wollte ! « dachte sie bei sich . Er aber dachte immer nach , bevor er sprach - so auch jetzt . Und er faßte nach einer Weile seine Gedanken in diese Worte : » Prinzessin ! Zu träumen pflegt man , wenn man nichts zu tun hat . Wer sein Leben mit Taten füllt , träumt nicht mehr ; die Träume drehen dem Tatendurst das Genick um . Der Traum macht träge ; die Augen sehen nicht mehr klar . Und man ist bald nicht mehr fähig , eine Tat zu vollbringen - ein müder Mensch . Das ist doch zu beklagen , da das Tatglück das größte Glück ist . « » Hm ! « versetzte die Witzige , » das klingt so klug und ist es gar nicht . Nein ! Wahrhaftig nicht ! Ihr könnt mir ' s glauben ! Ich stelle das Traumglück über Alles . Das Tatglück kann nicht größer sein . Muß es also nicht kleiner sein ? Es muß doch , nicht wahr ? « Tiko lächelte überlegen und schüttelte den Kopf . Das gefiel aber der Prinzessin nicht , und sie fuhr böse fort : » Admiral ! Das Leben ist , so wie es ist , doch nicht schön genug . Ist der Traum daher nicht das schönere Leben ? Tatglück kann nur im gewöhnlichen Leben entstehen , Traumglück aber entsteht im schöneren Leben . Muß also das Traumglück nicht schöner sein als das Tatglück ? « Wiederum mußte der Admiral lächeln , und er sagte spöttisch : » Das ist nicht wahr , Prinzessin ! Das Tatglück ist doch mächtiger als das Traumglück . Der Traum ist immer bald zu Ende , und ich liebe die kurzen Sachen . « » So ! « rief nun erregt die Katta-Kottu , » es gibt aber auch lange Träume . Neulich hatte ich einen ganz langen Traum . Hört zu ! « Sie machte eine Pause und hub dann feierlich zu erzählen an : » Die Erde wird ganz dunkel wie schwarze Seide . Ich aber mag die Finsternis nicht . Ich zünde also meine kleine rote Lampe an und will fort . Und da sehe ich vor mir eine Treppe - die führt in das Erdinnere . Ich gehe die Treppe hinunter und komme in einen schwarzen Saal ; die Wände sind glatt und spiegeln . Und ich steige noch eine Treppe tiefer und trete in einen noch größeren Saal , der auch schwarz ist wie der vorige ; aber hier sind die Wände nicht mehr glatt , einzelne Teile sind mit wunderlichen Schnitzereien bedeckt - Alles aus schwarzem Stein - aus spiegelglattem Stein ! Und ich steige noch weitere Treppen hinunter und komme in die tiefer gelegenen Säle ; jeder tiefere ist immer größer und reicher - mit Galerieen , Kuppeln und herrlichen Grotten . Und die Schnitzereien aus Stein werden immer drolliger , und es sind so viele , daß man bald nicht mehr die Empfindung hat , von Wänden umgeben zu sein . Auch die schwarzen Fußböden sind voll Schnitzerei ; die ist natürlich flacher gearbeitet . Ich sehe mir Alles an , und ich sehe mir Alles sehr lange und gründlich an . Es ist Alles ganz anders als oben auf der Erde - viel kecker . So viele Tiere und Blumen , die ' s gar nicht gibt - und nicht bloß Molchdrachen ! Es ist in tausend Jahren nicht zu beschreiben - so seltsam ! Ich bin da unten lange - sehr lange ! - ganz allein , so daß ich mich schließlich graule . Meine kleine rote Lampe leuchtet mir nicht hell genug . Aber kaum wird mir das lästig , so springen auch schon sechs schwarze Pudel auf mich zu . Die Pudel haben milchweiße Augen , und diese Augen sind so hell , daß plötzlich Alles hell wird . Da seh ich denn , daß das schwarze Gestein von ganz feinen - haarfeinen ! - türkisblauen Linien durchädert ist . Und nun wird ' s überall lebendig . Gazellen kommen von den Galerieen herunter und rufen freundlich Katta-Kottu ! Sie sprechen aber so oft meinen Namen aus , daß ich erstaunt frage : Was wollt Ihr denn von mir ? Da öffnet sich eine große sehr fein geschnitzte Pforte , und weißgekleidete Priester tragen in einer Sänfte meinen toten Bruder herbei . Ich laufe ihm entgegen - und er springt auf - und umarmt mich . Und während ich ihn weinend küsse , umtanzen uns kleine weiße Elefanten , rot und grün gestreifte Giraffen , kleine dunkelviolette Schweine und bunt karrierte Kameele . Ein merkwürdiges Volk ! Mein Bruder dreht sich mit mir , und wir tanzen wie die Tiere . Und dabei verwandelt er sich in einen kleinen Zwerg , und ich werde noch kleiner - noch viel kleiner - ich werde - es ist wirklich wahr ! - ein - Floh ! Drollig - nicht ? Ja ! Da sah Alles aus - so groß ! Nicht zu sagen ! Ich hüpfte meinem Bruder auf die dicke Nase , und - er - ach - er zerdrückte mich mit seinem Zeigefinger . « » O weh ! « schrie der gute Tiko . Aber die gute Katta-Kottu bemerkte lächelnd , daß im Traume das Zerdrücktwerden gar nicht so unangenehm sei . Sie plauderte unbeirrt weiter : » Ich träume eigentlich zu allen Zeiten - auch mit offenen Augen am hellen lichten Tage . Sehr oft spiele ich mit den Sternen , klebe dem Monde lange Ohren an und knipse der Sonne die Nase ab , verspeise ein paar Kometen und reiße die Milchstraße entzwei . Ach ja - mit dem Himmel steh ich überhaupt auf sehr freundschaftlichem Fuße . Und nun soll ich einem berühmten Admiral das Traumglück noch deutlicher machen ? Ach , du guter Himmel , gib mir ein Zeichen , daß ich recht habe ! Bitte ! Bitte ! Lieber Himmel , sei so gut !