die Wohnung . Sie war zugleich so schön und edel angeordnet , daß ich meine Freude daran hatte . Ich sprach bei dieser Gelegenheit von dem Vermählungstage , und die Mutter antwortete , daß der Vater glaube , es sei nun keine Ursache einer Säumnis , und von uns als von der Seite des Bräutigams müsse die Anregung ausgehen . Ich bat um Beschleunigung , und am folgenden Tage gingen schon unsere Briefe in den Sternenhof und zu Risach ab . In kurzem kam die Antwort zurück , und der Tag war nach unsern Vorschlägen festgesetzt . Der Sammelplatz war der Asperhof . Meinem Versprechen getreu , stellte ich mich nun auch bei der Fürstin . Sie war schon auf ihren Landsitz abgereist . Ich schrieb ihr daher einige Zeilen , daß ich zurück : sei , und zeigte ihr meinen Vermählungstag an . In kurzer Zeit kam eine Antwort von ihr nebst einem Päckchen , welches ein Erinnerungszeichen an meine Vermählungsfeier von ihr enthalte . Sie könne es mir nicht persönlich übergeben , weil sie seit einigen Wochen kränklich sei und sich deshalb so früh auf das Land habe begeben müssen . Das Erinnerungszeichen liege schon seit länger in Bereitschaft . Ich öffnete das Päckchen . Es enthielt eine einzige , aber sehr große und sehr schöne Perle . Die Fassung war fast keine . Nur ein Stengel und ein Goldscheibchen hafteten an der Perle , daß sie eingeknöpft werden konnte . Ich freute mich außerordentlich über die Gesinnung der edlen Fürstin , über die Trefflichkeit des Geschmackes und über dessen Sinnigkeit ; denn eine Perle ist es ja in meinen Augen , die ich mir als Geschenk an meine Brust zu heften im Begriffe war . Ich schrieb eine innige Dankanwort zurück . Unsere Vorbereitungen waren bald gemacht , und wir reisten ab . » Wir können ja unsere letzten Rüstungen in meinem Landhause machen « , sagte der Vater mit heiterem Lächeln . Wir fuhren in den Gusterhof . Eine kleine , aber freundlich bestellte Wohnung , die der Vater vorläufig für solche Gelegenheiten hatte herrichten lassen , empfing uns . Es war ein liebliches Gefühl , in unserem eigenen , uns zugehörigen Landsitze zu sein . Der Vater schien dieses Gefühl am tiefsten zu hegen , und die Mutter freute sich dessen ungemein . Wir blieben hier so lange und vervollständigten unsere Vorbereitungen , daß wir zwei Tage vor der Vermählung in dem Asperhofe eintreffen konnten . Mathilde und Natalie waren schon anwesend , da wir ankamen . Wir begrüßten uns herzlich . Alles war in einer gewissen Spannung der Vorbereitungen . Ich konnte Natalien oft nur auf einige Augenblicke sehen . Klotilde wurde auch sofort hineingezogen . Botschaften kamen und gingen ab , Gäste und Trauzeugen trafen ein . Ich selber war in einer Art Beklemmung . Am Nachmittage des ersten Tages fand ich einmal Mathilden , meinen Gastfreund und Gustav im Lindengange auf und ab wandeln . Ich gesellte mich zu ihnen . Gustav verließ uns bald . » Wir sprachen eben davon , daß mein Sohn sich nun bald von hier entfernen und in die Welt gehen müsse , « sagte Mathilde , » habt Ihr ihn nach Eurer Reise nicht auch verändert gefunden ? « » Er ist ein vollkommner Jüngling geworden , « erwiderte ich , » ich habe auf meinen Reisen keinen gesehen , der ihm gleich wäre . Er war ein sehr kraftvoller Knabe , und ist auch ein solcher Jüngling geworden , aber , wie ich glaube , gemilderter und sanfter . Ja sogar in seinen Augen , die noch glänzender geworden sind , erscheint mir etwas , das beinahe wie das Schmachten bei einem Mädchen ist . « » Es freut mich , daß Ihr das auch bemerkt habt , « sagte mein Gastfreund , » es ist so , und es ist sehr gut , wenn auch gefährlich , daß es so ist . Gerade bei sehr kraftvollen Jünglingen , deren Herz von keinem bösen Hauche angeweht worden ist , tritt in gewissen Jahren ein Schmachten ein , das noch holder wirkt als bei heranblühenden Mädchen . Es ist dies nicht Schwäche , sondern gerade Überfülle von Kraft , die so reizend wirkt , wenn sie aus den meistens dunkeln , sanftschimmernden Augen blickt und gleichsam wie ein Juwel an den unschuldigen Wimpern hängt . Solche Jünglinge dulden aber auch , wenn böse Schicksalstage kommen , mit einem Starkmute , der der Krone eines Märtyrers wert wäre , und wenn das Vaterland Opfer heischt , legen Sie ihr junges Leben einfach und gut auf den Altar . Sie können aber auch zu falscher Begeisterung getrieben und mißbraucht werden , und wenn ein solches Jünglingsauge zu rechter Zeit in das rechte Mädchenauge schaut , so flammt die plötzlichste , heißeste , aber oft auch unglücklichste Liebe empor , weil der junge unverfälschte Mann sie fast unausrottbar in sein Herz nimmt . Wir werden , wenn die jetzige Angelegenheit vorüber ist , weiter von dem sprechen , was etwa not tut . « » Ich sehe ja das Gute und die Gefahr « , sagte Mathilde . Wir gingen bald in das Haus zurück . » Er muß in die Härte der Welt , die wird ihn stählen « , sagte mein Gastfreund auf dem Wege dahin . Endlich war der Vermählungstag angebrochen . Die Trauung sollte am Vormittage in der Kirche zu Rohrberg stattfinden , in welche der Asperhof eingepfarrt war . Der Versammlungsort war der Marmorsaal , dessen Fußboden zu diesem Zwecke mit feinem grünem Tuche überspannt worden war . Gleiches Tuch lag auf allen Treppen . Ich kleidete mich in meinen Zimmern an , tat ein Gebet zu Gott , und wurde von einem meiner Trauzeugen in den Marmorsaal geführt . Von unsern Angehörigen waren erst die Männer dort . Die Zeugen und die meisten Gäste waren zugegen . Risach war im Staatskleide und mit allen seinen Ehren geschmückt . Da tat sich die Tür