, der ihm noch geschenkt ist ; der Sonnenstrahl , der in sein Zimmer fällt , presst ihm ein Lächeln aus , er weht mit der Hand durch die Sonnenstäubchen ; er streichelt den Kater über den Rücken : was wird aus Dir nach meinem Tode werden ? Er kann noch scherzen : ob man nicht Versorgungsanstalten für treue Hausthiere einrichten solle ? Mein Herz blutet bei diesen Scherzen , und das sollte eine Philosophin nicht . Sie sollte auch nicht mehr hoffen , wo der Verstand ihr sagt , daß hinter der Hoffnung ein Strich gemacht werden muß . Ich kann es noch nicht , « sprach sie , sich plötzlich abwendend , das Tuch am Gesicht , » da sehen Sie , was ich für eine Philosophin bin ! « Die Geheimräthin Lupinus ward allgemein bewundert , aber man fröstelte bei dieser Bewunderung und man vermied sie . Walter hatte scharfe Augen . Das Gesicht kam ihm heute besonders spitz vor . Sie schielte ja . Fiel nicht ihr Blick seitwärts über die ganze Straße ? Wie kam ihm die Vorstellung von einem Brennglas , das in der Ferne zünden soll ? Er hatte niemals Zuneigung für sie empfunden . Wie oft hatte er im Gespräch über ernste wissenschaftliche Gegenstände die Schärfe ihres Verstandes , ihre Phantasie im Kombiniren bewundert , aber es war , als ob ein bleigrauer Schleier gleich darauf die Anschauung überzog , eine ätzende Substanz , welche die eben noch blühenden Farben verzehrte ; aus dem Gemälde ward ein blauer Kupferstich . Er war nie erhoben durch ihr Gespräch , er ging nie froh von ihr . Was wollte diese Frau ? Jetzt eine Philosophin , die das Firmament durchdringen will nach dem Ewigen ; jetzt schien ihre Brust sich zu heben von Hochgefühlen für Vaterland , Freiheit , für die Heroen der Menschheit . Fand sie eine Schranke , eine eiserne Wand , vor der sie zurücksank nach verzehrendem Kampf ? - Nein , ihre Flügel schienen schon erlahmt , wenn die Zuschauer fortsahen . Und dann wie das Vogelgeschlecht , das auch Flügel hat , aber nie in die Wolken sich erhebt , flatterte sie im Frivolen , Eitlen , gehoben von keinem andern Drang als dem der Gefallsucht . Tausende , die nach dem Interessantsein haschen , zufrieden , wenn irgend etwas als vorzüglich anerkannt wird , sei es auch nur eine Lieblingsarie am Klavier , ein kleiner Fuß . ihr feines Whistspiel . Wo blieb sie denn stehen , woran hielt sie sich ? fragte er sich . Wäre sie sich selbst genug ? Auch die Vorstellung , von Allen verkannt zu sein , es ist eine bittere Wollust , aber sie mag zur Säule werden , auf die zuletzt allenfalls eine Säulenheilige klettert und in schwindelndem Stolz auf das Gewühl herabsieht . Aber - nein , dazu pulste ihr Blut zu ruhig . Der holde Wahnsinn spielte nicht um ihre Schläfe , sie , jeden Augenblick die sich bewusste Beherrscherin ihrer Worte , ihrer Mienen . Wusste sie ja sogar , daß sie den Männern nicht gefiel , daß Frauen vor ihren Liebkosungen erschraken . Gefühlvolle erkältete ihr Gespräch , Geistvolle fühlten sich gelähmt , nur Solche geriethen in Entzückungen über ihren Geist , die von ihr sich heben und tragen lassen wollten , und auch diese nur so lange , bis sie ihrer nicht mehr bedurften . Und auch das wusste die Unglückselige ! Wohin er blickte , was sie gelten wollte , sie erreichte es nicht . Schwärmte sie für Napoleon , studirte sie Plato , begeisterte sie Fichte , erglühte sie für die Schönheitsformen des Alterthums , war sie plötzlich von patriotischen Gefühlen für die Ehre des Vaterlandes erweckt , war sie die liebevolle Pflegerin des kränkelnden Gatten ? Nichts von alledem ! Walter hatte mathematische Beweise dafür . Sie schloß jetzt wieder die Jalousieen . Die spitzen Finger der magern Hand waren noch sichtbar , wie sie sich mühten eine Schlinge an einen Wandnagel zu befestigen . Es gelang nicht so schnell . Das Spiel der einsamen Hand hatte etwas Unheimliches für Walter . Was wird sie nun drinnen in der dunklen Stube anfangen ? Handarbeiten ? Sie nahm sie nur vor , wenn Fremde da waren , gewisse angefangene Stücke , die er gut kannte . Stickereien , Nähtereien , die aber nie fertig wurden . Würde sie sich ans Bett des Kranken setzen , den Schweiß von seiner Stirn wischen , seine magere Hand liebevoll streicheln ? Er glaubte durch die Mauer zu sehen , daß sie mit Schaudern vom Kranken sich abwandte . Vielleicht ergriff sie eine Lektüre ? - Was sollte sie lesen ? Und am Krankenbett ! Da lagen gewisse Bücher , Mendelssohns Plato , Tiedge ' s Urania , Fichte , Schleiermacher , aufgeschlagen oder mit Zeichen unter ihrem Arbeitstische . Je nach dem Besuch , der sich meldete , ward eins auf den Tisch gelegt . Die Geheimräthin galt für eine sehr belesene Frau , sie sprach mit Geist über die Novitäten , die - sie nicht gelesen hatte . Walter hatte sie für sie lesen , ihr den Inhalt vortragen müssen . O er wusste Bescheid im Hause ; und wie viel hatte ihm Adelheid mitgetheilt ! - Ein Schmerz , ein Gedanke , ein Blitz zuckte durch seine Brust . Was hatte sie mit Adelheid gewollt ? - Nicht drei Tage waren vergangen , und sie hatte sie gequält , alle ätzende Schärfe des Verstandes auf das Kind der Natur ausgegossen . Was war denn ihre Absicht ? Sein Herz pochte immer heftiger . Ein Möbel , ein Schmuck des Hauses , den man ankauft , um Gäste anzulocken , verdirbt man nicht , man bemüht sich nicht , ihm die natürliche Farbe , seinen Glanz zu rauben . Aber hatte nicht diese Frau - Adelheid hatte es nie ausgesprochen , in ihrem stocken , ihrem Zittern hatte er es gelesen . Mein Gott , was