der Knecht , habe es ihm gesagt ) , ebenso der Braune im Stall , ein herrliches junges Rößlein , mit welchem sie , wenn er recht verstanden habe , nach Bischofshardt fahren dürften ; nämlich der fremde Herr meine , es wäre zu viel für Gesima , die Strecke bis zur Stadt auch noch zu Fuß , und es komme wahrscheinlich ein Gewitter . Er , der Fremde , bezahle alles , die Fahrt und das Essen ; er sei auf der Hochzeitsreise und furchtbar reich . Und ähnliches mehr . Da er aber auf diese staunenswerten Nachrichten keine andere Antwort als ein unwilliges Knurren erhielt , merkte er , daß die Zeit für Unterhandlungen noch nicht reif war und verzog sich in den Hintergrund . Nachdem Gerold die Suppe aufgegessen hatte , erging er sich ein wenig . Zunächst betrachtete er die Bleistiftzeichnungen , die längs den Wänden der Veranda aufgeklebt waren ; Pferde , Soldaten , Gebüsche , alles säuberlich gezeichnet , aber mit hartem Bleistift , Faber Nr. 3 , höchstens 2 , und unter jeder Zeichnung stand geschrieben Adolphus Wengimannus fecit , mit verschiedenen Jahreszahlen . Auch ein Kupferstich war darunter : die Preisverteilung an einem Schützenfest mit Bechern und Fahnen , und der in der Mitte , dem der Kranz aufgesetzt wurde , glich dem Dolf . Also von Bild zu Bild vorrückend , geriet er um die Ecke biegend auf ein Brücklein . Dort nahm er am Geländer Position , beide Arme bis zum Ellenbogen auf der Brüstung , der Kopf dazwischen und der linke Fuß auf der unteren Geländerstange wie auf einem Steigbügel . So blieb er stehen . Ohrwürmer wimmelten über die Lehne der Brücke , den Fasern des von Messern zersplissenen Holzes ausweichend , als wären es Bäume . Während er dem Gebaren der Ohrwürmer zusah , bemerkte er , daß die Messerschnitzeleien Buchstaben darstellten , aus denen er unschwer - denn die Einkerbungen hoben sich durch ihre gelbe Farbe ab - die verschlungenen Namen Dolf und Marianneli herauslas . Und über das ganze Geländer wiederholten sich die Namensverbindungen , zum Teil mit Tinte nachgeschwärzt und mit Kränzchen verschnörkelt . Auf ewig stand in einem der Schnörkel . Unter ihm im halbtrockenen schäbigen Bachbett , unweit des Brückleins , wateten Gesima und Hansli mit nackten Füßen auf Entdeckungsreisen , mit hochgehaltenen Ellbogen flügelnde Seiltänzerbewegungen wippend , um das Gleichgewicht zu behaupten . Hansli hielt in jeder Hand einen Stiefel , Gesima hatte das Springseil als Gürtel um den Leib geschlungen und Schuhe und Strümpfe hineingehängt . An ihren nackten dünnen Waden waren Tätowierungen zu sehen : weißliche Eindrücke und Striemen , teilweise mit einem blauschwarzen Hauch getuscht , neben regenbogenfarbigen Quetschmalen und roten Kratzstreifen . Auf einer geräumigen Insel , von der hölzernen Pritsche des Baches gebildet , machten sie halt und errichteten dort eine Perlfischerei . Die Jagd war ergiebig , denn an der Küste erhoben sich Korallenriffe von dunkelgrünen Flaschen , irisierten Glassplittern und geblümten Topfscherben , untermengt mit Knöpfen , rostigen Geldstücken und was sonst die Ebbe hatte hangen lassen . Von diesen Schätzen ergriffen sie nach dem Strandrecht Besitz , und während Hansli immer neue Beute beibrachte , eröffnete Gesima eine Goldwäsche . Später , als sich auch lebendiges Kriechzeug erjagen ließ , gesellte sich eine Menagerie hinzu , auf einer gesteppten roten Bettdecke , die zum Trocknen von der Gartenmauer in das Bachbett gefallen war . All dieser Gewerbefleiß konnte trotz dem Kriegszustande ungehindert aufblühen , weil der feindliche Kanonier über ihnen auf dem Brücklein , seiner Unbehilflichkeit in Angelegenheiten der Höhen- und Tiefendimension bewußt , von jeder Verkehrsstörung Umgang nahm . Als jedoch Hansli in allzugroßer Zuversichtlichkeit frecherdings seine Stiefel auf die Brücke pflanzte , bekam er sie durch einen Fußstoß zurückspediert , platsch ins Wasser . Mit der Zeit bemerkte Gerold , daß der fremde Herr , der dort im Gemüsegarten auf einem Feldstuhl saß , etwas zeichnete , während seine Frau ihm lächelnd zusah . Was er zeichnete , konnte er natürlich von hier aus nicht sehen , aber schon allein die Tätigkeit des Zeichnens für sich , wie er mit gescheiten Maleraugen den Kopf bald aufhob , bald über das Blatt beugte , fesselte seine Aufmerksamkeit . Jetzt hielt jener den Bleistift quer vor die Augen , und beide , der Herr und die Dame , schauten Gerold scharf an . Da begriff er , daß er selber , Gerold , zur Zeichenvorlage diente . Von nun an hielt er es für seine Pflicht , weder zu zucken noch zu mucken , da er die liebe Zeichenkunst verehrte und ihre Schwierigkeiten aus eigener Erfahrung zu ermessen vermochte . Während dessen schlich sich Gesima durch den Garten , stellte sich hinter den Zeichner , guckte ihm , auf den Zehen stehend , über die Schulter und gab über seinen Kopf hinweg dem Kanonier Taubstummensignale , um ihn zu benachrichtigen , welches Stück seiner Person jeweilen unter dem Bleistift geboren würde . Die Augen beschrieb sie als zwei Schützenscheiben mit je einem Punkt darin , den Mund als einen queren Säbelstrich , der das Gesicht in zwei Hälften spaltete , zur Versinnbildlichung der Ohren faßte sie ihre Ohrläppchen , streckte die Zungenspitze hervor und schob allmählich ihre Hände dem Kopf entlang ins Unendliche . Hansli aber , nachdem er seinerseits die Sachlage erspäht hatte , nützte die heilsame Versteinerung des grollenden Bruders für seine Friedensbestrebungen aus . Sicher , daß der Kanonier nicht ausschlagen durfte , faßte er ihn einfach an den Frackschößen und ließ seine Versöhnungsrede fließen , unbekümmert um die grimmigen Papagenotöne , welche ihm aus den geschlossenen Lippen entgegenknurrten . Ob es sich auch lohne , wegen eines minderwertigen Mädchengeschöpfes einander zu befehden ; sie wären immer brüderlich einträchtig zusammen ausgekommen , bis dieser verwünschte verräterische Rotschopf den Frieden verpfuscht habe . Von Gesima wolle er nichts mehr wissen , denn sie hintergehe den einen wie den andern . » Weißt du , was sie von dir gesagt hat ?