man ' s nicht so genau ; da kommt ' s nur drauf an , daß man für seine paar Pfennige auch einen Dank hat – und dem Jungen sein ganzes Herz hängt ja an dem Papier ... Dem Kutscher Martin seinen Kindern habe ich einen ganzen Tisch voll Kram beschert , und da hat kein Mensch etwas Unrechtes drin gefunden ... Ich kümmere mich das ganze Jahr nicht drum , ob der Gabriel malt oder schreibt – das ist ja nicht meine Sache , und ich versteh ' s auch nicht ; aber ich hab ' mir gedacht : › I nun , wenn er auch einmal eine Muttergottes hinmalt , das kann doch keine Sünde sein ‹ . « Der Hofmarschall maß sie mit einem lange , tiefmißtrauischen Blick . » Ich weiß nicht , spricht eine grenzenlose Dummheit aus Ihnen , oder – sind Sie gerieben schlau , « sagte er mit langsamer Betonung . Frau Löhn hielt den Blick unbefangen aus . » Du lieber Gott – ein Schlaukopf bin ich mein Lebtag nicht gewesen – wird ' s ja wohl die Dummheit sein , gnädiger Herr . « » Nun , dann bitte ich mir ' s aus , daß Sie künftig am Weihnachtsabend Ihre dummen Streiche unterlassen . Behalten Sie Ihre paar Pfennige in der Tasche für die Tage , wo Sie nicht mehr dienen und arbeiten können ! « schalt er und schlug heftig mit dem Stock auf das Parkett . » Der Junge soll nicht zeichnen , absolut nicht – es zerstreut ihn ... Ist das eine Muttergottes ? « zürnte er und hielt ihr das Bruchstück eines korrekt gezeichneten , im Sprung begriffenen Löwen hin . » Ich sag ' s ja , der Mosje treibt Allotria da drüben , und Sie sind borniert genug , ihn darin auch noch zu unterstützen ... Antworte ! « herrschte er dem Knaben zu . » Was wird dein Beruf sein ? « » Ich werde in ein Kloster gehen , « lautete der leise gegebene Bescheid . » Und weshalb ? « » Ich soll für meine Mutter beten , « sagte der Knabe – jetzt brachen Thränen unter den tiefgesenkten Lidern hervor . » Recht – du sollst für deine Mutter beten – dazu bist du geboren , dazu hat dich Gott auf die Welt geschickte ... Und wenn du dir die Kniee wund rutschest und Tag und Nacht Gottes Barmherzigkeit anrufst – du kannst nie genug thun . Das weißt du , das hat dir der Herr Hofprediger unzählige Male wiederholt – und doch hängst du deine Seele an weltliche Dinge und legst gar deine streng verbotenen Sudeleien in das Gebetbuch – schäme dich – du bist ein miserabler Junge ! ... Marsch , hinaus mit dir ! « Die geschmeidige Gestalt des Knaben verschwand hinter der Thür wie ein Schatten . » Löhn , Sie werden drüben das Weihnachtspapier zusammensuchen und mir bringen ! « sagte der Hofmarschall . » Zu Befehl , gnädiger Herr , « versetzte die Beschließerin und strich mit der Hand sorgsam glättend über die steife Schürze – diese Hand war ein wenig unsicher , sonst aber behielt die Frau ihre ernsthafte Miene und verließ nach einer unbeholfenen Verbeugung das Zimmer . » Der Großpapa ist aber auch zu schlimm heute , « murrte Leo leise nach der Gouvernante hin . Sie legte ihm erschrocken die Hand auf den Mund . Erbost schleuderte er sie weg , schlug nach ihr und rieb sich in sehr unartiger Weise mit dem Aermel die Lippen ab . » Sie sollen mir nicht in das Gesicht kommen mit Ihrer kalten Hand – ich kann ' s nicht leiden , « brummte er grob . Vergebens wartete Liane auf einen Verweis von seiten des Hofmarschalls – er sah abgewendet in das Kaminfeuer , als habe er den derben Schlag auf die Hand der Erzieherin nicht gehört . » Du bist ein sehr unartiges Kind und verdienst Strafen , Leo , « sagte die junge Frau endlich streng . » O bitte , das ist ja nicht so böse gemeint , « lispelte die Gouvernante , indem sie dem Knaben die Frühstücksserviette umband . » Wir vertragen uns im allgemeinen sehr gut – nicht wahr , Leo , mein Liebling ? « » Mit diesen Maximen werden Sie nicht weit kommen , Fräulein Berger , « versetzte die junge Frau . » Und für das Kind selbst ist eine solche Behandlungsweise – « » Bitte , ich handle nach höherer Instruktion , « unterbrach sie die Gouvernante schnippisch mit einem Seitenblicke nach dem Hofmarschall , » und werde mich stets zu beeifern wissen , nach dieser Richtung hin Beifall zu erringen . – Niemand kann zweien Herren dienen und – « » Wollen Sie mich nicht ausreden lassen , mein Fräulein ? « schnitt Liane gelassen , aber mit einer so vornehmen Gebärde den Redefluß ab , daß die Erzieherin schwieg und die Augen niederschlug . » Erlauben Sie dagegen mir , daß ich Sie unterbreche , meine Gnädigste , « rief der alte Herr herüber . Er hatte sich nachlässig in seinen Stuhl zurückgelehnt und stippte die ausgespreizten Finger spielend gegeneinander – ein abscheulich impertinentes Lächeln schwebte um seine Lippen . » Sie waren gestern eine imposante und doch mädchenhaft reizende Braut – ich kann Ihnen versichern , daß Sie mir weit besser gefielen , als heute in dieser angenommenen Mutterwürde ; die weise Miene steht Ihrem jungen Gesicht schlecht ... Sagen Sie , woher haben Sie die Neigung , sich in die Kindererziehung zu mischen ? Von der erlauchten Mama ganz gewiß nicht – die kenne ich . « Er sagte das alles lächelnd , scherzend , wobei er unablässig das Spiel mit den Händen fortsetzte und , den Kopf an die Lehne zurückgelegt , sein schöngehaltenes , schneeweißes Gebiß zeigte . » Ah – Sie haben vielleicht in der Pension den › Emile ‹ von Rousseau , seligen Angedenkens