« , sagte Fancy . Nach der Entfernung des Oberamtmanns fragte die Baronesse ihre Zofe : ob sie wohl ihren Plan errate ? Die Zofe versetzte , daß sie ein zu dummes Mädchen sei , um so kluge Plane erraten zu können . » Ich werde « , sagte darauf die Baronesse , indem sie sich von Fancy die seidenen Schuhe , welche sie etwas drückten , ausziehen ließ und ihre kleinen Füße in rote goldgestickte Pantöffelchen steckte , » ich werde auf weibliche Art die Sache ordnen , Fancy . « Sie nahm eine gefällige Lage auf dem Sofa an . Fancy setzte sich auf das Bänkchen des Oberamtmanns zu ihren Füßen , sah ihr demütig in das Gesicht und erwiderte : » Gnädige Frau , Sie können gar nichts anderes sein , als das edelste weibliche Wesen . « » Meinst du ? « versetzte die Gebieterin lächelnd und streichelte ihrer ergebenen Jungfer die Wange . - » Nun höre meinen Plan . Nach allem , was ich von der Lisbeth höre , ist sie ein gutes und braves Mädchen . Solche Gemüter leben nur im Glücke ihres Freundes und entsagen dem eigenen , wenn man ihnen klarmacht , daß sie das Unglück des zweiten werden können . Ich will auf das Gemüt des Mädchens mit allen Gründen wirken und bringe es ohne Zweifel dahin , daß sie in meine Hände ihre Liebe und meines Vetters Wort zurückgibt . Entsagen soll sie , entsagen wird sie , dann werde ich sie weit weg zu entfernen wissen . Tot muß sie für Oswald sein , ich aber sorge , wie sich von selbst versteht , zeitlebens als Mutter für sie . - Nur die schlechte , unwahre Liebe will um jeden Preis den Besitz des Geliebten ; die reine , wahre weiß sich selbst freudig zu opfern « , setzte Clelia begeistert hinzu , indem sie sich von Fancy einen Handspiegel vorhalten ließ , weil sie fühlte , daß eine Locke heruntergefallen war , die wieder aufgesteckt werden mußte . Fancy ergoß sich in Versicherungen , daß diejenige ein elendes Mädchen sein müsse , welche nicht willig auf den Geliebten verzichte , sobald seine Lebensruhe davon abhange , und Clelia fuhr fort : » Sehen aber darf ich sie nicht vor der entscheidenden Unterredung , denn meine ganze Festigkeit muß ich allerdings für diesen Hauptschlag zusammenhalten und keinem unzeitigen Mitleid mich aussetzen . « » Nein ! « rief Fancy eifrig , » nein , sehen dürfen Sie sie durchaus nicht . Denn dann könnten Sie weich werden , Ihre Gründe würden sich vielleicht , sozusagen , zerbröckeln , und das Mädchen möchte Sie gewinnen und alles wäre verloren . Wenn Sie aber plötzlich mit aller Ihrer Klugheit bewaffnet , sie kommen lassen , gnädige Frau , dann wollte ich doch wohl einmal diejenige sehen , die Ihnen widerstehen könnte . So wie Sie sich die Sache ausgedacht haben , muß sie gelingen und mich dauert nur die arme Lisbeth , die um den schönen Grafen kommt , denn ich , gnädige Frau , bin freilich nicht so fest wie Sie , sondern nur ein einfältiges , weichherziges Mädchen . « Nach diesen Vorfällen verging der Abend der jungen Dame in einer gewissen stillen Erhebung . Die Nacht war jedoch unruhig , und die Bewohner des Hauses wurden durch mehrmaliges Schellen in dem Zimmer der Baronesse aus ihrem besten Schlummer geweckt . Clelia schellte nach ihrer Jungfer deshalb so oft , weil sie durchaus nicht schlafen konnte . Sie gab ihrem Lager die Schuld , welches Fancy ganz abscheulich gemacht habe , ließ von ihr die Kissen anders legen , da das nicht helfen wollte , die Decken besser ordnen , und als auch die besser geordneten Decken keinen Schlaf bringen wollten , die Matratze wenden . So wurde Fancy geschellt , entlassen , wieder geschellt , wieder entlassen . Fancy , der ihr Gewissen in betreff des Lagers nicht das mindeste vorwarf , ertrug gleichwohl schweigend die Verweise der Herrin , oder schalt sich auch selbst einmal wegen ihrer Nachlässigkeit , und legte , ordnete , wendete mit der Geduld einer Heiligen die Bestandteile des so ungerecht verklagten Lagers . Aber es half alles nichts und gegen Morgen bekam Clelia einen Anfall von Krämpfen . Fancy pflegte die arme Kranke mit Essigäther und Orangenblütentee , den sie sogleich rasch und still zu bereiten wußte , treulichst . Das Übel lösete sich auch , und unter Tränen , welche die beklommene Brust erleichterten , machte Clelia am Busen ihrer Vertrauten dem verhaltenen Schmerze Luft . Sie weinte sehr und klagte über ihren Gemahl , der sie so herzlos habe verlassen können , sie fürchte , sagte sie , daß er sie doch nicht so liebe , wie sie gedacht , sie nannte sich endlich schluchzend eine arme , aufgegebene schutzlose Frau . - Fancy nötigte ihr so viel Orangenblütentee ein , wie nur möglich , und schalt dabei auf das ganze männliche Geschlecht , von dem sie behauptete , daß es im allgemeinen nichts tauge und nur zum Verderben der Frauen erschaffen sei . Der gnädige Herr mache denn leider auch keine Ausnahme , sagte sie und das Übelste sei , daß sich , wenn er fest dabei verbleibe , seinen Oheim im Osnabrückschen so lange zu besuchen , als die gnädige Frau hier Geschäfte habe , gar kein Ende des verzweiflungsvollen Zustandes absehen lasse . Am anderen Tage war Clelia sehr leidend und medizinierte . Ihr Befinden besserte sich nicht , als sie vernahm , daß Lisbeth in der Frühe auf eine halbe Woche zu ihrem alten Pfleger verreiset sei , den sie nun , da sie über Oswald ganz ruhig geworden war , wiederzusehen verlangte . Sie hatte sich außerdem zu dieser Reise deshalb bestimmt , weil sie jede Versuchung meiden wollte , den Geliebten durch ihre Gegenwart jetzt , wo er sanft und allmählich in das Leben zurückkehren sollte , aufzuregen . Fünftes Kapitel Worin der