ein Mönch sind ! “ erklärte Lucie , genau den verächtlichen Nachdruck auf das Wort legend , mit dem ihr Bruder es auszusprechen pflegte . Benedict zuckte leise zusammen . Fort war auf einmal der mildere Ausdruck der Züge , der alte Schatten und die alte Feindseligkeit standen wieder drohend dort und auch die Stimme hatte den weichen sympathischen Klang verloren , als er finster fragte : „ Sie verachten wohl die Mönche recht sehr ? “ Lucie fühlte unklar , daß sie mit ihrem Worte irgend eine dunkle Tiefe aufgerissen , die besser verschlossen geblieben wäre , aber sie kämpfte schon wieder gegen die alte Angst an , die sich auf ’ s Neue zu regen begann , und in ihrem Widerstande dagegen ging sie schleunigst in ’ s Extrem über , und reizte nun selbst den Gefürchteten nach Kräften . „ Ich mag sie auch nicht ! “ erklärte sie mit der ganzen Freiheit und der ganzen Unart eines Kindes , „ und ich kann überhaupt nicht begreifen , wie ein Mensch es vermag , sich sein Leben lang im Kloster einzusperren und seine Zeit immer nur mit Beten und Büßen hinzubringen , während draußen die Welt so schön ist ! “ Benedict lächelte wieder , diesmal aber lag eine unendliche Bitterkeit in seinem Lächeln . „ Sie können es auch nicht begreifen , weil Sie in Freiheit erzogen und aufgewachsen sind . Hätte man Sie schon als Kind mit Leib und Seele in die Gewalt der Priester gegeben , so wären Sie auch in ’ s Kloster gegangen . Ich sage Ihnen , Sie hätten es gethan ! “ wiederholte er nachdrücklicher , als sie eine heftige Bewegung machte , „ unter der eisernen Zuchtruthe bricht jeder Trotz [ 72 ] und jede Willenskraft , unter ihr lernt sich Alles , und wenn es auch dem ganzen Wesen des Menschen im tiefsten Innern widerstrebt ! “ Es bebte wie dumpfer , mühsam verhaltener Groll aus diesen Worten , aber Lucie geriet förmlich außer sich darüber . Ihr zu sagen , sie wäre auch in ’ s Kloster gegangen ! Der Mann schien eine ganz eigenthümliche Vorstellung von seiner priesterlichen Gewalt zu haben , am Ende versuchte er noch gar , die „ Zuchtruthe “ auch gegen sie geltend zu machen , sie erwartete nichts Geringeres , als einen vollständigen Bekehrungsversuch . Aber nichts dergleichen erfolgte . „ Wollen Sie mir jetzt mein Eigenthum zurückgeben ? “ fragte Benedict nach einer augenblicklichen Pause wieder vollkommen ruhig . Stumm reichte ihm Lucie das Buch hin , dabei berührte seine Hand einen Moment lang die ihrige , sie zuckte unwillkürlich zurück , er bemerkte es . „ Sie fürchten sich vor mir ? “ fragte er leise . Das junge Mädchen antwortete nicht . Benedict trat rasch einige Schritte zurück , so daß ein weiterer Raum zwischen ihnen blieb ; das eben noch geforderte Buch fiel unbeachtet zu Boden . „ Sie brauchen mich doch wahrlich nicht zu fürchten ! “ sagte er bitter . „ Ich werde selten genug in Ihren Gesichtskreis kommen . Ein so frohes , sinniges Schmetterlingsdasein und meine Bahn , die liegen allzuweit von einander – hoffentlich berühren sie sich nie ! “ Das war doch nun entsetzlich beleidigend und rücksichtslos ! Als ob Lucie diese Begegnung gesucht oder gewünscht hätte , als ob sie sie nicht noch ängstlicher mied als der Herr Pater , der so entschieden hoffte , mit ihr nie wieder in Berührung zu kommen ! Das war ihr allzuviel , sie brach in vollste Heftigkeit aus . „ Ja , das hoffe ich gleichfalls ! Ich weiß ja , daß Sie Alles hassen , was Freude und Sonnenschein heißt , und daß Sie vor allen Dingen mich hassen , ich habe es deutlich genug gesehen ! “ Eine tiefe Gluth überdeckte auf einmal Benedict ’ s Züge , während er den Blick fest auf sie richtete . „ Wo haben Sie das gesehen ? “ „ Vorgestern auf dem Feste des Baron Brankow ! O , und ich nicht allein ! “ Lucie war jetzt einmal im Zuge , und nun fiel es ihr auch nicht ein , sich noch irgend einen Zwang aufzuerlegen . „ Graf Rhaneck hat es auch bemerkt , wie feindselig Sie uns im Tanze beobachteten ; er sagte , Sie sähen aus , als wollten Sie uns Beide in die fernsten Tiefen der Verdammniß schleudern ! “ Die dunkle Gluth lag noch immer heiß auf Benedict ’ s Antlitz , sie schien noch tiefer zu werden bei den letzten Worten , unverwandt blickte er das junge Mädchen an . „ Also auch Graf Rhaneck ! “ sagte er bitter . „ Ja freilich , dessen Beobachtungen sind auf jeden Fall unfehlbar , zumal für Sie ! Sie haben vollkommen Recht , mein Fräulein ! Verabscheuen Sie in mir immerhin den finstern Fanatiker , der Ihnen keine Freude und keine Jugendlust gönnt , hassen Sie ihn nach Kräften – es ist am besten so ! “ Er wandte sich heftig ab ; Lucie stand betreten da , eine solche Antwort hatte sie am wenigsten erwartet . Zwar verstand sie gar nicht die räthselhaften Worte , aber Eines verstand sie doch , den Klang derselben , das tiefe , schneidende Weh , das aus ihnen hervorbrach , und groß und verwundert schaute sie ihn an . Es war ein eigenthümlich ernster und nachdenklicher Blick , wie er nicht oft in diese immer lachenden Kinderaugen trat ; sie hatte auf einmal alle Lust zum fernern Streite verloren . Langsam ließ sie sich wieder auf die moosigen Steine nieder und pflückte einige von den überhängenden Ranken der Waldrebe , die sie fast mechanisch zu einem dichten Gewinde ineinanderschlang ; sie hoffte , Pater Benedict würde sich nun endlich entfernen , aber er blieb , er verharrte unbeweglich auf seinem Platze . Vielleicht empfand der finstere Fanatiker doch in diesem Augenblicke etwas von dem bezaubernden Liebreiz des jungen Wesens , das