sehr , da ich mit dem lieben Tierchen unvermutet erschien . Es brauchte indes nicht viel Beredsamkeit , bis sie mir meinen Fund überließen , da er soviel wie nichts besaß und die arme tote Mutter auf ihre gute Person allein die Hoffnungen der Zukunft gegründet hatte . Aber so eilig ging es zu mit der Abfahrt , daß ich mich nicht einmal nach den genaueren Namen erkundigen konnte . Das wurde rein vergessen , und ich erinnerte mich nachher nur , daß die Leute aus Schwaben gekommen . Von dem Kinde erfuhr ich , daß es Dortchen heiße , und so nannte ich es Dortchen Schönfund , als ich ihm später sein Heimatsrecht bei mir sicherte , und so wissen wir endlich nur , daß Dortchen Schönfund hier ein Schwäblein ist ! Es nahm aber von Jahr zu Jahr so sehr und mit solcher Leichtigkeit zu an Anmut , Tugend und Sitte , daß wir die kleine Hexe ohne Wahl vollkommen als die Tochter des Hauses halten und noch froh sein mußten , wenn sie nicht uns über den Kopf wuchs in allen guten Dingen . Meine Schwester , die Adelige , wollte auch durchaus Mittel finden , das Wesen durch irgendeinen armen Teufel von Grafen zur Aufrechthaltung dieses alten Kastells zu verwenden , aber , wie gesagt , hieran ist mir nichts gelegen , und Schönfündchen ist mir dazu zu gut ! « Das Fräulein hatte bei Erwähnung ihres Fundes und besonders ihrer armen unbekannten Mutter einige heiße Tränen vergossen , das schöne Köpfchen vornübergebeugt und in das Taschentuch gedrückt . Doch lächelte sie schon wieder und sagte » So , Herr Lee ! nun kennen Sie meine glorreiche Geschichte und können mich bedauerlich ansehen ! Nun , so sehen Sie mich doch ein bißchen bedauerlich an ! « » Ich werde mich wohl hüten « , sagte dieser , » ich empfinde erst recht den tiefsten Respekt , Fräulein ! und sehe gar nichts an Ihnen , das zu bedauern wäre ; vielmehr bedauert man sich sogleich selbst , wenn man so vor Ihnen dasitzt . « Er schämte sich aber , dies gesagt zu haben , und sah verlegen auf seinen Teller , während er in der Tat eine erhöhte Ehrerbietung gegen das Mädchen empfand , da alle ihre Feinheit und Würde einzig in ihrer Person beruhte und weder erworben noch anerzogen schien . Als man aufstand , hatte der Graf einige Geschäfte mit den Landleuten abzutun und ließ Heinrich die Wahl , ob er ihn begleiten oder sich allein in Haus und Garten umtreiben oder in der Gesellschaft seiner Pflegetochter bleiben wolle . Heinrich zog vor , da es ihm schicklicher schien , sich in die Gärten zu begeben , und tat dies auch , nachdem der Graf sich entfernt . Die Sonne hatte wieder den ganzen Tag geschienen , und es war ein heiteres warmes Herbstwetter geworden . Elftes Kapitel Höchst angenehm gestimmt und aufgeregt ging er in dem schönen Garten umher und fühlte sich lieblich geschmeichelt und gestreichelt durch den artigen Scherz , welchen das Fräulein mit ihm aufgeführt , sowie durch die unbefangene Art , mit welcher sie die Erzählung ihres Herkommens und ihrer Verhältnisse veranlaßt hatte . Aber erst unter den dunklen Bäumen des Lustwaldes stieg ihm plötzlich der schmeichelhafte Gedanke auf , daß er der Schönen am Ende wohl gefallen müsse , weil sie so unverhohlen und freundlich sich mit ihm zu tun machte , und er warf unverweilt sein inneres Auge auf sie mit großem Wohlwollen , auch stellte sich ihm im Fluge ein herrliches und edles Leben dar mit allen seinen Zierden an der Seite dieses guten und liebenswerten Frauenzimmers . Heftig schritt er in dem kühlen Schatten umher und fühlte sein Herz ganz gewaltig schwellen , und er kam sich im höchsten Grade glückselig und deshalb liebenswürdig vor . Aber auf dem obersten Gipfel dieser schönen Einbildungen ließ er den Kopf urplötzlich sinken , indem es ihm unvermutet einfiel , daß dergleichen unbefangene Scherze , frohes Benehmen und Zutraulichkeit ja eben die Kennzeichen und Sitten feiner , natürlicher und wohlgearteter Menschen und einer glücklichen heiteren Geselligkeit wären , welche jeden , den sie einmal arglos aufgenommen und zu kennen glaubt , auch ohne Arg mit ganzer Freundlichkeit behandelt ; daß es ebenso wohl das Kennzeichen der Grobheit und Ungezogenheit wäre , zum Danke für solche feine Freundlichkeit sogleich das Auge auf die Inhaberinnen derselben zu werfen und ihre Person mit unverschämten und eigenmächtigen Gedanken in Beschlag zu nehmen . So hoch diese sich vorhin verstiegen hatten , um so tiefere Demut befiel ihn jetzt , und er beschloß in derselben , die Schönste gegen sich selbst in Schutz zu nehmen , nicht ahnend , daß eine Neigung , die schon mit solcher inniger Achtung vor ihrem Gegenstande beginnt , das allerschärfste Schwert in sich birgt . Und er beschloß , ganz gründlich zu Werke zu gehen und die Dame auch in dem geheimsten Gemüte nicht zu lieben , so daß sie unbewußt ganz unbedenklich in demselben wohnen könne , nur von seiner uneigennützigsten Ehrerbietung und guten Freundschaft umgeben . Dieser herzhafte Beschluß schwellte ihm abermals die Brust und hielt dann sein Blut auf in seinem Laufe , aber sehr schmerzlich süß , daß es ihm wohl und weh dabei ward . Ersteres , weil es immer wohltut , einem liebenswürdigen Wesen Gutes zu erweisen , selbst wenn das durch Entsagung geschieht , und weh , weil es doch eine häkliche Sache ist , eine junge Neigung so ohne weiteres abzuwürgen und eine ganze werdende mögliche Welt im Keime zu zertreten . Indem er dies schmerzliche Gefühl empfand und darüber nachdachte , sagte er » Im Grunde - ein Mädchen zu lieben ist nie eine Unhöflichkeit , wenn man nur etwas Rechtes ist ! Aber von mir würde es jetzt unhöflich und grob sein , weil ich ja nichts , ach so gar nichts bin und erst alles werden muß ! « Zum ersten Mal bereute er so