seine Verirrung . Dabei verfügte er über ein gutes , gesundes Geschäft , das ihm eine sehr auskömmliche Familienexistenz bot , war auch geschäftlich nicht unfähig , - hatte aber Luxusbedürfnisse , die seine Einnahmen überstiegen . Eva sah ihre Ehe mit nüchternen Augen - und kam mit sich ins Reine : Ihr Schicksal , so fühlte sie , ruhte in ihr selbst . In ihren Wirkungskreis sollte ja auch bald eine Aufgabe gestellt werden , die wohl der triebhaft geheime Zweck dieser scheinbar sinnlosen Verbindung war . In ihrem Schoß regte sich junges Leben , und fromm erwartete sie die Frucht , für deren Entstehen ihre Ernte an persönlichem Glück von Mächten , die in ihrem eigenen Willen wirkten , - geopfert worden war . Auch Vincenz war von dieser Hoffnung merkwürdig befeuert . Seine Freude , als sie ihm die Erwartung mitteilte , überraschte sie . Staunend beachtete sie die Lehre , die ihr das Leben gab , indem es ihr einen scheinbar » einfachen « Charakter in unerwarteter Vielspältigkeit zeigte . Aber die Lehre war noch nicht deutlich genug : sie sollte noch mehr erfahren . Seit Vincenz wußte , daß sie guter Hoffnung war , sprach er nur noch von seinem » Sohn « . In Gesellschaft , im Geschäft , überall erzählte er mit familienväterlichem Schmunzeln , daß » a Bua « auf dem Weg sei . Sie fand diese vorzeitige Verkündigung ihres Zustandes wenig geschmackvoll , - die sichere Erwartung des » Bua ' m « aber stellte sich beinah als eine Art fixer Idee dar . Auch lag kein besonderer Grund vor , warum ein Sohn für Vincenz Reisenleitner so dringend erwünscht sein sollte ; war doch kein noch so bescheidenes Thrönchen , dessen Erbfolge durch das salische Gesetz für Frauen gesperrt gewesen wäre , - noch auch ein Majorat zu vergeben ; das Geschäft sei auch eine Art von Majorat , erklärte Vincenz . Da er aber die Grundlage dieses ererbten Besitzes durchaus nicht befestigte , eher durch seine Passionen unterwühlte , erschien diese Sorge um den Erben wenig natürlich . Vincenz aber tummelte sich , nach wie vor , in der Idee , daß ihm ein » strammer Stammhalter « geboren werden sollte . Er hatte sich in diese feudale Pose förmlich verrannt . Mit derselben zähen Hartnäckigkeit , mit der er sich bei einem Automobilrennen oder bei einer Golfpartie ganz in die Situation versenkte , nichts sah und hörte , als was mit dem Match zusammenhing , - mit diesem unzugänglichen Furor des Sportsmannes , gemischt mit der Sucht , den » Träger eines alten Namens « zu spielen , der einen » Erben « dringend brauchte , - verrannte er sich in die neue Idee von » seinem Sohn « , als ob die Tragik des Gedankens , der letzte Reisenleitner zu sein , seit jeher seine Hauptsorge gewesen wäre . Die Stunde , in der dieser Traum Wirklichkeit werden sollte , kam . Evas Entbindung ging schwerer vor sich , als man erwartet hatte . Eine halbe Nacht und einen ganzen Tag schon hatte sich ihr Körper im Krampfe des Gebärens gezerrt und gekrümmt . Röchelnd lag sie auf ihrem Schmerzensbett , bis wieder eine neue Wehe ihr gellende Schreie erpreßte und sie glauben machte , das Ende sei da . Und noch immer war die Frucht , die in diesem gemarterten , aufgetriebenen Leibe atmete , sich bewegte , lebte , - nicht abgelöst vom Stamm . Halb sinnlos vor Pein , hörte sie doch , wie man von der Notwendigkeit eines Einschnittes sprach , und wie die Ärzte zur Narkose rüsteten . Sie vernahm ihr Geflüster , hörte , wie der Hofrat , - der große Accoucheur , der die Prinzessinnen des kaiserlichen Erzhauses entband , - mit seinem Assistenten und ihrem Schwager Diamant beratschlagte , ob Ätherrausch oder Chloroformnarkose hier vorzuziehen sei . Und während wieder jene Schmerzen , die ihr das Hirn zu zersprengen drohten , in breiten Wellen anfluteten und ihr Bewußtsein übergossen , sah sie noch die Geburtshelferin mit dem intelligenten , kurz geschorenen Kopf und die Pflegeschwester , - beide , gleich den Ärzten , in weißen Leinenkitteln , - durchs Zimmer eilen . Und sie sah nun auch , wie durch blutige Schleier , einen Augenblick lang die Gestalt ihres Mannes , - gerade ihrem Bett gegenüber an der Tür , die ins Nebenzimmer führte , - sah , wie er die schwarze Sammetportiere hob und gleich wieder verschwand . Und sie hörte nun auch seine Stimme in dem Geflüster der Männer , - hörte , wie die Worte fielen - - - » Kind oder Mutter « - - - - - - und diese Worte streckten und vereisten ihr die Glieder ; und unter den Stimmen war eine , - die , die sie am besten kannte , - und die zischte Worte heraus , die sich in Schlangen wandelten , in häßliche , geringelte Tiere , die über den Fußboden zu ihrem Bett krochen ... » das Kind - den Sohn - - - den Sohn « - - sagten diese Worte , - und es waren abscheuliche , züngelnde , feuchtglatte Schlangen , die nach der Bettdecke hinaufzischten . - Und plötzlich schien es ihr , als ob die Stimme des Hofrats sich aus dem Geflüster erhöbe , sich furchtbar und dröhnend darüber ergoß und die Schlangen , die aus jener andern Stimme gekrochen waren , mit Abscheu zertrat . Dann kamen Schritte an ihr Bett , - ein süßlicher Duft überströmte sie , und guter , rosiger Friede senkte sich langsam auf sie nieder . - - - Als sie erwachte , war das neue Leben aus ihr herausgerettet . Und trotz der schweren Übelkeiten , trotz der tötlichen Mattigkeit fühlte sie doch , wie leise und stetig die Kräfte zu ihr zurück rannen ... Die Frau im weißen Kittel , mit dem kurz geschnittenen Haar und dem klugen Gesicht , beugte sich über sie