hatte nicht geglaubt , daß es solch eine Qual sein kann , auf einen Brief zu warten , mit jeder Minute erschien mir mein Unternehmen gewagter , aber ich kann nicht warten , ich spiele gern Vabanque . « Fastrade zog ein wenig die Augenbrauen zusammen . » Ach nein , nicht das , « meinte sie , » ich möchte nicht einer dieser unangenehmen Gewinste sein . « Egloff lachte : » Nun gut , nennen wir es anders . « » Aber wie kamen Sie darauf ? « fragte Fastrade , » wir kennen uns doch so wenig . « » Das war eine Chance mehr für mich , « erwiderte Egloff , » denn , wenn man sich erst kennt - . « Fastrade jedoch unterbrach ihn : » Sie dürfen heute nicht so - gottlos sprechen . « - » Gottlos , « wiederholte Egloff , » nein , ich fühle mich heute so fromm , wie es nur einer kann , an dem ein gutes Werk geschehen ist . « Er küßte wieder Fastrades Hand , und dann schwiegen sie . Fastrade ging es durch den Sinn : ich habe es gleich gedacht , daß dabei eine lächerliche Situation herauskommen wird . Endlich begann Egloff wieder zu sprechen : » Sie sehen , dieses Haus schüchtert mich so ein , ich unterlasse wahrscheinlich wichtige Dinge . Sind da nicht noch Formalitäten zu erfüllen ? « » Wir müssen zu meinem Vater hineingehen « , erwiderte Fastrade . » Natürlich , « versetzte Egloff , » der väterliche Segen , natürlich . Muß man dabei knien ? « - » Das ist wohl nicht nötig « , erwiderte Fastrade und ging voran in das Zimmer ihres Vaters . Der Baron und Baronesse Arabella saßen ernst und erwartend da . Als Egloff eintrat , streckte der Baron ihm langsam die Hand entgegen und sagte : » Willkommen , meine Tochter hat für Sie entschieden , so haben wir alles andere der Vorsehung anheimzugeben . Setzt euch , Kinder . « Er wartete , bis sie sich gesetzt hatten , und fuhr dann fort : » Meine väterlichen Befürchtungen und Sorgen habe ich euch beiden mitgeteilt . Fastrade ist in dem Alter , selbst über sich zu bestimmen , so sei denn von dem allen nicht mehr die Rede . « Und nach alter Gewohnheit machte er mit der flachen Hand einen Querschnitt durch die Luft . » Es bleibt mir somit nur übrig , des Himmels Segen auf euch herabzuflehen . Eine Bedingung jedoch möchte ich noch machen , ich verlange eine Wartezeit , bis zum nächsten Winter sagen wir . Sie können es mir nicht übel nehmen , wenn ich auf solcher Probezeit bestehe , wenn ich wissen will , ob der künftige Gatte meiner Tochter sich als meiner Tochter würdig bewährt . « Der Baron war fertig , er lehnte sich zurück , er hatte kräftig und geläufig gesprochen , wie einst auf der Kreisversammlung , und das befriedigte ihn . Egloff dagegen dachte , dies ist der fatalste Augenblick meines Lebens , man sitzt und muß sich unangenehme Dinge sagen lassen , und was antwortet man nun auf so etwas . Endlich fiel ihm eine gut abgerundete Redensart ein , die er schnell und nachlässig hersagte : » Ich bin mir der großen Verantwortung wohl bewußt , die mir dieses unverdiente Glück auferlegt . « Bei dem Worte Verantwortung horchte der Baron auf . » Verantwortung , « wiederholte er , » ganz richtig . Große Verantwortungen erziehen den Menschen , das ist ganz richtig . « Jetzt gab die Baronesse das Zeichen , und Fastrade und Egloff zogen sich zurück . In Fastrades Zimmer drückte Egloff sich fest in die Sofaecke , zog Fastrade nahe an sich und sagte : » So , das wäre überstanden . Hier bei dir sitzt es sich gut , wunschlos behaglich . « » Du Armer , « meinte Fastrade , » so streng mit dir zu sein . « - Egloff zuckte die Achseln : » Das ist vorüber , aber die Redensart mit der Verantwortung brachte ich doch gut heraus , die paßte so ganz in die Stimmung . « Vor ihnen lag die stille Zimmerflucht , kein Ton regte sich im Hause , im Kamine prasselte das Feuer , draußen an den Fensterläden rüttelte der Frühlingswind . Egloff hatte eine Weile geschwiegen , jetzt lachte er plötzlich auf : » Immer wenn ich sah , « sagte er , » daß zwei Verlobte feierlich und geheimnisvoll in einem Zimmer allein gelassen wurden , alles umher mußte still sein , niemand durfte sie stören , da sagte ich mir : was sprechen sie ? Sie lernen sich kennen , gut , wie machen sie das ! Jetzt weiß ich es . Sie sprechen gar nicht . Man hat gar keine Lust zum Sprechen , man hat gehört , was man hören wollte , daß man angenommen ist , nun ist man so wohltuend satt , daß man vorläufig nichts zu sagen braucht . « » Und ich dachte , « versetzte Fastrade , » wenn zwei Verlobte sich zurückziehen , dann bekommt man viele ganz süße Sachen zu hören . « » Ach ja , natürlich , « meinte Egloff , » diese süßen Sachen sind immer zu haben , aber es sind immer dieselben , wie die Bonbons beim Konditor Kitsch im Städtchen . Die einen sind rosa , die anderen sind gelb , und alle sind in Silberpapier gewickelt . « » Ach ja , die habe ich sehr geliebt , « gestand Fastrade , » die einen schmeckten nach Rosen und die anderen nach Zitronen , und sie waren so süß , daß , wenn man sie aß , einem die Luft verging und die Tränen in die Augen traten . Aber das ist nichts für uns , unsere Verlobung ist viel zu ernst . « Egloff fuhr auf : » Ernst