die Treppen hinab , die schöne , schlanke , majestätische Gestalt , und als sie nun dem allerhöchsten Hofe , der wirklich durch den Wintergarten daher kam , begegnete , und sich graziös vor den Herrschaften verneigte , konnte man nichts Reizenderes und Anmuthigeres sehen . » Ah ! welches Glück ! « sprach der Graf tief aufathmend , und drückte seine Hände fest auf die Brust . » Das ist ein seliger Augenblick , wie ihn ein Glücklicher nur einmal in diesem Leben genießt . « Zweiundsechzigstes Kapitel . Eine einfache Geschichte . Die Soirée , von der wir im vorhergehenden Kapitel dem geneigten Leser Einiges mitgetheilt , machte nun alle Stadien durch , wie überhaupt sämmtliche Feste dieser Art. Man tanzte , man spielte , man plauderte , man soupirte , die Lichter brannten herab , die Pflanzen bedeckten sich mit feinem Staube , die Carcelllampen auf den Kronleuchtern und in den Gruppen fingen an trübe zu brennen und zu glucksen , die Konversation wurde matter , Eins ertappte das Andere auf einem unterdrückten Gähnen , und endlich hörte man auf der Treppe Bedienten rufen , drunten Wagen rasseln ; eine Menge Gäste drängte sich an den Ausgang des Tanzsaales und in die Vorzimmer , um , noch ehe sich der allerhöchste Hof fort begab , einen freundlichen Blick zu erhaschen . Man sah ganze Gruppen sich verneigen , ganze Reihen tief knixen ; zum letzten Mal wurde noch mit möglichster Anstrengung gelacht , geflüstert , dann klirrte und rauschte es die Treppen hinab ; die Wagen fuhren davon , von dunkelrothem Licht umgeben , - dem Schein der Fackeln in den Händen der Vorreiter und Lakaien , der an den Fenstern der Häuser vorbeizitterte und manchem erschreckten Schläfer , den das Wagengerassel erweckte , seltsam und unheimlich an den Augen vorbeistrich . Jetzt nahm die Gesellschaft droben in den Sälen einen ganz anderen Charakter an ; verschwunden schien alle Ruhe und Behaglichkeit , und das Ganze hatte das Aussehen eines Ameisenhaufens , den ein muthwilliger Knabe aufgestört . So rannte Alles durch einander , aus den hinteren Zimmern in die vorderen , aus dem Wintergarten in den Tanzsaal , hier einen Händedruck wechselnd , dort einem Bekannten noch einen freundlichen Gruß zurufend , rechts und links Abschied nehmend und sich darauf beeilend , dem Wirthe ein Kompliment zu machen , dann in die Mäntel und Shawls zu schlüpfen , um so schnell als möglich Treppen und Wagen zu erreichen . Kurze Zeit nachher lag das ganze weite Apartement öde und leer . Seine Excellenz stiegen ziemlich fatiguirt die Treppen zu Ihrer Wohnung hinauf , worauf der Haushofmeister mit sämmtlichen Bedienten erschien , um sorgfältig alle Lichter auslöschen und das Silberzeug wegräumen zu lassen , auch Fenster und Thüren zu schließen und darauf die Zimmer im halb verblichenen Glanz sich selbst und ihren Träumereien zu überlassen . Doch hatten um diese Stunde noch nicht sämmtliche Gäste das Haus verlassen ; der junge Graf sah es gern , wenn sich nach beendigter derartiger großer Soirée noch einige Bekannte en petit comité in seiner Wohnung versammelten , um sich von den gehabten Fatiguen bei einem Glase heißen Punsches und einer guten Cigarre zu restauriren . Da der große Salon , wie wir schon wissen , mit zum Feste gedient hatte und jetzt ebenfalls ziemlich derangirt und trostlos aussah , so hatte der Graf sein kleineres Arbeits-Kabinet neben dem Schlafzimmer für seine Gäste öffnen lassen , und der Kammerdiener hatte es so behaglich als möglich eingerichtet . Eine halbe Stunde nach Beendigung des Balles fand sich denn auch hier fast die gleiche Gesellschaft zusammen , die wir schon einmal in diesen Räumen und zwar zu Anfang unserer Geschichte hier beisammen gefunden . Das einzige fremdartige Element , welches man unmöglich ausschließen konnte , war der Herzog Alfred , der es sich nun einmal nicht nehmen ließ , ein Glas der Versöhnung , wie er es auf jenen Wortwechsel im Schlosse anspielend nannte , mit dem Grafen zu trinken , welcher sich für diese höchste Gnade außerordentlich dankbar zeigen mußte . Wenn auch die Anwesenheit des Herzogs nicht das Wünschenswertheste war , was der Gesellschaft dieser jungen Männer begegnen konnte , so hatte sie doch ein Gutes , daß sie wenigstens vor dem Dableiben des Herrn von Dankwart schützte , der sich Seiner Durchlaucht zu wiederholten Malen so unterthänig und vertraulich als nur irgend möglich mit der Versicherung genähert hatte , er für seine Person kenne nichts Angenehmeres , als nach einer großen Soirée noch eine Stunde ruhig eine Cigarre beisammen rauchen zu können . Er hoffte , der Herzog werde ihn zum Dableiben nöthigen ; doch schien dieser etwas an Schwerhörigkeit zu leiden , denn er versicherte den Herrn von Dankwart , er fände es vollkommen begreiflich , daß er , ein kleiner , schwacher Mann , sich bei seiner Lebhaftigkeit von einer solchen Soirée höchst angegriffen fühle , und er nehme es ihm durchaus nicht übel , wenn er sich augenblicklich zurückziehe . So mußte er denn das Zimmer verlassen und sich zu seinem Wagen begeben . Umsonst versuchte er es , mit dem Hausherrn ein interessantes Pferdegespräch anzuknüpfen : der Graf achtete nicht darauf ; umsonst streckte er seine Hände rechts und links aus : es war Niemand da , der Lust hatte , sie zu drücken ; und so schlich er sich denn hinaus , ließ sich den Mantel umgeben , wobei er dachte , es sei doch für einen feinfühlenden Mann sehr unangenehm , in eine Gesellschaft zu gerathen , die im Punkte der guten Lebensart so sehr weit zurück sei . Im kleinen Arbeits-Kabinet etablirten sich unterdessen die Herren auf eine bequeme und angenehme Art. Um das lodernde Kaminfeuer hatte der Kammerdiener alle möglichen Fauteuils gestellt , auch kleine Divans , und darauf machte es sich Jeder so bequem , wie nur irgend möglich . Dem Herzog hatte man die rechte Ecke eingeräumt , und er lag lang ausgestreckt in einer Chaiselongue , mit großer Behaglichkeit