Meilenstein , dessen Bruchstücke noch die unauslöschlich eingegrabenen Lettern tragen . Bei der Gnade der Mutter Gottes , ich rede die Wahrheit und lüge nicht . Wo aber stand ich , ehrwürdiger Herr , als Ihr mich unterbrochen habt ? « » Bei deinem lasterhaften Abte « , versetzte der Alte noch etwas gereizt . » Zweifelt nicht daran , daß der Kanzler ihn empfohlen hat ! « fuhr Hans mit Feuer fort . » › Mein König ‹ , sagte Herr Thomas , › diesem tierischen Menschen wird es nicht gelingen , die Rechte seines Stuhles als göttliche zu verteidigen . Du wirst sie ihm entreißen – und dann : weg mit ihm ! ‹ Er stieß diese Worte verachtungsvoll von seinen feinen Lippen und fügte hinzu : › Der Unreine wird sich überdies selbst zerstören . Begnügt er sich doch nicht , o Herr , wie deine anderen Bischöfe , Buhlerinnen zu halten , sondern überfällt und verdirbt die unschuldige Jugend . ‹ Ich meine , daß der Kanzler nur jenen landkundigen Sünder im Sinne hatte ; aber unversehens mußte ich an Gnade denken und auch der König bewegte sich unruhig . Doch schnell überwand er die Scham und verwarf diesen Verdacht , wußte er doch , daß Herr Thomas es verschmäht hätte , sein Inneres durch eine Anspielung zu enthüllen . In der hellen Laune eines Freigebigen , der im Begriffe steht , ein großes Geschenk zu machen , und mit freudestrahlenden Augen fuhr der König fort : › Wohin denkst du , Thomas ? Diesen Stuhl , worin zwei Heilige und Gelehrte gesessen haben , von denen der eine , der selige Lanfranc , den die Wandlung leugnenden Ketzer Berengar besiegt , der andere , St. Anselm , einen triumphierenden Beweis für das Dasein Gottes geführt hat , diesen Stuhl sollte ich mit einem Schweine besetzen ? Das bleibe ferne von meinem königlichen Willen ! ‹ Und mein Herr und König freute sich seines Wissens . In der Miene des Kanzlers war die vorwurfsvolle Frage zu lesen , ob ihm Herr Heinrich durch eine plötzliche Laune lang erwogene Pläne durchkreuzen werde . Der König ergriff seinen Becher und leerte ihn fröhlich . › Ich will meinen Pfaffen einen Primas setzen , darob sie sich wundern werden , einen Mann von vornehmer und unbefleckter Sitte , einen spitzfindigen Philosophen und dazu einen mir ergebenen Mann und geborenen Gegner des päpstlichen Wesens . ‹ Herr Thomas aber erwiderte mit einem ungläubigen Lächeln : › Ich lasse meine Blicke , o Herr , durch deinen Klerus wandern , aber sie suchen deinen Erwählten vergebens . ‹ › Du errätst nicht ? ‹ drängte der König , › ich will dir zu Hilfe kommen ! ich sage dir , wahrlich keiner wird auf dem Stuhle des Primas sitzen als du ! ‹ Der Kanzler blieb ruhig , aber im allmählichen Erblassen wich jede Farbe aus seinem Antlitz . Er lehnte sich in seinen Sessel zurück . Dann wendete er , den Anblick des Königs vermeidend , seine dunkeln Augen seitwärts zu mir . Mit zwei Fingern seiner lässig herabhangenden Rechten hob er eine Falte seines Purpurgewandes langsam in die Höhe , so daß die zurückgebogenen Schnäbel seiner köstlichen Schuhe sichtbar wurden . › Bogner ‹ , scherzte er und streifte mit einem verächtlichen Blicke seine von Edelsteinen schimmernde Kleidung , › beschaue dir einmal den heiligen Mann ! ... Diesen Täufer Hans , der die weichen Kleider verschmäht , die man an den Höfen der Könige trägt – betrachte dir diesen guten Hirten , der das verirrte Lamm auf den Schultern heimholt und sein Leben läßt für die Herde . ‹ Der König stieß ein grelles Gelächter aus – mir aber ward übel dabei zumute . Inzwischen hatte sich der Kanzler mit kaltem Angesichte gegen den König gewendet . › Hoheit ‹ , sagte er , › diese Wahl ist nicht dein Ernst . Sie ist eine unmögliche in den Augen deiner Bischöfe , deiner Normannen und deiner Sachsen . – Soll der englische Klerus , als seinem Vater , einem geschmeidigen Höfling gehorchen , weil dieser einmal in seiner Jugend durch Zufall , oder um eines Vorteils willen die erste Weihe empfangen hat – soll ein Sachse die Seelen deiner Normannen , oder ein Abtrünniger – wie sie ihn nennen – die Seelen deiner Sachsen weiden ? Herr , dein Kanzler widerrät dir diese schlechte Wahl . ‹ › Sie ist die vortrefflichste ‹ , behauptete Herr Heinrich hartnäckig . – › Du auf dem Stuhl von Canterbury , und der Thron St. Petri kracht in seinen Fugen ; du unter der Mitra , und dem Heiligen Vater wackelt die seinige auf dem Kopfe ! Schach und Schachmatt ! ‹ › Ich weiß nicht , Herr ‹ , fuhr der Kanzler mit ernsthaftem Spotte fort , › ob du je von jenen plötzlichen Wandlungen gehört hast , die mit einem Menschen vorgehen können , der sein Kleid wechselt und geistliches Gewand anzieht . Es ist kein Geringes , den Hirtenstab zu ergreifen , den zwei jetzt in der Glorie Stehende in den Händen getragen haben : der selige Lanfranc , der die Frucht der Ähre und des Weinstockes als den Leib und das Blut Gottes erkannte , und der heilige Anselm , der den Unergründlichen ergründete . Wenn ich nun durch ein Wunder zu einem wahren Bischof würde ? Das käme dir unerwartet und ungelegen ! ‹ › Thomas , zügle deine Zunge ! ‹ drohte ihm der König mit dem Finger , › ich leide keinen Spott über heilige Dinge ! Wohl ist es schon lange , daß ich anfange dich zu durchblicken . Du hast arabische Philosophie eingesogen – du folgst einer Geheimlehre und bist kein demütiger Christ ; ich aber will als ein solcher leben und sterben ! ‹ › Du kannst nicht glauben , o König ‹ , antwortete Herr Thomas traurig und deutete auf seine Brust , › daß auf diesen abgestorbenen Baum noch