wirklich Maler ! « rief sie dazwischen . » Ich habe immer gedacht , du hättest mich beschwindelt , « klang es ziemlich ordinär plötzlich in Einharts Ohren . Einhart mußte furchtbar lachen . » Du dachtest wohl , ich wäre ein Bierbrauer oder so , « sagte er , auch aus der Rolle gefallen . » Laß das Bild stehen ! « rief er ein wenig gereizt . Aber Dorothea gab ihm einen Klaps ins Gesicht , zog sich Anderes hervor , indem sie sich ganz achtlos weiter entkleidete und lachte . » Ist das nur verrückt , mein Junge ! wie ? so sollte ich aussehen ? « sagte sie jetzt frech , indem sie nun dem Zigeunerbild aufs neugierigste naheging . » Erstens einmal habe ich einen ganz anderen Blick , eine ganz reine Haut und dann « - - sie hatte ihre weiße Bluse vollends beiseite geworfen und zeigte ihm ihr weißes , volles Busenfleisch ganz leichthin , hielt die Fülle mit Behagen in ihren kindlichen Händen fest und sagte : » Da sieh ! solchen Busen wie meiner - - und der da ! - - nicht ? ! « Einhart starrte wie ein Ängstlicher auf seine Leinwand , wo eine keusche , zarte , blonde Frau voll zärtlicher Inbrunst zum Geliebten sah , und sein Lachen , als es jetzt neu ausbrach , war noch sinnloser geworden , daß Dorothea empfindlich wurde . » Worüber lachst du denn so frech ? « fragte sie . » Nicht doch ! « sagte Einhart , zur Besinnung kommend . » Ach Schatz ! « redete Dorothea schmollend . Aber sie begann sich an ihn anzupressen . Einhart war die ganze Lage seltsam unangenehm . Er war ziemlich ernst geworden . Er sah sich das Mädchen jetzt nur scharf an . Seine Augen waren unentschlossen und spitz . » Was soll denn nun werden ? mich friert ! « sagte Dorothea unzufrieden , weil sie halb nackt dastand . » Kleinchen ! « sagte sie und bettelte ihn , schlug ihre nackten Arme um ihn und wollte ihn zu sich ziehen . Aber Einhart war völlig erkaltet . Daß er sie jetzt bestimmt zurückhielt . Und dann stand er auf und ging mit sich im Widerstreite hin und her . » Iß nur ! « sagte er ablenkend und schob Dorothea zwei Apfelsinen und den Kuchen über den Tisch hin , die unerwartet wieder dagestanden . Dorothea lachte höhnisch . Dann begann sie zu essen . Einhart kam sich richtig lächerlich vor . Er begann plötzlich in seinen Taschen alles Geld zusammenzusuchen , was er bei sich trug . Es war ihm unsäglich drückend zu Mute . » Du bist ein guter Kerl ! « sagte Dorothea fein , als er ihr reichlich Geld hinhielt , das sie sogleich geschäftig in die Tasche ihres Rockes barg , der noch über die Sofakante herunterhing . Dann begann sich Dorothea zögernd anzukleiden . » Also ein Künstler bist du ? Ich könnte dir doch wenigstens einmal Modell stehen - richtig ! « sagte sie ernst , ein wenig kleinmütig . » So feine Sachen wie du malst ! - - aber ein andermal ! - - du ! - nicht ? - Was hat dich denn verdrossen , Liebchen ? « fragte sie zärtlich . » Ich begreife dich gar nicht . Ein Sonderling bist du ! « sagte sie ein wenig beleidigt . » Ein richtiger Sonderling bist du ! « wiederholte sie dann ein paar Mal , als wenn ihr der Einfall sehr gefiele . » Nämlich am Tage , mußt du wissen , bin ich doch immer im Dienst gebunden . Aber nachts muß ich ein bissel verliebt sein ! « - - » Ach du , Schatz ! - nein ! « indem sie sich noch einmal an ihn zu drängen versuchte . » Ein richtiger Sonderling bist du wirklich ! « » Gewiß , Thea ! « sagte Einhart . Dann hatte Einhart die junge Blonde mit einem kleinen Lichtstumpf die vier Stiegen stumm hinunter begleitet und sie in den grauen Morgen hinaus verschwinden sehen . 9 An der Akademie ging das Leben seinen Gang . Der Frühling hatte neue Werke hervorgebracht . Draußen auf der Wiese die Anemonen und Schneeglöckchen zuerst , und die Wiesenschaumkräuter , die Bäche und Raine säumten , und den goldgelben Schmirgel , der aus blauen Sumpfwassern kroch , und manches , das im Luftkreise Süße hauchte . Und drinnen , in den Meisterateliers , auch allerlei . Das war alles in den Frühlingssalon gewandert , wo es an der Wand hing , und von dem Ruhm und Können der Meister Zeugnis schuf . Wie neuer Schmirgel und neues Vergißmeinnicht . » Aber eine Wunderblume ist nicht darunter , « meinte Einhart trocken , als er auf die Stufen vor die große Ausstellung wieder herausgetreten . Einhart sagte nur das . Grottfuß lehnte sich an den Gedanken an und ereiferte sich noch immer , daß die Leute zu sklavisch wären , und daß es nur gelingen könnte , wirklich zu überraschen , wenn man auf eine neuerfundene Weise etwas sagte , und das heißt , stilisierte . Einhart fand all das Gerede lächerlich . Er hatte sein Wort gesagt und sagte nichts weiter . Vor den Kunstwerken in den weiten Ausstellungsräumen hatte er gar nichts geredet . Nein nichts . Grottfuß war es , der sich über tausenderlei aufregte . » Die Malweise ist roh , « hatte Einhart bei einem Bilde gedacht , ins Schauen und Suchen versunken , und war weiter gegangen . Seit er Dorothea in seinem Dachzimmer gehabt und seinen Zigeuner mit der Geige daneben gesehen , den Traum neben dem Leben , war ein Riß in ihm , wie eine Wunde . Wie Einhart , den ganzen , großen Kreis von Bildern hinter sich , mit Grottfuß wieder auf die Straße getreten , war er gleich vorwärtsgegangen , als wenn er allein wäre .