getaumelt wäre . Mir war ' s bei dieser Schreckenspost , als sprängen des Paradieses Pforten vor mir auf ; aber schon sahe ich am Eingange den Engel mit dem Feuerschwerte stehen , und aus meinem Herzen schrie es wieder : O Hüter , Hüter , war dein Ruf so fern ! – Dieser Tod hätte uns das Leben werden können ; nun war ' s nur ein Entsetzen zu den andern . Ich saß oben auf meiner Kammer . Es wurde Dämmerung , es wurde Nacht ; ich schaute in die ewigen Gestirne , und endlich suchte auch ich mein Lager . Aber die Erquickung des Schlafes ward mir nicht zu Theil . In meinen erregten Sinnen war es mir gar seltsamlich , als sei der Kirchthurm drüben meinem Fenster nah gerückt ; ich fühlte die Glockenschläge durch das Holz der Bettstatt dröhnen , und ich zählete sie alle die ganze Nacht entlang . Doch endlich dämmerte der Morgen . Die Balken an der Decke hingen noch wie Schatten über mir , da sprang ich auf , und ehbevor die erste Lerche aus den Stoppelfeldern stieg , hatte ich allbereits die Stadt im Rücken . Aber so frühe ich auch ausgegangen , ich traf den Prediger schon auf der Schwelle seines Hauses stehen . Er geleitete mich auf den Flur und sagte , daß die Holztafel richtig angelanget , auch meine Staffelei und sonstiges Malergeräth aus dem Küsterhause herübergeschaffet sei . Dann legte er seine Hand auf die Klinke einer Stubenthür . Ich jedoch hielt ihn zurück und sagte : » Wenn es in diesem Zimmer ist , so wollet mir vergönnen , bei meinem schweren Werk allein zu sein ! « » Es wird Euch niemand stören « , entgegnete er und zog die Hand zurück . » Was Ihr zur Stärkung Eueres Leibes bedürfet , werdet Ihr drüben in jenem Zimmer finden . « Er wies auf eine Thür an der anderen Seite des Flures ; dann verließ er mich . Meine Hand lag itzund statt der des Predigers auf der Klinke . Es war todtenstill im Hause ; eine Weile mußte ich mich sammeln , bevor ich öffnete . Es war ein großes , fast leeres Gemach , wohl für den Confirmandenunterricht bestimmt , mit kahlen weißgetünchten Wänden ; die Fenster sahen über öde Felder nach dem fernen Strand hinaus . Inmitten des Zimmers aber stund ein weißes Lager aufgebahret . Auf dem Kissen lag ein bleiches Kinderangesicht ; die Augen zu ; die kleinen Zähne schimmerten gleich Perlen aus den blassen Lippen . Ich fiel an meines Kindes Leiche nieder und sprach ein brünstiglich Gebet . Dann rüstete ich alles , wie es zu der Arbeit nöthig war ; und dann malte ich – rasch , wie man die Todten malen muß , die nicht zum zweitenmal dasselbig Antlitz zeigen . Mitunter wurd ich wie von der andauernden großen Stille aufgeschrecket ; doch wenn ich inne hielt und horchte , so wußte ich bald , es sei nichts da gewesen . Einmal auch war es , als drängen leise Odemzüge an mein Ohr . – Ich trat an das Bette des Todten , aber da ich mich zu dem bleichen Mündlein niederbeugete , berührte nur die Todeskälte meine Wangen . Ich sahe um mich ; es war noch eine Thür im Zimmer ; sie mochte zu einer Schlafkammer führen , vielleicht daß es von dort gekommen war ! Allein so scharf ich lauschte , ich vernahm nichts wieder ; meine eigenen Sinne hatten wohl ein Spiel mit mir getrieben . So setzete ich mich denn wieder , sahe auf den kleinen Leichnam und malete weiter ; und da ich die leeren Händchen ansahe , wie sie auf dem Linnen lagen , so dachte ich : › Ein klein Geschenk doch mußt du deinem Kinde geben ! ‹ Und ich malete auf seinem Bildniß ihm eine weiße Wasserlilie in die Hand , als sei es spielend damit eingeschlafen . Solcher Art Blumen gab es selten in der Gegend hier , und mocht es also ein erwünschet Angebinde sein . Endlich trieb mich der Hunger von der Arbeit auf , mein ermüdeter Leib verlangte Stärkung . Legete sonach den Pinsel und die Palette fort und ging über den Flur nach dem Zimmer , so der Prediger mir angewiesen hatte . Indem ich aber eintrat , wäre ich vor Überraschung bald zurückgewichen ; denn Katharina stund mir gegenüber , zwar in schwarzen Trauerkleidern und doch in all dem Zauberschein , so Glück und Liebe in eines Weibes Antlitz wirken mögen . Ach , ich wußte es nur zu bald ; was ich hier sahe , war nur ihr Bildniß , das ich selber einst gemalet . Auch für dieses war also nicht mehr Raum in ihres Vaters Haus gewesen . – Aber wo war sie selber denn ? Hatte man sie fortgebracht , oder hielt man sie auch hier gefangen ? – Lang , gar lange sahe ich das Bildniß an ; die alte Zeit stieg auf und quälete mein Herz . Endlich , da ich mußte , brach ich einen Bissen Brot und stürzete ein paar Gläser Wein hinab ; dann ging ich zurück zu unserem todten Kinde . Als ich drüben eingetreten und mich an die Arbeit setzen wollte , zeigete es sich , daß in dem kleinen Angesicht die Augenlider um ein weniges sich gehoben hatten . Da bückete ich mich hinab , im Wahne , ich möchte noch einmal meines Kindes Blick gewinnen ; als aber die kalten Augensterne vor mir lagen , überlief mich Grausen ; mir war , als sähe ich die Augen jener Ahne des Geschlechtes , als wollten sie noch hier aus unseres Kindes Leichenantlitz künden : » Mein Fluch hat doch euch beide eingeholet ! « – Aber zugleich – ich hätte es um alle Welt nicht lassen können – umfing ich mit beiden Armen den kleinen blassen Leichnam und hob ihn auf an meine Brust und herzete unter