Wer hat die liberale Bewegung in Österreich geschaffen ? ... Die Juden ! ... Von wem sind die Juden verraten und verlassen worden ? Von den Liberalen . Wer hat die deutschnationale Bewegung in Österreich geschaffen ? Die Juden . Von wem sind die Juden im Stich gelassen ... was sag ich im Stich gelassen ... bespuckt worden wie die Hund ' ? ... von den Deutschen ! Und geradeso wirds ihnen jetzt ergehen mit dem Sozialismus und dem Kommunismus . Wenn die Suppe erst aufgetragen ist , so jagen sie euch vom Tisch . Das war immer so und wird immer so sein . « » Wir wollens abwarten « , erwiderte Therese ruhig . Georg und Demeter blickten einander an , wie zwei Freunde , die gemeinsam auf eine Insel verschlagen worden sind . Oskar , der gerade während der Rede seines Vaters eingetreten war , hatte schmale Lippen und war sehr verlegen . Allen aber schien es eine Art Befreiung , als Ehrenberg plötzlich auf die Uhr sah und sich empfahl . » Wir werden ja heut doch nicht mehr einig « , sagte er zu Therese . Therese lächelte : » Kaum . Glückliche Reise und noch einmal im Namen ... « » Pst « , sagte Ehrenberg und verschwand . » Wofür dankst du eigentlich dem Papa ? « fragte Else sie leise . » Für eine Spende , um die ich ihn unverschämterweise bitten kam . Aber es gibt sonst keinen reichen Mann in meinem Bekanntenkreis . Über den Zweck zu reden bin ich nicht berechtigt . « Frau Ehrenberg trat zu Bermann und Nürnberger hin , die über den Klavierdeckel hinweg mit einander sprachen , und sagte leise : » Sie wissen doch , daß sie ... « , sie wies mit den Augen auf Therese , » eben aus dem Gefängnis entlassen worden ist ? « » Ich habe davon gelesen « , erwiderte Heinrich ... Nürnberger kniff die Augen zusammen und warf einen Blick auf die Gruppe in der Ecke , wo die drei Mädchen mit Stanzides und Willy Eißler plauderten , und schüttelte den Kopf . » Was für eine Bosheit unterdrücken Sie ? « fragte Frau Ehrenberg . » Ich denke eben , wie leicht es sich hätte fügen können , daß Fräulein Else zwei Monate im Gefängnis hätte schmachten müssen , und daß Fräulein Therese in einem eleganten Salon als Tochter des Hauses Cercle hielte . « » Leicht fügen ... ? « » Herr Ehrenberg hat Glück gehabt , Herr Golowski Pech ... das ist vielleicht der ganze Unterschied . « » Na hören Sie , Nürnberger « , sagte Heinrich , » Sie werden das Individuelle doch nicht vollkommen aus der Welt leugnen wollen ... Else und Therese sind doch ziemlich verschiedene Naturen . « » Das denke ich auch « , bemerkte Frau Ehrenberg . Nürnberger zuckte die Achseln . » Beide sind junge Mädchen , recht begabt , recht hübsch ... alles übrige ist wie bei den meisten jungen Damen und wohl bei den meisten Menschen , mehr oder weniger angeflogen . « Heinrich schüttelte lebhaft den Kopf . » Nein , nein « , sagte er , » so einfach ist das Leben doch nicht . « » Es ist darum nicht einfacher , lieber Heinrich . « Frau Ehrenbergs Blick war auf die Tür gerichtet und leuchtete . Felician war eben eingetreten . Mit nachtwandlerischer Sicherheit ging er auf die Hausfrau zu und küßte ihr die Hand . » Ich habe eben das Vergnügen gehabt , Herrn Ehrenberg auf der Stiege zu begegnen ... Er fährt nach Corfu , wie er mir sagt . Dort muß es jetzt wunderschön sein . « » Sie kennen Corfu ? « » Ja , gnädige Frau , eine Kindheitserinnerung . « Er begrüßte Nürnberger und Bermann , und sie redeten alle über den Süden , nach dem Bermann sich sehnte und an den Nürnberger nicht glaubte . Georg drückte seinem Bruder zur Begrüßung und zugleich zum Abschied die Hand . Wie er , unauffällig durch die offene Tür des Speisezimmers verschwindend , sich noch einmal umsah , bemerkte er Marianne , die in der entferntesten Ecke des Salons saß und ihm mit dem Lorgnon spöttisch nachblickte . Es war immer die rätselhafte Gabe dieser Frau gewesen , plötzlich da zu sein , ohne daß man wußte , wo sie herkam . Noch auf der Stiege trat ihm eine verschleierte Dame in den Weg . » Eilen Sie doch nicht so , sie kann schon noch einen Moment warten « , sagte sie . » Man darf die Frauen überhaupt nicht so verwöhnen ... Ob Sie ' s auch so eilig hätten , wenn Sie zu einem Rendezvous mit mir gingen ... ? Aber davon wollen ja Sie nichts wissen . Wahrscheinlich , weil Sie Angst haben , daß Sie mein Mann niederschießt , wenn er aus Stockholm zurückkommt , das heißt , heute ist er wohl schon in Kopenhagen . Aber er setzt vollkommenes Vertrauen in mich . Mit Recht übrigens . Denn ich kann Ihnen schwören , weiter als bis zu einem Kuß auf die Hand ... nein , um nicht zu lügen , auf diesen Hals , hat es noch niemand gebracht . Sie glauben gewiß auch , daß ich mit dem Stanzides ein Verhältnis gehabt habe ? Nein , der wäre nichts für mich ! Schöne Männer sind mir überhaupt ein Graus . Auch an Ihrem Bruder Felician kann ich nichts finden ... « Es war nicht abzusehen , wann die verschleierte Dame zu reden aufhören würde , denn es war Frau Oberberger . Bei andern Frauen hätte das gleiche Benehmen ein gewisses Entgegenkommen bedeutet , nicht so bei ihr , der man , so zweifelhaft ihre ganze Art erscheinen mochte , noch nie einen Liebhaber hatte nachsagen können . Sie lebte in einer sonderbaren , aber anscheinend glücklichen , kinderlosen Ehe . Ihr schöner und glänzender Gemahl , Geologe von Beruf