gerad ' in dem stillen gleichgültigen Nebeneinander , in dem unterdrückten Schmerz - da liegt das Elend ! “ Und wieder zog er sie an sich . „ Aenne “ , sagte er leise und innig . Und ihr war es , als drehte sich alles um sie in rasendem Wirbel , sie fühlte nichts als ihre eigene ungeheure Schuld diesem Manne gegenüber , wenn sie jetzt schwieg - und sie konnte nicht reden ! Sie hatte Liebe verleugnen können , Liebe heucheln diesem gegenüber – nie ! „ Ich muß dir etwas sagen “ , rief sie , angstvoll sich an ihn schmiegend , „ ich muß - “ Und dann brach sie in ein leidenschaftliches thränenloses Schluchzen aus und blieb dennoch stumm . In diesem Augenblicke wurde die Thür geöffnet und Lampenschimmer fiel herein . Frau Rat und Fräulein Stübken sahen nur noch , daß der Oberförster seine Braut im Arme hielt , ihr Weinen war jäh vorüber . „ Wir müssen wohl heim , “ sagte die Mutter freundlich , während Fräulein Stübken , die die Lampe auf den Tisch gestellt hatte , das Zimmer verließ . „ Einen Augenblick setze ich mich noch ; natürlich , lieber Hermann , ist ’ s Zeit , ich will Ihnen die Ruhe nicht nehmen . Dies ist auch ein nettes Zimmer , “ fuhr sie fort , Aenne Zeit lassend , sich zu sammeln , ohne im mindesten Neugier zu verraten „ und das da ist wohl Ihre liebe selige Frau ? “ erkundigte sie sich leise und deutete auf ein Bild über dem Schreibtisch , eine Photographie in schwarzem runden Holzrahmen . Er schüttelte verneinend den Kopf . „ Nein , das ist ein früh verstorbener Bruder von mir , der Theologie studierte . “ „ In Ihrem Zimmer kein Bild der Verstorbenen ? “ stotterte Frau Rat . „ I Spaß , da ist ’ s ja ! “ Und nun erhob sie sich und schritt zu dem Tischchen hinüber , auf welchem eine Wasserflasche stand , ein Leuchter und Zündhölzchen . Aber als sie die Lorgnette nahm , um es zu betrachten , war es nur ein schon gedruckter Spruch : Selig das Haus , das in Liebe gebaut ! und darunter : l. Korinther 13. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen . „ Ein schöner Spruch , nicht wahr ? “ rief er heiter . „ Ich denke , er soll so recht extra für uns erdacht sein , und behaglich wollen wir es uns machen in dem alten Bau ! Sie haben freie Hand , liebe Mutter , können schalten und walten wie Sie wollen , denn ich werde selten daheim sein in der nächsten Zeit . Wenn der Herzog kommt , so ist - - “ „ Kommt Hoheit ? “ unterbrach die Rätin neugierig , „ ich meinte , er wolle in diesem Jahr Breitenfels nicht beehren ? “ „ Uebermorgen ist er da . “ „ Mit großem Gefolge ? “ „ Nur Jagdgäste , die Herzogin ist nach dem Süden gereist . “ „ Ohne Theater ? “ „ Ei bewahre ! Das hielte Hoheit nicht aus . Diesmal ist ’ s das Opernpersonal , das er mitbringt . Da soll mein kleiner Schatz ordentlich Musik hören , mein Sitz steht dir immer zur Verfügung . Woher ich das weiß ? Ich erfuhr das alles aus [ 076 ] einem Briefe vom Jagdjunker Zerban . - Mit dem ‚ Freischütz ‘ fangen sie an . “ Man war unter diesen Gesprächen aus der Oberförsterei hinaus und bis an die Maysche Thür gelangt . „ Ich sage dir noch gute Nacht , Aenne , “ flüsterte er , „ aber ich muß erst mit den Kindern essen . “ Dann trennten sie sich . Am späten Abend noch , als der Medizinalrat und Tante Emilie schon die Ruhe gesucht hatten und Aenne sich auch von der Mutter zu trennen im Begriff war , die im Zimmer noch allerlei zu ordnen und zu kramen hatte , fragte das Mädchen beim Gutenachtkuß , stockend und die Farbe wechselnd . „ Mama , weißt du nicht , ob Günther mit seiner ersten Frau zufrieden lebte ? “ Die Rätin schob die Brille auf die Stirn und sah ihre Tochter groß an . „ Du willst wohl gar auf eine Gestorbene eifersüchtig werden ? “ rief sie . „ Fange doch solchen Unsinn gar nicht erst an , Kind ! “ „ Eifersüchtig , Mama , nein ! Mir ist nur , als ob ich ’ mal gehört hätte , es sei da nicht so ein strahlendes Glück gewesen . “ „ Strahlendes Glück ! Kleines Schaf , wie stellst du dir denn eigentlich die Ehe vor ? So viel ich weiß , sind die Leute rechtschaffen miteinander ausgekommen . Glück ? Was heißt denn Glück ? - Zu dummes Zeug ! “ „ Ich habe mich noch immer nicht richtig ausgedrückt , Mama - Ob sie sich lieb hatten , meinte ich . “ „ Na , Gott - natürlich ! Oder meinst du , ein Mann weint so bitterlich wie er über die Frau im Sarge , wenn sie ihm gleichgültig war ? “ „ Das könnte am Ende Reue gewesen sein , “ bemerkte Aenne nachdenklich . „ Worüber Reue ? Etwa darüber , daß er Geduld mit ihr hatte , als sie an der Schwindsucht zu kränkeln begann , lange Geduld ? Daß er sie drei Monate hindurch Tag und Nacht auf dem Siechbette gepflegt hat wie eine Diakonissin , und daß er das Mariechen , bei dem ihr Leben schließlich erlosch , aufzog wie eine Kinderfrau ? Ich meine , der hat wahrlich nichts zu bereuen ! Wie kommst du auf solchen Schnack , Aenne ? “ „ Geduld hat er mit ihr gehabt , Mama ? “ wiederholte das Mädchen langsam . „ Glaubst du , er würde auch mit mir Geduld haben ? “ „ Wollen