willst du wissen ? Das weiß ich doch nicht , ich gebe mich nicht ab mit solchen untergeordneten Persönlichkeiten . Aber du scheinst ihn ja fast auf eine Stufe mit mir zu stellen – recht schmeichelhaft in der That ! « » Du kanntest ihn aber doch , « beharrte Edith , ohne sich durch den wegwerfenden Ton beirren zu lassen . » Er benahm sich eigentümlich feindselig bei der Begegnung . « » Natürlich kenne ich ihn . « Ronald zuckte nachlässig die Achseln , » Ich habe ja meine kaufmännische Laufbahn im Bankhause seines Vaters begonnen . Das wußtest du nicht ? Es ist auch nicht der Mühe wert ! Er hat damals Vermögen und Lebensstellung eingebüßt und es überhaupt zu nichts gebracht in der Welt , sonst würde er nicht in Heilsberg sitzen . Ich bin emporgekommen – Grund genug für solche Menschen zum ohnmächtigen Groll und Haß gegen den einstigen Untergebenen , der jetzt so hoch über ihnen steht . Ich finde das im Grunde natürlich , aber man nimmt doch nicht weiter Notiz von solchen Erbärmlichkeiten . « » Scheint dir dieser Raimar so verachtungswert ? « fragte Edith langsam . » Vielleicht unterschätzest du ihn doch . Furchtsam wenigstens ist er nicht , es lag ja fast eine Herausforderung in seiner Haltung , und du – ließest das hingehen . « Ronald streifte mit einem raschen , funkelnden Blick seine Braut , dann lachte er laut auf , aber es war ein grelles , nervöses Lachen . » Du hast ja eine unheimlich scharfe Beobachtungsgabe ! Hast du das alles herausgefunden in den paar Minuten , wo der Herr Notar uns hier mit seiner Gegenwart beehrte ? « » Sie bestätigten mir nur , was ich bereits wußte , daß er dein Feind ist . Ich habe es aus seinem eigenen Munde gehört . « Die Wirkung dieser unvorsichtigen Worte war eine ganz ungeahnte . Ronald fuhr auf , als habe er einen Schlag in das Gesicht erhalten . Er faßte plötzlich die Hand seiner Braut und preßte sie mit so wildem Druck , daß es schmerzte . » Das hat er gewagt , dir zu sagen ? « stieß er hervor . » Und du hast das angehört ? Was hat er dir gesagt ; antworte , Edith ! Was hat er angedeutet ? « Mit einer energischen Bewegung machte Edith ihre Hand frei und trat zurück . » Du bist außer dir , Felix ! « rief sie , mehr entrüstet als erschrocken über diesen wilden Ausbruch . Die scharfe Mahnung brachte ihn zur Besinnung . » Du hast recht , ich bin überreizt . Das kommt von der Überarbeitung , ich habe in der letzten Zeit ja immer die Nacht zum Tage machen müssen und kaum ein paar Stunden Schlaf gehabt , das rächt sich jetzt . Aber ich muß wissen , was da gesprochen worden ist . Wie kamst du überhaupt zu einem solchen Gespräch mit Raimar ? Du sahst ihn ja zum erstenmal ? « Die Worte klangen ruhiger , aber in seinem Blick lag noch immer die fieberhafte Unruhe . Es vergingen einige Sekunden , bevor Edith antwortete , es warnte sie etwas in ihrem Innern , jener ersten Begegnung im Walde zu erwähnen , so umging sie denn die Antwort . » Er wäre wohl nicht nach Gernsbach gekommen , wenn er geglaubt hätte , dich hier zu finden , « erwiderte sie . » Wir sprachen von Steinfeld , natürlich auch von dem Herrn der Steinfelder Werke , und da verriet er seine Feindschaft gegen dich . Er hatte ja keine Ahnung , in welchen Beziehungen wir stehen . « Ronald stützte die Hand auf die Lehne des Sessels , an dem er stand , aber seine Augen hafteten unverwandt auf dem Gesichte seiner Braut , als wollte er darin lesen . » So ? Also nur ein gleichgültiges , zufälliges Gespräch ? « fragte er endlich . » Gleichviel , ich bitte dich , dafür zu sorgen , daß sich das nicht wiederholt . Ihr wollt zwar in der nächsten Woche abreisen , aber Heilsberg ist nahe . Du wirst einsehen , daß ein Mann , der sich offen als meinen Feind bekennt , meiner Braut nicht wieder nahen darf . « » Ich sehe nur , daß du diesen Mann fürchtest ! « sagte Edith kalt . Das grelle , höhnische Auflachen kam wieder von den Lippen Ronalds , aber er gab es auf , die Sache noch ferner als gleichgültig zu behandeln . » Fürchten ? « wiederholte er . » Er soll mich fürchten ! Ich pflege nicht viel Umstände zu machen mit meinen Feinden , und mit diesem Ernst Raimar habe ich noch abzurechnen von früher her . Er verschwand damals völlig aus der Welt , ich wußte gar nicht , wo er überhaupt vegetierte ; wenn er aber jetzt versucht , meinen Weg zu kreuzen – er soll sich hüten ! – Ich zertrete ihn ! « Die letzten Worte klangen halb erstickt , fast wie ein Zischen , und dabei sprühte es auf in seinen Augen – Edith war nicht furchtsam , aber es durchschauerte sie eisig unter diesem Blick . Sie sah den Dämon , von dem er vorhin gesprochen , sich jetzt aufbäumen in dem Manne , dem sie eben ihre Hand zugesagt hatte , jenen Dämon , der ihn emporgetragen , weil er erbarmungslos alles zertrat , was sich ihm in den Weg stellte , sie wußte es jetzt ! Das völlige Verstummen seiner Braut mochte Ronald daran erinnern , wie weit er sich hatte fortreißen lassen . Er nahm seine gewohnte Haltung wieder an und trat zu ihr . » Das erschreckt dich , Kind ? « fragte er halblaut . » Du hast freilich noch keinen Blick gethan in die Tiefen des Lebens , du kennst ihn nicht , den wilden , erbitterten Kampf , wo einer den anderen fortzustoßen sucht von seinem Platze