. Mit einer Bewegung hingebungsvoller Ermattung ließ sie die Kugeln fallen , sie schlugen klingelnd auf , dann lagen sie vor ihr , aufwärts schauend , erloschenen Blicks . Die Hunde aber wurden immer lebendiger : auf ihrem Kopf saß der eine und wühlte den nackten Körper in das üppige Nest ihrer schwarzen Haare ; aus ihren Armhöhlen lugten zwei andere mit hängenden Zungen hervor ; um ihre Hüften hüpften die letzten , der eine den glatten langen Schwanz des anderen im Maul . In rasendem Rhythmus dröhnte das Tamburin . Und in Konrads Kopf brausten die Geister des Weins , in seinen Adern pochte das Blut . Im nächsten Augenblick würde er die eklen schwarzen Geschöpfe von den prangenden Gliedern reißen und würgen ! Da öffnete sich die Tür hinter ihm - klirrend fiel etwas zu Boden - Glas splitterte - Wasser rieselte dazwischen . Die Hunde sprangen zur Erde und bellten . » Du - du ! « schrie die Spielerin , mit erhobenen Fäusten vorwärtsstürmend . Konrad wandte den Kopf : Todblassen Gesichts , in dem nichts lebte als die haßerfüllten Augen , den frostschauernden mageren Körper nur von ihrem weißen Nachtgewand umhüllt , stand die kleine Bucklige vor ihm . Und das Blut ebbte zurück , die Geister des Weins entflohen . Mit einem Schritt war er zwischen dem Kinde und der wütenden Mutter . » Sie rühren das Mädchen nicht an , oder - bei Gott ! - « und er griff nach der Peitsche am Boden . Das alles war nichts als ein wüster Traum gewesen , dachte er am nächsten Morgen . Aber Gina war krank , und als er an ihr Bettchen trat und die Hand auf ihre Stirne legte , fühlte er das Fieber . Wanda schlug , als er kam , mit einem bösen Blick die Türe hinter sich zu . Es mußte also doch wohl wahr gewesen sein . Am liebsten wäre er umgezogen - sofort , aber die Augen des Kindes , die eine Bitte waren , hielten ihn fest . Stundenlang saß er an ihrem Bettchen und las ihr vor , während ihr schmales Gesichtchen von unbeschreiblicher Seligkeit strahlte . Waren es Goethes Gedichte , die sie nicht oft genug hören konnte , so flüsterte sie leise mit ; es klang wie zweistimmiger Gesang aus der Ferne . » Du wirst einmal eine schöne Stimme haben , Gina , « sagte er . » Wirklich ? « lächelte sie glücklich und summte träumerisch das Lied vom Heidenröslein vor sich hin . » Es ist viel schöner wie das vom Monde , « meinte sie . » Warum denn ? « frug der Jüngling . » Röslein wehrte sich und stach - mußt es eben leiden - « sang sie , und zwei schelmische Grübchen erschienen wie kleine Kobolde in ihren Wangen . » Glauben Sie nicht , Herr Konrad , « fuhr sie dann ernsthaft fort , » daß das Röslein sich nur zum Scheine wehrte ? Es litt doch diesen Tod so gerne ! Der andere aber , der vom Monde sang : - rausche , rausche , lieber Fluß ! Nimmer werd ' ich froh ; so verrauschte Scherz und Kuß und die Treue so - , der hat nie , nie mehr gelacht , und wenn er über die Straße geht , weinen die Kinder , die ihn sehen . « Sie richtete sich jäh in den Kissen auf , geschüttelt von Angst . » Es war ein König von Thule , gar treu bis an das Grab - « klang tief , gleichmäßig , beruhigend Konrads Stimme , während seine Hand sie vorsichtig bettete und seine Augen auf ihr ruhten . Noch ein Aufseufzen , und sie schlief ein . Niemand wußte , was ihr fehlte . Es kamen Tage , wo sie aufzustehen vermochte und sich ' s nicht nehmen ließ , wie früher , Konrads Tisch zu decken . Dann aber trug ihr Giovanni die Teller und Schüsseln , die ihre mageren Ärmchen nicht mehr heben konnten , zu , und brachte ihr sogar heimlich Blumen zum Schmuck , fremde , farbenfrohe , die lange gereist waren , um hier im Norden zu sterben . Seit jenem Abend hatte der Alte sich verwandelt . Er ging umher wie ein Schuldbeladener . Stumm , in steter Dienstbereitschaft , bettelte er um Konrads Gunst . Frau Wanda ging er scheu aus dem Wege . Abends war er stets zu Haus und spielte mit dem kranken Kinde , wenn es allein war . Sein Jauchzen hatte Konrad einmal in ihr Zimmer gelockt : da stand der Alte hinter einem Wandschirm , über dem er auf seinen Fingern mit bunten Lappen geschmückte Puppen agieren ließ - ein improvisiertes Kasperltheater , das Gina entzückte . Konrad war in sein fröhliches Knabenlachen ausgebrochen und hatte ihm mit einem liebevollen : » Du bist ein guter Kerl « die runzlige Wange getätschelt . Von da an konnte sich Giovanni nicht genug tun , um der Kleinen Freude zu machen . Nur zuweilen , wenn keiner ihn sah , und das Kind , was immer häufiger vorkam , auf seinem Stuhle eingeschlafen war , wobei das Köpfchen ihm tief auf die Brust sank und der Höcker hoch hervortrat , streifte es sein Blick voll Abscheu , und des Nachts drückte er sich verstohlen hinter die Falten des Flurvorhangs , um , wenn Wanda aus dem Theater nach Hause kam , die Sekunde zu erhaschen , wo sie seine Augen mit dem Ausdruck verzehrenden Schönheitshungers umfassen konnten . Konrad , der sich der kleinen Kranken in der ersten Zeit ganz gewidmet hatte , ging nun , da er sie wohler und gut aufgehoben glaubte , mit lebhaftem Eifer und wachsender innerer Anteilnahme seinen Studien nach . Jener Wissensdurst hatte ihn allmählich ganz in seinen Bann geschlagen , der der Neugierde so nahe verwandt und darum so spezifisch jugendlich ist . Jede neue Kenntnis , die er erwarb , trug schon