Hofschulze seine letzte Rede über allerhand wichtige Gegenstände hält An einem der nächsten Tage ging der Diakonus auf das Gerichtshaus , wo er als Zeuge vernommen werden sollte . Mehrere Menschen , die gleich ihm hinbeschieden worden waren , standen unten vor der Türe , und andere sprachen mit ihnen über den Gegenstand , der vor einigen Wochen die größte Verwunderung im Städtchen erregt hatte , dann den Leuten aus dem Sinne gekommen war und nun , als das Gericht die Sache wieder aufnahm , von neuem zu reden gab . Die Zeugen sollten über den Patriotenkaspar und den Oberhof verhört werden . Der Oberamtmann war nämlich an jenem Tage , wo er den Einäugigen traf , über den Fall ins klare und mit einer protokollarischen Darstellung desselben zustande gekommen . Auch er überzeugte sich zwar , daß die Sache verjährt sei , gleichwohl meinte er , sie habe eine solche Gestalt , daß wenigstens das Tatsächliche in aller Form Rechtens festgestellt werden müsse . Der Amtseifer des Geschäftsmannes wurde selbst durch den traurigen Zwischenfall mit seinem jungen Freunde nicht von dieser Bahn abgeleitet . Er trug daher , was er geschrieben , zu dem Vorstande des Gerichts , gab die nötigen Erläuterungen dazu und das Gericht ging ebenfalls in die Ansicht ein , daß ein geständiger Mörder wenn auch von noch so alter Zeit her , wenigstens vorderhand nicht auf freien Füßen stehen und unverhört bleiben dürfe . Man schritt daher gegen den Patriotenkaspar zur Verhaftung . Dieser hielt von dem Leiterwagen herunter , auf dem man ihn einbrachte , Reden an das Volk , verfluchte die Gerichte von seinesgleichen und pries die Gerichte des Königs , vor denen er nunmehr seine alte Schuld abbüßen wolle . Zugleich berühmte er sich des Torts , den er seinem Todfeinde angetan . Das Gericht wollte sich indessen auch nicht so ohne weiteres mit einer vielleicht nachher getadelten Arbeit belasten , fragte daher höheren Ortes an , von da geschah eine Rückfrage noch weiter hinauf und die Bescheidung erfolgte erst nach mehreren Wochen . Sie ging dahin , daß allerdings , um die Sache aufzuklären , die nötigen Vernehmungen geschehen sollten . Gerade kurz vor den Tagen , von welchen hier die Rede ist , war jene Bescheidung eingetroffen . Besichtigungen wurden daher vorgenommen , Zeugen abgehört und diese Dinge brachten die Angelegenheit wieder in das Gedächtnis der Menschen zurück . Die sonderbare Art von Macht , welche der Hofschulze ausgeübt , kam zur Sprache , der einäugige Frevler hatte kein Hehl , daß er seinem Feinde das Schwert an einen verborgenen Ort weggetan habe und obgleich dieser Tatumstand kaum ein Verbrechen , sondern mehr nur einen Mutwillen darstellte , so war er es doch gerade , und was mit ihm zusammenhing , wodurch die Leute am meisten beschäftigt wurden . Man verwunderte sich , daß ein Uraltes , längst Verschollenes sich wie eine unabhängige Macht im Staate hatte hinstellen können . Auch der Name des Diakonus geriet auf die Zeugenliste . Die Untersuchung ruhte in den Händen eines Richters , der sich viel mit historischen Studien beschäftigte , und diese fanden hier reichliche Nahrung . Er machte daher die Sache wohl weitläuftiger , als sie streng genommen zu werden brauchte , und hörte jeden ab , der einigen Aufschluß über das Wesen des Oberhofes und das Treiben seines Besitzers zu geben vermochte . Deshalb hatte er denn den Diakonus gleichfalls vorladen lassen , weil dieser , wie bekannt war , viel mit dem Hofschulzen verkehrte , obgleich er von dem eigentlichen Gegenstande der Nachforschungen nicht das mindeste wußte . Man ließ den Diakonus seines Standes wegen nicht im Zeugenzimmer warten , sondern berief ihn sofort in die Verhörstube . Dort wohnte er einem sonderbaren Auftritte bei . An den Schranken stand der einäugige Mörder und in einer Ecke saß der Hofschulze , über dessen verfallenes Aussehen der Diakonus erschrak . Der Mörder stand ganz strack da und sein reicher Feind saß in zusammengekrümmter Haltung . - » Noch einmal fordere ich Euch auf « , sagte der Richter zum Patriotenkaspar , » mir zu entdecken , wohin Ihr das Schwert getan habt ; bedenkt , daß Ihr durch hartnäckiges Verleugnen Euer Schicksal erschwert . - Hofschulze , sagt ihm ins Gesicht , daß Ihr Euer ganzes Haus danach vergeblich durchsucht habt , daß es also nicht im Oberhofe liegen könne . « » Wenn der Mensch keine Hexenmeisterkünste ausgeübt und es in einen Balken inwendig hineingehext hat , so liegt es draußen irgendwo und der Bösewicht muß wissen , wo es liegt « , sagte der Hofschulze , indem er einen Blick des grimmigsten Zornes auf den Entwender warf . Der Einäugige , der mehr seinen Feind im Auge behielt , als den Richter , versetzte : » Und dennoch liegt es im Oberhofe , Hofschulze , aber finden werdet Ihr es schwerlich , wenn Ihr nicht das ganze Haus von Grund aus umreißt . Und das ist eben meine Freude , daß Ihr das wissen sollt , und daran vergehen , daß es Euch so nahe ist und dennoch verborgen bleibt . Mein Schicksal weiß ich . Daumenschrauben und Leiter gelten nicht mehr ; Ihr könnt mich also höchstens länger sitzen lassen , Herr Richter , und das mögt Ihr tun , denn ich schweige und werde schweigen , müßte ich auch hundert Jahre absitzen . Wo das Schwert liegt , diese Sache geht mit mir in die Grube . « Der Richter , welcher gar zu gern das alte Schwert gesehen hätte , fuhr den hartnäckigen Verleugner heftig an , der Hofschulze aber richtete sich auf , unterbrach ihn und sagte mit plötzlicher Hoheit : » Lasset es gut sein , Herr Richter , wenn meine Bitte etwas gilt , denn ich habe mich besonnen und dieser Bösewicht wird nichts verraten . Ich werde mich ohne das Schwert zu behelfen wissen . « Der Richter ließ den Patriotenkaspar abführen . » Seid nun so gut « , sagte der