– – Aber nicht allein an jenem Abend fütterte er den Schimmel , er tat es fortan immer selbst und ließ kein Auge von dem Tiere ; er wollte zeigen , daß er einen Priesterhandel gemacht habe ; jedenfalls sollte nichts versehen werden . – Und schon nach wenig Wochen hob sich die Haltung des Tieres ; allmählich verschwanden die rauhen Haare ; ein blankes , blaugeapfeltes Fell kam zum Vorschein , und da er es eines Tages auf der Hofstatt umherführte , schritt es schlank auf seinen festen Beinen . Hauke dachte des abenteuerlichen Verkäufers . › Der Kerl war ein Narr oder ein Schuft , der es gestohlen hatte ! ‹ murmelte er bei sich selber . – Bald auch , wenn das Pferd im Stall nur seine Schritte hörte , warf es den Kopf herum und wieherte ihm entgegen ; nun sah er auch , es hatte , was die Araber verlangen , ein fleischlos Angesicht ; draus blitzten ein Paar feurige braune Augen . Dann führte er es aus dem Stall und legte ihm einen leichten Sattel auf ; aber kaum saß er droben , so fuhr dem Tier ein Wiehern wie ein Lustschrei aus der Kehle ; es flog mit ihm davon , die Werfte hinab auf den Weg und dann dem Deiche zu ; doch der Reiter saß fest , und als sie oben waren , ging es ruhiger , leicht , wie tanzend , und warf den Kopf dem Meere zu . Er klopfte und streichelte ihm den blanken Hals , aber es bedurfte dieser Liebkosung schon nicht mehr ; das Pferd schien völlig eins mit seinem Reiter , und nachdem er eine Strecke nordwärts den Deich hinausgeritten war , wandte er es leicht und gelangte wieder an die Hofstatt . Die Knechte standen unten an der Auffahrt und warteten der Rückkunft ihres Wirtes . » So , John « , rief dieser , indem er von seinem Pferde sprang , » nun reite du es in die Fenne zu den andern ; es trägt dich wie in einer Wiege ! « Der Schimmel schüttelte den Kopf und wieherte laut in die sonnige Marschlandschaft hinaus , während ihm der Knecht den Sattel abschnallte und der Junge damit zur Geschirrkammer lief ; dann legte er den Kopf auf seines Herrn Schulter und duldete behaglich dessen Liebkosung . Als aber der Knecht sich jetzt auf seinen Rücken schwingen wollte , sprang er mit einem jähen Satz zur Seite und stand dann wieder unbeweglich , die schönen Augen auf seinen Herrn gerichtet . » Hoho , Iven « , rief dieser , » hat er dir Leids getan ? « und suchte seinem Knecht vom Boden aufzuhelfen . Der rieb sich eifrig an der Hüfte . » Nein , Herr , es geht noch ; aber den Schimmel reit der Teufel ! « » Und ich ! « setzte Hauke lachend hinzu . » So bring ihn am Zügel in die Fenne ! « Und als der Knecht etwas beschämt gehorchte , ließ sich der Schimmel ruhig von ihm führen . – – Einige Abende später standen Knecht und Junge miteinander vor der Stalltür ; hinterm Deiche war das Abendrot erloschen , innerhalb desselben war schon der Koog von tiefer Dämmerung überwallt ; nur selten kam aus der Ferne das Gebrüll eines aufgestörten Rindes oder der Schrei einer Lerche , deren Leben unter dem Überfall eines Wiesels oder einer Wasserratte endete . Der Knecht lehnte gegen den Türpfosten und rauchte aus einer kurzen Pfeife , deren Rauch er schon nicht mehr sehen konnte ; gesprochen hatten er und der Junge noch nicht zusammen . Dem letzteren aber drückte etwas auf die Seele , er wußte nur nicht , wie er dem schweigsamen Knechte ankommen sollte . » Du , Iven ! « sagte er endlich , » weißt du , das Pferdsgeripp auf Jeverssand ! « » Was ist damit ? « frug der Knecht . » Ja , Iven , was ist damit ? Es ist gar nicht mehr da ; weder Tages noch bei Mondschein ; wohl zwanzigmal bin ich auf den Deich hinausgelaufen ! « » Die alten Knochen sind wohl zusammengepoltert ? « sagte Iven und rauchte ruhig weiter . » Aber ich war auch bei Mondschein draußen ; es geht auch drüben nichts auf Jeverssand ! « » Ja « , sagte der Knecht , » sind die Knochen auseinandergefallen , so wird ' s wohl nicht mehr aufstehen können ! « » Mach keinen Spaß , Iven ! Ich weiß jetzt ; ich kann dir sagen , wo es ist ! « Der Knecht drehte sich jäh zu ihm . » Nun , wo ist es denn ? « » Wo ? « wiederholte der Junge nachdrücklich . » Es steht in unserem Stall ; da steht ' s , seit es nicht mehr auf der Hallig ist . Es ist auch nicht umsonst , daß der Wirt es allzeit selber füttert ; ich weiß Bescheid , Iven ! « Der Knecht paffte eine Weile heftig in die Nacht hinaus . » Du bist nicht klug , Carsten « , sagte er dann ; » unser Schimmel ? Wenn je ein Pferd ein lebigs war , so ist es der ! Wie kann so ein Allerweltsjunge wie du in solch Altem-Weiber-Glauben sitzen ! « – – Aber der Junge war nicht zu bekehren : wenn der Teufel in dem Schimmel steckte , warum sollte er dann nicht lebendig sein ? Im Gegenteil , um desto schlimmer ! – Er fuhr jedesmal erschreckt zusammen , wenn er gegen Abend den Stall betrat , in dem auch sommers das Tier mitunter eingestellt wurde , und es dann den feurigen Kopf so jäh nach ihm herumwarf . » Hol ' s der Teufel ! « brummte er dann ; » wir bleiben auch nicht lange mehr zusammen ! « So tat er sich denn heimlich nach einem neuen Dienste um , kündigte und