler Menschen unmöglich gewesen , zu constatiren , ob denn wirklich alle , wie behauptet wurde , beisammen seien ; das aber wußte ich ganz gewiß , daß ich sie , die ich einzig und Allein gesucht , noch nicht gesehen hatte , ebensowenig wie Fräulein Duff . Ich weiß nicht warum - oder hatte ich es von Einem der Gesellschaft behaupten hören ? - aber ich hatte angenommen , daß die beiden Damen in dem vierten Wagen , der noch weiter zurück war , und unversehrt sein sollte , sich befinden mußten ; aber in dem Augenblick , als die Gesellschaft mit den Laternen aufbrach , kam jener vierte Wagen auch heran . Ich stürzte darauf los : in dem Wagen - der großen Chaise des Commerzienraths - war außer einer Menge Mäntel und Shawls , die man in der Eile zurückgelassen hatte , nur Fräulein Duff , die in einer Ecke lehnte , und mich , vor Angst mehr todt als lebendig , mit halb gebrochenen Augen anstierte . Vergeblich , daß ich aus ihr herauszubringen suchte , wo denn Hermine geblieben sei ? Sie murmelte nur , wie im Fieber : » suche treu , so findest Du ! « und brach dann in krampfhaftes Weinen aus . Nun berichtete Anton , der unterdessen an den Strängen geknüpft hatte , das Fräulein sei vor noch nicht zehn Minuten aus dem Wagen gesprungen , erst , als die Laternen schon ganz nahe waren . Er wisse nicht warum , denn das Fräulein habe sich gar nicht so gefürchtet , wie die Andern und noch kurz vorher zu Fräulein Duff gesagt , sie werde sie gewiß nicht verlassen . Links hin sei sie gegangen , wenn er recht gesehen , aber er wisse es nicht gewiß , er habe mit den Pferden zu viel zu thun gehabt , die bis jetzt ganz gut gewesen seien , aber nun wollten sie ja wohl auch nicht mehr stehen . Damit war er wieder auf den Bock gestiegen und begann den Andern nachzufahren ; ich rief ihm zu , daß er auf jeden Fall bleiben müsse . Hörte er mich nicht , oder wollte er mich nicht hören , konnte er die Pferde nicht länger bändigen , - auf jeden Fall war ich in der nächsten Minute allein , während der Trupp mit den Laternen sich unter Hans ' Führung über die Haide nach dem Walde bewegte . Einundzwanzigstes Capitel . Ich war im Begriff , den Enteilenden nachzustürzen , um auf jeden Fall ein paar der Laternenträger und einen der Wagen zurückzuhalten , als mir ein grell aufleuchtender , lange anhaltender Blitz das Hünengrab zeigte , welches links von der Stelle , wo ich stand , ungefähr hundert Schritt entfernt lag , und das ich bis dahin nicht bemerkt hatte . Wollte ich von jenem Punkte aus einen freieren Blick gewinnen ? war es eine Ahnung ? war es Beides ? - aber ich stand in der nächsten Minute an dem Fuße des kleinen Hügels zwischen den mächtigen Steinen . Abermals flammte ein blendend heller Blitz auf , und ein Grausen durchzuckte mich , und meine Haare begannen sich zu sträuben . Da , oben , neben den vom Sturm zerzausten Haselbüschen , stand , umflossen von der gespenstischen Helle , mit flatternden Haaren , das arme Mädchen , das nach dem Geliebten ausschaute , der im Sumpf ertrunken war . Und nun wieder rabenschwarze Nacht um mich her , und dann ein krachender Donner , in welchem mein lauter Angstruf verhallte . War ich wahnsinnig geworden ? Aber noch während der Donner krachte , inmitten der Finsterniß , die mich rabenschwarz umgab , kam es wie eine himmlische Erleuchtung über mich , daß mein Herz hoch hüpfte und mein Mund laut aufjauchzte , und ich war oben , ich hatte sie gefunden , ich hob sie in meinen Armen in die Höhe und jauchzte wieder , und sie schlang ihre Arme um mich , und schmiegte sich an meine Brust , fest , so fest ! und dann kniete ich vor ihr und sie beugte sich zu mir und sagte : » Schnell , schnell , jetzt im Dunkeln , wo ich Dich nicht sehe : ich liebe Dich ! ich liebe Dich ! « » Und ich Dich ! « » Mich ganz allein ? « » Ja , ja ! « » Ganz allein mich ? Ganz allein mich ? und wenn die Erde sich jetzt aufthäte und uns verschlänge , ganz allein mich ? « » Ja , ja ! « Wieder flammte ein Blitz auf , secundenlang Alles in Tagesklarheit hüllend . Sie lachte und jubelte laut auf und rief , sich in meine Arme stürzend : » Nun sehe ich Dich , nun darf ich Dich sehen ! O , wie schön das ist ! wie schön Du bist ! So ! trag ' mich den Hügel hinunter ; nur bis zu den Steinen ! Jetzt laß mich los , Du Starker , Du mein Held ! Du mein Alles ! « » Laß mich Dich weiter tragen , ich kann es ! « » Ich weiß es , würde ich Dich sonst so lieben ? aber laß mich . Du darfst