, Du Gebenedeite ; das ist Dein ‚ Bäumlein rüttle Dich , wirf Gold und Silber über mich ! ‘ “ sagte er , und seine Hand glitt förmlich liebkosend über das kalte Metall . „ Alles , was Dein Großvater an Haus und Hof , an Wald und Feld besessen hat , da drin liegt es , in Papier verwandelt . Diese Papiere arbeiten bienenfleißig Tag und Nacht für Dich . Sie ziehen unglaubliche Geldströme aus der Welt in diesen stillen Winkel . … Der Schloßmüller hat seine Zeit wohl begriffen – das beweist sein Testament ; aber wie fabelhaft seine Hinterlassenschaft in der Form anwachsen wird , das hat er schwerlich geahnt . “ „ Sonach bist Du auf dem besten Wege , die erste Partie im Lande zu werden , Käthe – kannst wie im Märchen zu Deinem Hochzeitsmahl den Speisesaal mit harten Thalern pflastern lassen , “ rief Flora herüber ; sie lehnte wieder zwischen den Polstern des Ruhebettes und hatte ein Buch in die Hand genommen . „ Schade um das Geld ! Schau , Du mußt nicht böse sein , Kind , aber ich fürchte , Du bist moralisch allzu viel gedrillt worden , um mit Geist Deinen Goldregen vor der Welt funkeln zu lassen . “ „ Das wollen wir abwarten , “ lachte das junge Mädchen . Einstweilen habe ich noch kein Recht , eigenmächtig auch nur einen Thaler da herauszunehmen , “ sie zeigte auf den Schrank ; „ aber in Bezug auf die Schloßmühle möchte ich , wenn auch nur für einen Tag , majorenn sein , Moritz . “ „ Ist sie Dir unbequem , schöne Müllerin ? “ „ Meine Mühle ? So wenig unbequem wie mein junges Leben , Moritz . Aber ich war gestern im Mühlengarten – er ist so groß , daß Franz die an die Chaussee stoßende Hälfte aus Mangel an Zeit und pflegenden Händen vernachlässigen muß . Er will Dir den Vorschlag machen , das Stück zu verkaufen ; es gäbe prächtige Bauplätze zu Villen und würde gut bezahlt werden , meint er , ich aber finde , daß die Landhäuser ganz gut auch wo anders stehen können , und möchte das Grundstück lieber Deinen Leuten geben , die gern in der Nähe der Spinnerei bauen wollen . “ „ Ach – verschenken , Käthe ? “ „ Fällt mir nicht ein . Du brauchst gar nicht so spöttisch mitleidig zu lächeln , Moritz . Ich werde mich wohl in der Villa Baumgarten mit ‚ Sentimentalität und Ueberspanntheit ‘ blamieren ! … Uebrigens wollen ja die Leute auch gar kein Geschenk oder Almosen , wie Doktor Bruck sagt – “ „ Ei , ‚ wie Doktor Bruck sagt ‘ ? Ist der auch schon Dein Orakel ? “ rief Flora , aus den Kissen emporschnellend – sie fixierte über das Buch hinweg scharf , mit einem räthselhaft wechselnden Ausdrucke das Gesicht der Schwester ; es erröthete allerdings für einen Augenblick tiefer , aber die Augen erwiderten den blinzelnden Blick fest , mit kaltem Ernste . „ Ich weiß auch , welchen Werth das Selbsterworbene hat – was ich mir selbst erringen kann , ziehe ich dem bestgemeinten Geschenke weit vor , “ fuhr sie fort , ohne auf Flora ’ s Einwurf zu antworten ; „ und schon aus dem Grunde sollen die Leute zahlen , genau das zahlen , was sie für Deinen Grund und Boden geben wollten . “ „ Da machst Du ja brillante Geschäfte , Käthe , “ lachte der Kommerzienrat . „ Mein steriles Stück Uferland wäre schon mit der Summe , die darauf geboten worden ist , schlecht genug bezahlt gewesen – nun gar der prächtige Gartenboden neben der Mühle ! … Nein , Kind , so gern ich auch möchte – mein vormundschaftliches Gewissen gestattet mir nicht , Dich auch nur für eine Stunde majorenn sein zu lassen . “ „ Nun , da mögen sich die Baulustigen einstweilen behelfen , wie sie können , “ sagte sie weder überrascht , noch ärgerlich . „ Ich weiß , ich werde in drei Jahren darüber noch genau so denken , wie heute , dann aber kann es sich schon ereignen , daß ich auch noch den dummen Streich mache , den Leuten das Baugeld ohne Prozente vorzustrecken . “ Sie grüßte ruhig lächelnd und ging hinaus . 7. Langsam stieg sie die gewundene Treppe hinab , die zur oberen Hälfte das Mauerwerk so schmal durchschnitt , daß sich wohl nur der Schemen der wandelnden Ahnfrau an dem Herabsteigenden vorbeizudrücken vermochte . … Die arme Ahnfrau , hier hatte sie nichts mehr zu suchen , hier war sie verscheucht , und wenn auch der neugebackene Edelmann sie kraft seiner Besitzrechte reclamierte , wenn er auch , um der Auszeichnung willen , daß die gespenstige weiße Frau sich um sein Wohl und Wehe kümmere , noch einmal so tief in seinen strotzenden Geldsäckel griff , als ihm bereits der Adel gekostet . Drunten hing es an den Wänden , das Rüstzeug ihres ritterlichen Geschlechts , die Waffen , mit denen die alten Recken um Ehre und Schande , um Gut und Blut gekämpft ; die hatte sie allnächtlich mit vorübergleitenden Händen gefeit und doppelt gesegnet , je mehr Beulen und Scharten und unheimliche dunkle Flecken feindlichen Blutes sie aufwiesen . Jetzt funkelten und gleißten sie feiernd am Nagel , und das Rüstzeug des neuen Geschlechts im alten Turme waren – die modernen Geldschränke . Ja , das seltsam fremdartige Element , das drüben in der Villa durch alle intimen Familiengespräche zitterte – das Geldfieber , der Spekulationsgeist – es war auch hierher in das ernsthaft kopierte Ritterwesen verschleppt worden . Es wehte in der Luft ; es schlich treppab , treppauf , und dort die mächtigen , Jahrhunderte alten Humpen auf den Credenztischen der Halle , sie waren eine Ironie in den weichen Händen der Couponschneider , wie die riesenhaften , neuaufgefrischten Riegel und Vorlegeschlösser in grotesker Lächerlichkeit die