Kirchenplatz gestanden und sein Gesicht war gerötet vom Feuer der Schmiede gegenüber . Da ging Lämelchen Erdmann , ein kleines altes Jüdchen vorüber und sein Köpfchen wackelte betrübt hin und her . Sürich Sperling rief , es solle zu ihm kommen . Und als Lämelchen sich furchtsam aus dem Staube machen wollte , ging Sürich hin und zog es bei den Ohren zu seiner Treppe . Er stierte dem Kleinen lange in die Augen , und sein Mund begann zu lächeln . » Hin ist hin , « sagte er und machte mit dem Arm eine unbestimmte weite Gebärde . » Ich bin ein Mann , mit dem ' s die Welt verdorben hat . Wenn ich einen Juden seh ' , kocht mein Blut . Ich kann die Juden riechen , wie der Hund das Wild . Schmied komm mal rüber , leg ' den Kerl da unter deinen Amboß . « Der Schmied trat ins Freie und nickte Sürich freundlich zu , der den Kopf des Lämelchen niederzog , daß das Männchen zu schreien anfing . Plötzlich trat Agathon Geyer aus dem Schatten des Brunnens , stürzte auf den Wirt zu und spie ihm ins Gesicht . Sürich Sperling ließ sein Opfer los , packte Agathon , nahm ihn wie ein Paket und verschwand mit ihm im Haus . Der Schmied lachte , die Mägde am Brunnen lachten ; alle fanden den Sebalderwirt höchst spaßhaft . Und war er denn nicht ein prächtiges Menschen-Exemplar ? » Er ist ein Germane , das Urbild des Germanen , « sagte Professor Brünotte in Fürth , der Philologe . Sürich Sperling haßte die Juden unbeschreiblich ; jede Gebärde , jede Stimme , jede Handlung eines Juden regte ihn auf wie Wein . Es war unerhört und wunderlich ; keines Menschen Erfahrung wies einen ähnlichen Fall auf . Er war ein Tier : wild , stolz , unbezähmbar , keinem Vernunftgrund der Welt zugänglich . Niemals hatte er vor einem Herrn den Nacken gebeugt ; nie war er wie andere junge Leute seiner Abkunft Knecht gewesen . Es gab Leute , die sich fürchteten , wenn jemand von der Regierung ins Dorf kam ; sie fürchteten ein Unglück für den Regierungsmann und für den Wirt . Denn Sürich Sperling verachtete den Adel , verachtete das Gesetz , verachtete den Pfaffen und verachtete die Obrigkeit . Er war ein Sohn der großen Natur rings umher , der großen Ebene , die sich riesenleibig dehnt . Doch war sein Gemüt kindlich , und er war leicht zu lenken . Oft war er rätselhaft in seinem Wesen , schrie und tobte und war innerlich traurig . Sein Vater soll ein Riese gewesen sein , und von seiner Mutter erzählte man sich seltsame Dinge wie von einer Messalina . Sürich Sperling paßte nicht in das enge Dorf . » Das Urbild des Germanen « fand hier kein Bett , worin es bequem ruhen konnte . Zweites Kapitel Kaum hatte Helene Rosenau berichtet , was sie gesehen , als Elkan Geyer seinen Hut vom Nagel riß und hinausrannte . Die Kinder begriffen nicht , worum es sich handelte und blickten scheu und fragend umher . Isidor stand leise und verlegen trällernd am heißen Ofen und tippte mit den Fingern an die Kacheln . Der alte Enoch war still ; sein Blick hatte sich umschleiert ; es war , als ob die beängstigende Stimmung von ihm ausflösse . Elkan eilte die Gasse hinunter . Am Brunnen standen noch immer schwatzende Jungfern . Das Wasser lief plätschernd in den Trog , und der dünne Strahl war blutrot im Widerschein des Schmiedefeuers . Sürich Sperling hockte vor seinem Haus auf den Steinfließen , hatte das Gesicht zwischen die Hände geklemmt und starrte unverwandt hinüber in die Esse , vor deren Glut die Gesellen schwarz hin- und hereilten . Elkan Geyer ging hin zu ihm und fragte : » Was haben Sie mit meinem Sohn gemacht ? Reden Sie ! « Sürich Sperling schwieg , er erhob nicht einmal die Augen . Elkan wiederholte seine Frage , aber der andere öffnete den Mund nicht , machte keine Bewegung , blieb starr wie im Schlaf . Sein Gesicht hatte den Ausdruck eines Menschen , der in tiefem Nachdenken begriffen ist oder eines Kranken , dem man den Tag seines Todes vorhergesagt hat . Was ist mit ihm vorgegangen ? dachte Elkan und er wagte es , diesen Feind an der Schulter zu rütteln . Er hätte nicht den Mut dazu gehabt , wenn ihn nicht Furcht und Verzweiflung getrieben hätten . Da richtete sich Sürich Sperling auf und ging schweigend ins Haus . Elkan , der sich nicht getraute , ihm zu folgen , zitterte vor Besorgnis . Er ging hinüber zu den Mägden . Sie sagten , daß Agathon kurz zuvor Sürich Sperlings Haus verlassen hätte . Erleichterten Herzens aufseufzend , kehrte Elkan den finstern und schmutzigen Weg zurück . Frau Jette kam ihm im Flur entgegen ; ihre Augen fragten angstvoll , ihr Mund nicht . Die Rosenaus hatten sich mit Trostsprüchen entfernt ; wenn es nicht mehr munter und witzig herging , wurde es ihnen unbehaglich . » Ist er nicht da ? « stieß Elkan heftig hervor , indem er in die Stube trat und sich unruhig umsah . Niemand antwortete . Aber kaum hatte Frau Jette die Türe hinter sich geschlossen , als sie leise wieder aufging und Agathon hereintrat . Sofort gewahrten alle , daß in seinem Gesicht etwas war , das sie vorher nicht darin gesehen hatten . Er schlich mehr , als daß er ging , sagte weder guten Abend , noch sonst eine Silbe , setzte sich neben seine Schwester Mirjam , der er flüchtig schmeichelnd übers Haar strich , nahm einen der erkalteten Erdäpfel von der Platte , schälte ihn und begann zu essen . Aller Augen waren auf ihn gerichtet , aber er schien nichts davon zu bemerken . Mit bleiernem und glanzlosem Blick guckte er auf seinen Teller und aß