den Tag . Das ist wunderschön . « Die drei andern schauten einander voll seltsamer Gefühle in die Augen . » Überhaupt ist es schön , wenn man so liest : die Sonne ! « fuhr Caspar fort . » Die Sonne ! Das hallt so . « Als er gute Nacht gewünscht hatte , sagte Frau Daumer : » Man muß ihn doch liebhaben . Es wird einem ordentlich wohl , wenn man ihn in seiner artigen Geschäftigkeit beobachtet . Wie ein Tierchen webt er für sich hin , niemals langweilt er sich , nie fällt er durch Launen zur Last . « Wie verabredet , kam Pfisterle am nächsten Tag kurz nach Tisch , blieb jedoch über Gebühr lange sitzen und verstand nicht die ungeduldigen Andeutungen Daumers , der ihn gern vor dem Eintreffen der erwarteten Gäste losgeworden wäre . Als diese um drei Uhr erschienen , saß er noch immer auf seinem Fleck und blieb auch da . Wahrscheinlich hatte es seine Neugierde gereizt , daß ihm Daumer den Namen einer der drei Personen mitgeteilt hatte ; es war dies ein damals vielgelesener Schriftsteller aus dem Norden des Reichs . Die andern beiden waren eine holsteinische Baronin und ein Leipziger Professor , der auf einer Romreise begriffen war ; ein Unternehmen , welches zu jener Zeit wenigstens in Nürnberg , einem Mann den Nimbus eines kühnen Forschers verlieh . Daumer empfing die Herrschaften sehr liebenswürdig , und nachdem er Caspar herbeigeholt hatte , zündete er trotz der frühen Stunde die Lampe an , denn der Nebel lag dicht wie graue Wolle vor den Fenstern . Der Leipziger Professor zog Caspar in eine Unterhaltung , aber er sprach mit ihm wie von Turmeshöhe herunter . Auch ließ er keinen Blick von ihm , und die gelblichen Augen hinter den kreisrunden Brillengläsern schimmerten bisweilen boshaft . Währenddem kamen noch Herr von Tucher und der Archivdirektor , ließen sich den Fremden vorstellen und nahmen auf dem Sofa Platz . » In deinem Kerker war es also immer dunkel ? « fragte der Romfahrer und strich langsam seinen Bart. Caspar antwortete geduldig : » Dunkel , sehr dunkel . « Der Schriftsteller lachte , worauf ihm der Professor vielsagend mit dem Kopf zunickte . » Haben Sie den Unsinn gehört , der hier in der Stadt über seine fürstliche Abkunft geredet wird ? « ließ sich jetzt , die holsteinische Baronin hören , deren Stimme wie aus einem Kellerloch kam . Der Professor nickte wieder und sagte : » In der Tat , es werden hier starke Zumutungen an die Leichtgläubigkeit des Publikums gestellt . « Eine Zeitlang schwiegen alle , wie von einem Schuß erschreckt . Endlich entgegnete Daumer mit heiserer Stimme und mit der Höflichkeit eines schlechten Komödianten : » Was veranlaßt Sie , meine Ehre zu beschimpfen ? « » Was mich veranlaßt ? « prasselte der cholerische Herr auf . » Diese Gaukelfuhr veranlaßt mich dazu . Der Umstand , daß man ein ganzes Land skrupellos mit einem albernen Märchen füttert . Muß denn der gute Deutsche immer wieder das Opfer von Abenteurern à la Cagliostro werden ? Es ist eine Schmach . « Herr von Tucher hatte sich erhoben und blickte dem Aufgeregten mit so unverhohlener Geringschätzung ins Gesicht , daß dieser plötzlich schwieg . » Wir sind natürlich überzeugt « , mischte sich der Schriftsteller , ein klapperdürrer Herr mit kahlem Schädel , vermittelnd ein , » daß Sie , Herr Daumer , im besten Glauben handeln . Sie sind Opfer , wie wir alle . « Jetzt konnte sich Pfisterle , den die Wut förmlich aufgeschwellt hatte , nicht länger halten . Mit geballten Fäusten sprang er vom Stuhl empor und schrie : » Ja , zum Teufel , warum sollen wir uns denn das gefallen lassen ? Da kommen sie her , niemand hat sie gerufen , kommen her , um dagewesen zu sein und mitreden zu können , haben von Anfang an alles besser gewußt , und wenn sie blind wie die Maulwürfe sind , werfen sie sich noch stolz in die Brust und rufen : Wir sehen nichts , also ist nichts da . Warum soll denn das ein Unsinn sein , geehrte Dame , was man von seiner Abstammung erzählt ? Warum denn , bitte ? Leugnen Sie etwa , daß hinter den Mauern , wo unsre Großen wohnen , sich Dinge ereignen , die das Tageslicht zu scheuen haben ? Daß dort die Verträge des Bluts für nichts geachtet und Menschenrechte mit Füßen getreten werden , wenn der Vorteil eines einzelnen es erheischt ? Soll ich mit Tatsachen dienen ? Sie können es nicht leugnen . Bei uns wenigstens sind die paar Dutzend Männer noch nicht vergessen , die ihre mutige Freiheitsfahne durch das Land getragen und mit brennenden Fackeln in die Lügendämmerung der Paläste geleuchtet haben . « » Genug , genug ! « unterbrach der Professor den rabiaten Zeitungsmann . » Mäßigen Sie sich , Herr ! « » Ein Demagoge ! « sagte die Baronin und stand mit erschrockenen Augen auf . Der Archivdirektor heftete einen vorwurfsvollen und kühlen Blick auf Daumer , der den Kopf gesenkt und die Lippen eigensinnig geschlossen hatte . Als er emporschaute , blieb sein Auge mit gerührtem Ausdruck auf Caspar ruhen , der frei und arglos dastand , den lächelnden klaren Blick von einem zum andern gleiten ließ , nicht als ob von ihm gesprochen würde und er daran teilhätte , sondern als ob das bewegte Spiel der Mienen und Gebärden lediglich seine Schaulust erwecke . In der Tat verstand er kaum , wovon die Rede war . Der Leipziger Professor hatte seinen Hut ergriffen und wandte sich noch einmal , an Pfisterle vorübersprechend , gegen Daumer . » Was ist denn bewiesen von den Mutmaßungen törichter Köpfe ? « fragte er gellend . » Nichts ist bewiesen . Fest steht nur , daß aus irgendeinem gottverlassenen Dorf in den fränkischen Wäldern sich ein Bauerntölpel in die Stadt verirrt ,