. In großen Städten wurden von Sackfiedern , Lastträgern , Karrenschiebern solche Kraft-Vereine gebildet . Der Kriegsrath Wisperling , der zugegen war , gehörte zu den schleichenden Naturen , die es verstanden , unter Kanalarbeitern und Schiffsablädern mit einer gefüllten Börse Mannschaften zu werben zu solchen loyalen knüttelhaften Demonstrationen . Er mischte sich auf naive , kindliche Weise unter Brücken-und Bauarbeiter , scherzte , späßelte , theilte Viergroschenstücke aus und veranlaßte eine Zeit lang jeden Sonnabend spät in der Dunkelheit einen Überfall der Clubs und einige halbtodt geschlagene Opfer dieser unzurechnungsfähigen Loyalitätswuth . Einige Sendapostel der Enthaltsamkeitsvereine unterstützten darin diesen sanft flüsternden , immer liebevoll lauernden Kriegsrath Wisperling . Dafür , daß er bei seinen Sonnabend-Abends-Werbungen manchmal irre ging und an die unrechten Elemente im Volke kam und fürchterlich oft schon selbst geschlagen wurde , hatte ihn das Bedauern , das Lob und manche Gratification seiner Vorgesetzten schadlos gehalten . Er wußte , daß er auf der Liste stand , bei nächstens thatkräftigerem Durchbruch der Reaction für dieses eigenthümliche Rekrutiren Geheimer Kriegsrath zu werden . Auch einer dieser Sendapostel war zugegen , Baron von Held . Er reiste für die Ausrottung der sogenannten Alkohol-Vergiftung und gehörte zu den gewandtesten » Colporteuren « der innern Mission , die ja die politische Krankheit der Völker auch scharf genug in ' s Auge gefaßt hat und sie als Teufelswerk auszurotten sucht . Das christliche Werben gibt sich da zum Deckmantel einer ganz weltlichen Industrie , für eine Menge Bücher , Zeitschriften , Gesellschaften u.s.w. her , warum nicht auch für das reactionäre Wühlen ? Einen der kecksten Agitatoren lernen wir in dem anwesenden Grafen Brenzler kennen . Dieser hatte , um Conflikte herbeizuführen , sich nicht gescheut , schon an den Straßenecken oft zum Bau von Barrikaden aufzufordern und durch geschickte Manöver in solcher Art gleichsam den Feind herauszulocken , um ihn besser auf ' s Haupt schlagen zu können . Graf Brenzler , noch jung , war ein förmlicher Flibustier seiner Partei und lag in einem fortwährenden bald listigen bald offenen Kampfe mit seinen demokratischen Gegnern . Auch einige politisch sehr fanatische Frauen waren schon zugegen . Sie gehörten zu den wildesten Parteigängern , unter denen man Erscheinungen in neuerer Zeit getroffen hat , die die grausamere Natur der Frauen in ein entsetzliches Licht stellen . Für die Aussicht , ihre Männer könnten jährlich hundert Thaler weniger Gehalt beziehen , waren manche vom schönen Geschlecht Furien geworden . Von denen , die um einen bei dem Lärm der Aufstände flatternden Kanarienvogel , um einen winselnden Schooshund wüthen konnten , will ich nicht reden ; auch die wollen wir bemitleiden , die auf der Straße von einem betrunkenen Arbeiter übel angeredet , nach Hause kommen und in Ohnmacht fallen und die Welt mit Feuer und Schwert vertilgt wissen wollen . Aber die Damen waren entsetzlich , die die Besteuerung der Pensionen fürchteten , die , die etwas von den Abzügen der hohen Gehalte gehört hatten . Diese glichen Mänaden und hätten ruhig neben Karl IX. in der Bartholomäusnacht ausgehalten , als dieser mit der Flinte an einem Fenster des Louvre stand und immer schrie : Tuez ! Tuez ! Tuez ! Begrüßen wir nun Diejenigen in Paulinens Salon , die wir schon einmal nennen hörten oder genauer kennen . Vor allen ist die Excellenz selbst zu nennen . Kurt Henning Detlev von Harder zu Harderstein kam mit dem Großkreuz auf der Brust , sehr gewählt toilettirt , die Perücke frisch gebrannt und neu gelockt . Seine Haltung verlieh ihm Würde . Er belächelte Jeden sehr gnädig und war gegen Helene d ' Azimont in dem Zelte sogar herzlich . Diese fand ihn , als er in dem blauen Zelte sich neben sie setzte , außerordentlich vergnügt . Sie gestand ihm , daß ein gewisses Etwas in ihm läge , was man kaum anders nennen könnte als Unternehmungsgeist ... Finden Sie Das ? Unverkennbar . O ! O ! Sie haben etwas ! Die Reisen auf die königlichen Schlösser bekommen mir gut . Man athmet dort eine so gesunde Luft ... Das ist es . Auch die Zeit regt an . Die Zeit ? Wie so , Frau Gräfin ? Die Zeit ... Ach ! abscheulich ! Sie thun , als wenn ich ein Greis wäre ! Bitte ! Ich spreche von der Zeit , nicht vom Alter . Ach so ! ... Werden Sie Papa nicht besuchen ? Papa ? Wer ist Papa ? Meinen Papa in Tempelheide ... Dies Gespräch wurde für die erschöpfte Helene schon zu angreifend . Es war ihr drückend , leidlich heiter sein zu sollen . Sie machte Miene , sich doch zu entfernen , während außerhalb des Zeltes Pauline empfing . Der Geheimrath hielt sie aber mit Schmeicheleien auf . Er fand sie bewunderungswürdig . Verdrüßlich antwortete sie : Wovon sprachen wir ? Von Papa , Comtesse ! Papa ! Nein , nein , nein ! Ihr Papa ? Es muß Ihr Großvater sein ! Sie sind zu schalkhaft , zu jung , um nur noch einen Vater zu haben . Treibt er immer noch Zoologie , der alte Herr ? Gehen Sie zu ihm , Excellenz ! Er muß Sie noch zähmen , Sie blicken heut so wild ! Und dabei ist nicht einmal Ihre Cravatte fest geschnürt ! Cravatte ? Trägt man in Paris Cravatten ? Der Graf versprach mir Moden zu schicken ... Recepte ! Recepte ? O ! Ach , Excellenz , fuhr Helene seufzend fort , so lang ich hier bin ... Schicken Sie mir denn auch manchmal , wie sonst , Blumen aus Monplaisir und Sansregret ? Wenn ich sicher bin , nicht durch die Eifersucht eines gewissen - Sprechen Sie von Blumen , Excellenz ! Ich will Solitüde besuchen ... Sie haben dort Treibhäuser . Was gibt es Neues in Solitüde ? Ich habe eine neue Methode des Bewässerns erfunden ... In der That ? Erfinden Sie ? Eine Gießkanne , Comtesse , die aus verschiedenen Schläuchen besteht - Eine