so erregt , daß es aussah , als wollte er weinen , bat Doralice um einen Tanz . Die Paare drehten sich dort auf einem freien Platz ; rotes , sachte zitterndes Licht drang durch die Bäume und überflutete sie . Hinter den Birken aber schien etwas zu brennen , es war das Meer im Glanze des Sonnenunterganges . » Sehr hübsch « , sagte Knospelius zur Generalin , während er das Bild vor sich mit einer fast gierigen Aufmerksamkeit betrachtete ; » das muß Stimmung in die Gesellschaft bringen . Nichts taugt besser dazu als der Tanz . Man spricht nicht , man denkt nicht , man verständigt sich mit den Füßen , das löst die richtige Elektrizität aus . « » Was für eine Verständigung , was für Elektrizität ? « meinte die Generalin . » Ich freue mich , wenn die Jugend heiter ist , aber Ihre Verständigungen und Elektrizität brauchen wir nicht . « » Und dann « , fuhr der Geheimrat sinnend fort , » ich habe bemerkt , wenn in unsere Gesellschaft mal ein fremdes Element kommt , ein outsider , das wirkt erregend wie Zitronensäure auf Soda . Ein jeder sieht im Fremden ein Publikum . Aha ! Der Baron tanzt mit unserer Frau Gräfin . Wie siegesgewiß er lächelt . Und unser Maler macht sich an die Frau Baronin , bravo ! Das Brausepulver ist komplett . « » Ihre kleine Köhne « , versetzte die Generalin , » ist soweit ein liebes und nettes Ding . Schade um sie . « » Wieso schade ? « fragte Knospelius . » Es wird jetzt vielleicht etwas Wertvolleres aus ihr , als der alte Köhne je gemacht hätte . « Aber die Generalin wollte davon nichts wissen . » Ach , liebe Exzellenz , unsere Frauen , wenn die mal so ganz offen aus Reih und Glied treten , dann finden sie auch keinen Halt mehr . Das ist so wie bei dem Kettenstich auf der Nähmaschine ; trennen Sie einen Stich auf , dann geht die ganze Naht los . « Der Geheimrat lächelte : » Das spricht nicht für den Kettenstich . Aha ! Es kommt zur Quadrille , sehr gut . Der Walzer hat Stimmung gemacht . Sehen Sie doch , wie ausdrucksvoll , wie vielsagend die Beine der Herren geworden sind . « Die Quadrille war allerdings sehr lebhaft . Hilmar tanzte mit Doralice , ihnen gegenüber Lolo mit ihrem Vater . Doralices Gesicht war ganz rosa und sie lachte , wenn sie mit Hilmar im carrière , wie er sagte , über den rotbeschienenen Sand hinliefen . Das Tanzen , diese Menschen , all das gab Doralice das Gefühl , als stünde sie wieder in jener Welt , die sie jetzt ein Jahr schon nur noch aus ihren Träumen kannte . Sie vergaß , daß sie hier fremd war , und genoß es gedankenlos lustig zu sein wie einst auf den Gesellschaften , wenn sie sich von ihrem Gemahl nicht beaufsichtigt fühlte . Und welch ein handlicher , bequemer Kamerad der Lustigkeit war doch so ein Leutnant , man tanzte mit ihm so selbstverständlich bequem , als hätte man das ganze Leben schon miteinander getanzt . Man sprach und lachte mit ihm so mühelos , als hätte man schon ein ganzes Leben miteinander gesprochen und gelacht . » Grand rond , s ' il vous plaît « , schnarrte Hilmar . Man faßte sich bei den Händen , in der Abendsonne schien es , als erröteten alle Gesichter , dann kam die Promenade , von Hilmar angeführt , eine wilde Promenade zwischen den Birkenstämmen hindurch , über das Heidekraut hin . » Unser Leutnant steht auf der Höhe seiner Aufgabe « , sagte Knospelius , » aber die Stimmung darf nicht verrauchen . Jetzt muß gleich gesungen werden , ein Volkslied , etwas ganz Herzbrechendes natürlich . « Als die Quadrille zu Ende war und alle wieder auf den Polstern saßen , war die Sonne untergegangen , unter den Bäumen begann es schnell zu dämmern , von der Seeseite kam ein Wehen , fuhr in die Birken und ließ sie erregt flüstern . Unten aber rauschte das Meer jetzt lauter . Knospelius erhob sich , streckte seinen langen Arm aus , schlug den Takt und stimmte mit lauter gefühlvoller Stimme an : » Mei Mutter mag mi nit Und kei Schatz hab i nit . Ei , warum sterb i nit Was tu i denn ? « Alle sangen mit , selbst die Generalin , die Mädchen falteten die Hände im Schoß , schauten mit den blanken Augen gerade vor sich hin und ließen ihre scharfen Sopranstimmen klagend in die Dämmerung hinausschallen . Doralice tat es auch wohl , sich von der eigenen Stimme in ein weiches , gedankenloses Behagen wiegen zu lassen . Ja gedankenlos , denn sie spürte es wohl , da waren so einige kleine widerwärtige Gedanken , die nur darauf lauerten hervorzukriechen . So der Gedanke an die verlegene und herablassende Art , mit der die Baronin Buttlär zu ihr gesprochen hatte , die Art , mit der Familienmütter auf Wohltätigkeitsfesten zu fremden Schauspielerinnen zu sprechen pflegten , oder der Gedanke daran , daß der Baron Buttlär während des Tanzes die Augen rollte , wie Herren sonst nicht die Augen rollen , wenn sie mit fremden Damen tanzen . Nein , daran wollte sie nicht denken , sie wollte singen . Sie schaute zu Hans hinüber . Der saß ruhig da , öffnete den Mund weit , ganz damit beschäftigt , seinen schönen Tenor recht laut erklingen zu lassen . Als das Lied zu Ende war , schwiegen alle eine Weile , träumten in die Dämmerung hinein , als fürchteten sie etwas zu wecken , das sie eben in Schlaf gesungen hatten . Endlich verkündete der Geheimrat , die Uhr in der Hand : » Jetzt bitte zum Feuerwerk , künstliches Feuerwerk habe ich nicht . Mein Feuerwerk ist der Mond , der gerade