ist ein Jung und weiter nichts . Und daß er sie liebhat , ist mir recht . Ich habe sie auch lieb , und du hast sie wenigstens lieb-gehabt . Aber du bist eine herrschsüchtige Person , und von dem Tag an ... « , er stockte , weil ihm plötzlich wieder das Bild von der Heide her vor die Seele trat und ihn verwirrte , » ... ja , von dem Tag an , wo wir den Diskurs über die Hilde hatten , hast du sie gequält und beredt und hast sie ' s entgelten lassen , daß ich damals gesagt habe : › Wir wollen es ändern , und so soll es sein . ‹ Aber du bringst sie bei mir nicht heraus . Und das mit dem Martin ist Kinderei . « » Bruder und Schwester ! « lachte sein unerbittlicher Gegenpart und zeigte die großen weißen Zähne . Von drüben her aber gingen jetzt die Glocken , und das Gespräch brach ab , weil jeder sich noch für den Kirchgang zurechtzumachen hatte . Grissel half dem Alten in seinen Festrock und gab ihm Gesangbuch und gebügelten Hut . Und nun ging er vorauf , über Brück und Weg , dann an der Kirchhofsmauer entlang , und vermied es , sich nach den Kindern umzusehen , die zwischen dem Stachelginster in einiger Entfernung folgten . Er wollte sich in seine Ruhe und Zuversicht wieder hineinleben . Und mit diesem Entschluß trat er in die Kirche . Sörgel hatte seinen guten Tag heut und sprach eindringlich und aus der Fülle des Erlebten . Und des Heidereiters große Augen waren auch wirklich unablässig nach der Kanzel hin gerichtet , und wer ihn so beobachtete , hätte glauben müssen , er verschlänge jedes Wort . Aber es war eine Täuschung ; seine Seele war wie geschlossen , und er hörte nichts von dem , was der Alte sprach . 11. Kapitel . Der Heidereiter horcht Elftes Kapitel Der Heidereiter horcht In der Kirche war es ihm nicht geglückt . Aber Baltzer Bocholt war eine willensstarke Natur , und weil er ' s bezwingen wollte , so bezwang er ' s auch , und um so rascher , als er trotz allem Aufmerken nichts sah , was dem von Grissel hingeworfenen Verdachte Nahrung gegeben hätte . Martin und Hilde sprachen unbefangen miteinander , und wenn er sie zufällig im Hof oder Garten traf oder bei Tisch einen eindringenden Blick auf sie richtete , so sah er wohl jenen Anflug von Scheu , den zu sehen er gewohnt war , aber kein Verlegenwerden und kein Erröten . Grissel hatte mal wieder überscharf gesehen und mehr gesagt , als sie verantworten konnte . Das war alles . So verging die halbe Woche bis Freitag , wo regelmäßig oben auf dem Schloß die Beamten und Verwalter ihren Rapport zu machen hatten . Das war schon zu des Grafen Zeiten so gewesen , und die Gräfin hatte nichts daran geändert . Immer um zehn begann es , und mit dem Glockenschlage zwölf wurde geschlossen . Was bis dahin nicht erledigt war , blieb für das nächste Mal . So war denn jeder im Hause daran gewöhnt , den Heidereiter nicht vor ein Uhr zurückkommen zu sehen , oft aber später , weil unmittelbar nach dem Rapport noch ein Imbiß genommen und ein vertraulicher Diskurs geführt wurde , der oft besser war als Hin- und Herschreiben und Botenläuferei . Martin und Hilde hatten auch diesmal wieder dem Freitage mit Sehnsucht entgegengesehen , weil er sie , wenigstens solange der Vortrag oben dauerte , vor dem Erscheinen des Vaters sicherstellte . Jeden anderen Tag entbehrten sie dieses Gefühls der Sicherheit vor ihm , mußten es entbehren , denn wenn er auch weit in den Wald hinaus war , er konnte sich anders besonnen haben , war plötzlich wieder da und stand zwischen ihnen , als wär er aus der Erde gewachsen . An all das war aber heute nicht zu denken , und da Grissel außerdem noch im Küchengarten zu tun hatte , wo sie gemeinschaftlich mit Joost die Saatbohnen abnahm , so saßen die Geschwister auf ihrem Lieblingsplatz in Front des Hauses und blickten auf den Bach , der heute brausender und schäumender als gewöhnlich über die großen Steine hinschoß . Denn die letzten Tage waren Regentage gewesen . Aber seit gestern war alles wieder hell und heiter , und ein paar gelbe Schmetterlinge , die der verspätete Sommertag aus ihrem Schlupfwinkel hervorgelockt hatte , haschten sich in der sonnigen Luft . Und um der Sonne willen standen auch im Hause selbst alle Türen und Fenster offen , und nur in des Heidereiters Stube , die gerade hinter ihnen , aber um ein paar Stufen höher lag , waren die Vorhänge bis auf einen handbreiten Streifen , durch den die Luft zog , heruntergelassen . Nun schlug es drüben vom Schloß her , und Martin und Hilde zählten die Schläge . » Elf « , sagte Martin . » Eine Stunde noch , und es ist wieder vorbei ; dann kann er jeden Augenblick wieder dasein . Und ein Glück noch , daß wir ihn kommen sehen . Er muß über die lichte Stelle weg , dicht neben der Kiesgrube , wo der alte Rennecke seine Geiß eingehürdet hat . Siehst du ? Da . Und der blanke Beschlag an seinem Hut ist auch ein Glück und blitzt beinah wie der Wetterhahn oben . « Und Hilde , die während dieser Worte die Hand an ihre Stirn gelegt hatte , blickte nun auch auf den Punkt hin , auf den Martin immer noch mit dem Finger wies , und beide gewahrten im Hinübersehen in der Tat nichts als den eingehürdeten Grasplatz und die Geiß , die hin und her sprang , und die Lichter und Schatten , die miteinander spielten . Aber hätten sie fünf Minuten früher ihren Blick ebenso scharf auf die Lichtung drüben gerichtet , so würden sie den blanken Beschlag an ihres Vaters