machen , den ich vermeiden will , und das Warten möchte doch etwas zu lange dauern . Ich ziehe es vor , umzukehren . “ Wilberg wollte das nicht zugeben , er bat und beschwor die gnädige Frau , ihm doch das Glück dieses Ritterdienstes zu gönnen , als er mitten in seiner wohlgesetzten Rede durch ein lautes Krachen unterbrochen wurde . Ulrich hatte sich inzwischen dem Gitter genähert und es mit beiden Händen erfaßt . Er schüttelte die Eisenstangen jetzt mit solcher Gewalt , daß Schloß und Riegel ächzten . Als sie dennoch nicht sofort nachgaben , flog ein zorniges Aufleuchten über die Züge des jungen Arbeiters ; ein energischer Fußtritt brach den letzten Widerstand des allerdings nicht mehr ganz neuen Verschlusses – die Thür sprang auf . „ Um Gotteswillen , Hartmann , was machen Sie denn ! “ rief Wilberg erschrocken . „ Sie verderben ja das ganze Schloß ! Was wird Herr Berkow sagen ! “ Ulrich gab ihm keine Antwort . Er stieß die Thür vollends auf und wandte sich dann ruhig zurück . „ Der Weg ist offen , gnädige Frau . “ Eugenie sah nicht halb so bestürzt aus wie der junge Beamte , als sie den so ungestüm geöffneten Weg betrat ; sie lächelte sogar . „ Ich danke Ihnen , Hartmann , und was das verdorbene Schloß betrifft , Herr Wilberg , so machen Sie sich keine Sorge deswegen , ich übernehme die Verantwortung . Aber da die Thür einmal offen ist – wollen Sie nicht auch den kürzeren Weg durch den Park nehmen ? “ Welch ein Anerbieten ! Herr Wilberg eilte nicht , er stürzte , er flog an die Seite der gnädigen Frau und zermarterte in der Eile sein Gehirn , um nun auch sogleich auf ein möglichst interessantes und geistreiches Gesprächsthema zu stürzen , aber er war gezwungen , zunächst ein sehr prosaisches zu beginnen , da Eugenie den Kopf zurückwandte , wieder mit jenem ernsten , nachsinnenden Blick , der schon einmal vergebens versucht hatte , das widerspruchsvolle und ihr völlig räthselhafte Wesen jenes Mannes zu durchdringen . „ Eine wahre Berserkerkraft hat dieser Hartmann und eine Berserkerwuth dazu ! Zertrümmert er da ohne Weiteres Schloß und Riegel , nur – “ „ Nur um mir einen bequemeren Weg zu bahnen , “ ergänzte Eugenie mit leiser Ironie auf ihren Begleiter blickend . „ Nicht wahr , Herr Wilberg , einer so gewaltsamen Höflichkeit hätten Sie sich nicht schuldig gemacht ? “ Herr Wilberg protestirte eifrig gegen eine solche Zumuthung . Wie die gnädige Frau denn glauben könne , er werde sich so ungestüm an fremdem Eigenthum vergreifen , noch dazu in ihrer [ 90 ] Gegenwart , nimmermehr ! Aber die gnädige Frau hörte dieser Versicherung mit auffallender Zerstreutheit zu , und es gelang ihm während des ganzen Weges nicht , ihre Aufmerksamkeit zu fesseln , so viele Mühe er sich auch damit gab . Hartmann hatte das Gitter wieder angelehnt und war langsam nach dem Hause zurückgekehrt . Vor der Thür desselben aber blieb er stehen und blickte unverwandt nach dem Parke hinüber , in dessen Alleen die beiden Gestalten soeben verschwanden . – „ Ich dächte , Ulrich , wenn Du einmal Nein gesagt hättest , so bliebe es dabei ! “ Der junge Mann wandte sich hastig um und ein finstrer Blick glitt über Martha hin , die an seiner Seite stand . „ Was geht das Dich an ? “ fragte er unfreundlich . „ Mich ? Nichts ! Schau nicht so finster d ’ rein , Ulrich ; Du bist mir böse , weil ich die gnädige Frau an das Tuch erinnert habe , aber es gehört ihr doch nun einmal , und was willst Du denn auch mit dem zarten weißen Dinge anfangen ? Du kannst es ja nicht einmal anrühren , wenn Du von der Arbeit kommst , – angesehen hast Du es freilich genug . “ Es lag ein leiser , aber doch unverkennbarer Hohn in der Stimme des Mädchens , und auch Ulrich mußte ihn herausfühlen , denn er fuhr heftig auf . Laß ’ mich in Ruhe mit Deinem Spotten und Deinem Spioniren ! Ich sage Dir , Martha – “ „ Nun , nun , was giebt es denn da draußen ? Zankt Ihr Euch etwa ? “ tönte die Stimme des Schichtmeisters dazwischen , der jetzt gleichfalls in die Thür trat . Ulrich kehrte sich grollend ab , aber er schien keine Lust zu haben , den Streit fortzusetzen , während Martha , ohne dem Oheim eine Antwort zu geben , an ihm vorüber in ’ s Haus eilte . „ Was hat denn das Mädchen ? “ fragte der Schichtmeister , verwundert ihr nachsehend , „ und was war denn das zwischen Euch beiden ? Hast Du sie wieder einmal rauh angelassen ? “ Ulrich warf sich mit einer trotzigen Bewegung auf die Bank nieder . „ Ich lasse mir nicht vorhalten , was ich thun und lassen soll , am wenigsten von der Martha ! “ „ Nun , die thut Dir doch gewiß nichts zu wehe ! “ meinte der Vater ruhig . „ Mir nicht ? Warum gerade mir ? “ Der Schichtmeister sah seinen Sohn an und zuckte die Achseln . „ Höre Junge , hast Du keine Augen im Kopfe , oder willst Du es nicht wissen ? Freilich , Du hast Dich ja niemals um die Frauenzimmer gekümmert , und da ist ’ s am Ende kein Wunder , wenn Du sie ganz und gar nicht begreifst . “ „ Was soll ich denn begreifen ? “ fragte der junge Mann aufmerksam werdend . Der Vater nahm die Pfeife aus dem Munde und blies eine Rauchwolke vor sich hin . „ Daß Dich die Martha gern hat ! “ erwiderte er lakonisch . „ Die Martha ? Mich ? “ „ Ich glaube wahrhaftig , er hat es noch nicht gewußt ! “ sagte der Schichtmeister