machten soviel Schwierigkeiten . Wie oft , wenn ich eben angefangen hatte zu schreiben und mich unbemerkt glaubte , hörte ich Hannas jetzt so müden , schwachen Tritt im Vorzimmer , und schnell verschwand Feder und Papier in meiner Kommode . Einmal hätte mich sogar Frau v. Bendeleben beinahe überrascht . Mein Gott , wie erschrak ich . Zum Glück war es kurz vor ihrem Geburtstage , und sie tat , als ob sie nichts bemerkte , daß ich so eilig etwas vor ihr verbarg . Doch trotz aller Störungen und Hindernisse war ich imstande , ziemlich regelmäßig meine Briefe der Anne Marie zu bringen . Zweimal in der Woche kam Wilhelms Bursche , der treueste Mensch auf der Welt , und wie ein Bauer gekleidet holte und brachte er Briefe . Mein Vater schrieb aus Italien ganz begeistert über alles Schöne , was er dort sah . Von seinem Zurückkommen war poch keine Rede . Die Briefe kamen auch nicht oft , aber sie machten mir doch allemal eine große Freude , und ich brachte sie immer gleich der Kathrin . Die gute Seele schmiedete Pläne , wie schön es sein würde , wenn der Herr Pastor erst wieder da wäre und Gretchen hier unten in der Wohnstube am Fenster säße . Ich stand dabei und lächelte . Es war mir beinahe wehmütig , aber ich wollte ja mit ihm ziehen ! Armer Vater ! Dein Gretchen kommt nun doch nicht wieder in dein Haus , oder nur für kurze Zeit , um dann für immer zu gehen . Aber ich wußte , es machte ihn sehr glücklich , daß er sein Kind so wohl geborgen sah . Oh , wenn doch die Zeit Flügel hätte ! Der Oktober war herangekommen und hatte das Laub in Park und Wald bunt gefärbt . Die Ranken des wilden Weines hingen dunkelrot von dem Gitter der Veranda herunter , ein feiner Nebel hüllte die ganze Gegend ein . Welke Blätter bedeckten die große Allee , und die Dorfkinder suchten sich verstohlen die braunen , blanken Kastanien auf . Hanna und ich waren spazieren gewesen am Nachmittage , nur im Park , denn sie fühlte sich immer so müde und hatte sich heute ganz besonders fest auf mich gestützt . Das arme Ding hatte Tränen in den Augen . » Mich macht der Herbst diesmal so traurig , Gretel « , sagte sie , als ich , um ihr eine Freude zu machen , einen Ebereschenzweig mit purpurroten Beeren abpflückte . » Es ist in mir ebenso trübe , wie hier in der Natur . « » Mein liebes Herz « , bat ich , » hoffe doch ! Auf Regen folgt Sonnenschein . Du wirst ganz gewiß noch einmal wieder lachen und froh sein . « Sie schüttelte traurig das Köpfchen . » Ach , Gretchen , wenn ich noch daran denke , wie ich diesen Weg zuletzt an seiner Seite heraufritt , wie malte ich mir die kommende Zeit aus , und – « Dann verstummte sie und blickte mit immer größer werdenden Augen den Weg entlang . Ich folgte ihrem Blicke und sah einen Reiter rasch herankommen . Ach , er war es ; ich erkannte den dunkelroten Kragen . Beinahe hätte ich vor Entzücken alle seine Warnungen vergessen und wäre ihm entgegengelaufen – da gab mir Hannas schmerzlicher Ausruf : » Es ist nur Vetter Wilhelm ! « meine Besinnung zurück . Er hatte uns schon erblickt , und im nächsten Moment hielt er neben uns , sprang vom Pferde und bot seiner Cousine die Hand , wahrend mich ein leuchtender Blick streifte . » Komme ich auch nicht ungelegen , Hanna ? Es ist mitunter so langweilig bei uns und überhaupt wohl Zeit , einmal zu sehen , wie es euch ergeht . « Hanna antwortete nicht . Sie hätte , glaube ich , nichts sagen können , ohne in Tränen auszubrechen . Traurig sah Wilhelm seine Cousine an , schweigend schritten wir dem Schlosse zu , weder er noch ich wagten durch ein verstohlenes Zeichen unsere Freude des Wiedersehens auszudrücken . Wir ehrten den Schmerz des lieben Mädchens . Der Baron freute sich augenscheinlich , den Neffen zu sehen . Frau v. Bendeleben begrüßte ihn mit ihrem verbindlichsten Lächeln , das sie für alle mit ihr auf einer Stufe stehenden Menschen bereit hielt . Hanna hatte sich bei der Begrüßungsszene , die in der Halle stattfand , gar nicht aufgehalten , sondern war die Treppe hinauf geschritten . Ich folgte ihr und hörte nur noch , wie Wilhelm sagte : » Aber um Gottes willen , Onkel , was ist aus Hanna geworden ? « Oben in unserem Zimmer legte das arme Kind ihren Kopf an meine Schulter und schluchzte , als ob ihr das Herz brechen wollte . » Ach , ich habe mich so erschrocken , als ich die Uniform sah « , sagte sie . » An Wilhelm dachte ich gar nicht . « Ich blieb den Rest des Nachmittags oben bei ihr , wie alle Tage . Es wurde mir schwer , aber erstens wollte ich sie nicht allein lassen , und dann wäre es doch aufgefallen , wenn ich heute hinunterging . Mit kaum zu bemeisternder Ungeduld wartete ich auf den Diener , der uns zum Abendessen rufen sollte . Hanna hatte endlich aufgehört zu weinen , meinem Zureden und tausend kleinen Aufmerksamkeiten war es gelungen , sie zu überreden mit hinunterzukommen . Sie kühlte sich die roten Augen mit kaltem Wasser , und endlich , endlich tönte die Stimme Johanns : » Es ist serviert ! « Man befand sich schon im Speisesaal , als wir eintraten . Meine Augen suchten ihn . Da stand er im eifrigen Gespräch mit dem Hausherrn , das Lampenlicht glänzte auf seinem braunen , krausen Haar und spiegelte sich in den Knöpfen seiner Uniform . Ein Aufleuchten der geliebten dunklen Augen sagte mir , daß auch ihm die Zeit lang geworden sei , als mir