reif , aber sie werde mit dem Prinzen darüber reden und werde ihn deshalb auf den folgenden Tag in aller Frühe in die Kirche San Giovanni e Paolo bestellen , wohin Marietta sie als wie zur Frühmesse begleiten solle . Dort sind einsame Wege ringsherum , die in so früher Stunde niemand als etwa ein Arbeiter betritt , da könne sie ungestört mit dem Prinzen sprechen ; der Herzog schlafe lange , und wenn er beim Erwachen nach ihr frage , werde man ihm eine andere Kirche nennen , in die sie zur Morgenandacht gegangen sei . Marietta müsse dann Wacht halten , daß kein Unberufener sich nahe . Es ist unglaublich leichtsinnig von der Marietta , « schloß Vittoria ihren Bericht , » dies alles , was doch höchstes Geheimnis sein soll , dem Beppo zu vertrauen . Doch tut sie es in der Freude ihres Herzens , denn sie sagt : Beppo , wenn ich meiner Herrin helfe , so wird sie es mir fürstlich lohnen und dann sind wir reich und können heiraten ! Und so erzählt ' s der Beppo mir nur , weil ich ihm oft gesagt habe , er solle nicht amore machen mit dem Mädchen , da er zu arm sei , um sie zu heiraten . « Rosa war während der Erzählung bald blaß , bald rot geworden und hatte häufig mit der Hand nach dem Herzen gegriffen , wie um sein heftiges Klopfen zu stillen . Als Vittoria schwieg , rief sie plötzlich : » Ich gehe auch hin . « » Aber Signorina , « sagte Vittoria erschrocken , » wie soll das gehen , man wird Ihnen ausweichen ! « » Ah , sei ruhig , sie sollen mich nicht sehen ; ich muß über ihm wachen , er hat es selbst verlangt ; und ist es nicht des Schutzgeistes Aufgabe , wenn der Mensch sich in Gefahr begibt , für ihn zu wachen und ihn zu behüten ? O , die Gefahr ist ja noch größer als ich dachte , und gehandelt muß werden . « » Dann geh ich mit Ihnen . Sie können nicht so allein hin früh am Morgen , « versetzte Vittoria . » Nein , nein , zu zweien kann man schon schwerer unbemerkt bleiben . Sei unbesorgt ; die Amadei schläft lange , bis die aufsteht , bin ich zurück . Es wird mir nichts begegnen , ich habe Mut ; ein solches heiliges Ziel macht uns furchtlos und solch ein Unternehmen steht im Schutz der ewigen Mächte , die doch am Guten mehr Gefallen haben als am Bösen . « Vittoria fühlte sich immer von einer ehrfurchtsvollen Scheu befallen , wenn das junge Mädchen so sprach . » Sie ist dann ganz wie eine Heilige , « sagte sie , als sie ihrem Bruder einmal von der Signorina erzählte ; » sie sieht dann aus , wie wenn sie gen Himmel fahren würde . « Waldemar hatte den Brief der Herzogin erhalten , in dem sie ihm die Zusammenkunft in San Giovanni e Paolo bot . Daß er hingehen müsse , war ihm zweifellos , nur wußte er nicht , wie es einzurichten sei , ohne daß seine Begleiter aus der ungewohnten Stunde Verdacht schöpften . Er hatte sich schon herabgelassen , seinen Kammerdiener soweit ins Vertrauen zu ziehen , daß dieser ihm die Briefe , die Beppo brachte , in sein Schlafzimmer bringen mußte , wenn er allein war , indem er vorgab , es sei wegen eines Geheimnisses , das ihm allein anvertraut sei und von dem auch die Herren nichts wissen dürften . Der Diener hatte sich diskret gläubig gezeigt , war auch wohl , wie es die Natur solcher Leute ist , froh , zum Vertrauten da gemacht zu werden , wo sogar der Professor es nicht war . Es kostete Waldemars reinem und stolzem Sinne eine Überwindung , zur Lüge und zur Verstellung seine Zuflucht nehmen zu müssen , aber er glaubte Giulia alles schuldig zu sein , und die erwachte Leidenschaft zog ihn von Konzession zu Konzession den Abhang hinunter , zu Schritten , die er noch vor kurzem als unmöglich von sich gewiesen hätte . Endlich beschloß er , den Herren am Morgen durch den Diener sagen zu lassen , er habe schlecht geschlafen und sei , um sich zu erfrischen , zu frühem Morgenspaziergang in die Luft gegangen . In erster Morgenfrühe , noch ehe seine Begleiter aufgestanden waren , verließ er das Hotel , einen breitkrempigen Hut tief ins Gesicht gedrückt und einen dunklen Mantel umgeschlagen , so daß er eher einem römischen Landmann als einem vornehmen Kavalier glich . Er konnte übrigens auch gewiß sein , daß er um diese Stunde keinem Bekannten begegnen würde . Raschen Schrittes eilte er dem Kolosseum zu , hinter dem sich die bezeichnete Kirche befindet , denn er wollte keinen Wagen nehmen , was schon einer möglichen Nachforschung hätte auf die Spur helfen können . Als er in die Kirche trat , schien sie ihm zuerst menschenleer ; indem er aber dem Hochaltar zuschritt , bemerkte er in dem Seitenschiff im Schatten einer Säule eine Frau , wie es schien aus dem Volke , mit einem bunten Tuch über dem Kopf , den sie tief auf die gefalteten Hände , die auf dem Betstuhl ruhten , gesenkt hielt , anscheinend im Gebet versunken und achtlos dessen , was um sie vorging . Ein Laienbruder des Klosters war beschäftigt , eine Seitenkapelle auszukehren , sonst war kein lebendes Wesen da und es herrschte lautlose Stille . Waldemar stand einige Augenblicke und sah das Bild über dem Hochaltar an , ein modernes Gemälde , auf dem der Stifter des Ordens der Passionisten dargestellt ist , wie er in vollem Ornat zum Himmel fliegt , wo Christus ihn mit offenen Armen empfängt . Ungeachtet der stürmischen Gedanken , die ihn beschäftigten , mußte er doch die Achseln zucken über den plumpen Realismus der auf dem Bilde dargestellten Himmelfahrt