das kann ich nicht . Oder ! Halt ! Warte mal ! Und er stürzte sich auf seinen Koffer und brachte die Uhren und Ringe ans Bett . - Da , was kriegt man dafür ? Martha kniete sich im Bett auf und breitete die Tauf- und Confirmationsgeschenke von weiland Wiehr junior vor sich aus , hübsch eins neben das andere ; es gab eine lustige Reihe , die im Lichte der roten Bettampel verstohlen blinkte . - Das kann schon zweihundert Mark geben , wenn Du Dich nicht beschummeln läßt . Sie sah die Sachen verliebt an , steckte sich die Ringe an die Finger , schüttelte die Uhren und hielt sie ans Ohr und ließ die Diamanten der Busennadel leuchten . Plötzlich warf sie den Kopf zurück , daß die langen blonden Haare von den Brüsten weg über die Schultern fielen und fragte erstaunt : Ja , wo hast Du denn die Sachen her ? Stilpe überlegte . Sollte ers sagen ? Hatte sie sich damals nicht so verdammt moralisch gehabt ? aber jetzt steht die Sache doch anders . Das Zeug liegt auf dem Bette und gehört beinahe schon ihr . Ob sie da nicht .. ? .. Aber er zögerte doch und sagte blos : Alte Tauf-und Confirmationsgeschenke . - Und das willst Du verkaufen ? Das ist aber nicht schön von Dir ! Was ? Schon das fand sie unrecht ? Das empörte ihn förmlich , es kam ein Gefühl von Zorn über ihn , und zugleich regte sich etwas wie Furcht . Er wurde mit einemmale irre . Aber , wart , nun gerade soll sies wissen , diese elende Duckmäuserin . Das wird einen Effekt geben ! Ob sie das Zeug aus dem Bette und mir vor die Füße wirft ? Und er erzählte ihr ganz kühl , daß er die Sachen gestohlen habe und wem sie gehörten . Sie sah ihn blos erstaunt an und schüttelte den Kopf . Dann sagte sie langsam und wie ungläubig : Nein .. ! .. Du .. ! .. Das .. ? .. - Ach mach kein solches Gehabe . Es ist so , und ich finde gar nichts dabei . Jetzt sprang sie aus dem Bette und faßte ihn an den Schultern : - Aber , Junge ! Was ist denn mit Dir los ? Du bist doch kein so gemeiner Kerl ! Herr du mein Gott , wie kommst Du denn auf so was ! Sie sagte das fast tonlos und mit einer ganz anderen Stimme , als er an ihr gewöhnt war . Es ging ihm durch und durch . Mit einemmale fühlte er , daß er etwas Gemeines gethan hatte . Hätte sie nur im Geringsten was pathetisches gesagt oder gethan , er würde ihr ins Gesicht gelacht , und , wenn sie etwa Miene gemacht hätte , Lärm zu schlagen , alles geleugnet haben . So aber wars wie ein Urteil , wie eine Verdammung . Er mußte auf den Boden sehen und fühlte sich gedemütigt , ohne sich dagegen aufzulehnen . Was sie nun noch sagte , war eigentlich überflüssig und schwächte den Eindruck der ersten Worte eher ab . Aber er ließ Alles über sich ergehen und sagte nichts dazu . Sie legte durchaus den Hauptton darauf , daß er den alten Leuten das genommen hätte , was ihnen das Liebste war . Sie sagte das nicht in seinen und gefühlvollen Worten , sondern fast roh und ungeschickt . Immer wieder kam das Wort : So eine Sünde , und gar nichts dabei zu fühlen ! Er wagte nicht ein einziges Mal aufzusehen , und ihre Hände auf seinen Schultern fühlte er wie eine unerträgliche heiße Last . - Was soll ich aber nun thun ? sagte er ganz verzweifelt , wie sie schwieg . - Gleich Alles wieder hintragen ! Alles sagen ! - Das geht nicht ! Und nun erzählte er ihr , schluchzend und unfähig , seine Thränen zurückhalten , Alles , was er vorhatte , Alles , was ihm geschehen war , Alles , was ihn drückte . Das machte weniger Eindruck auf sie . Sie verstand es nur unklar , aber das Davonlaufen begriff sie . - Fahr hin , wo Du willst , wenn Du nicht mehr in die Schule gehn magst . Sie erwischen Dich doch bald . Aber das Zeug da nimmst Du nicht mit ... Nein ... So ein Junge ! Gottseidank , daß Du zu mir gekommen bist ! Denke blos : Später ! Wenn Dus gefühlt hättest , was Du gethan hast ... Herr du mein Gott , so ein Unglück ! Du wärst ja ein Lump geworden , Junge ! Gott weiß , was Du noch Alles angerichtet hättest ! Mord und Todschlag ! Wahrhaftig ein Glück , daß der andere Bengel nicht gekommen ist . Sonst hätt ich Dich nicht hier . Es beleidigte ihn gar nicht , daß sie ihn so in aller Deutlichkeit als Junge etc. traktierte . Er war vollkommen mürbe . Nach langen Beratungen kamen sie schließlich überein , daß er die Nacht noch hierbleiben sollte ( denn er fühlte sich nun unfähig zu jedem anderen Vorhaben , als eben hier zu sein ) ; am nächsten Tage möge er dann getrost nach Griechenland oder Kamerun fahren ; sie aber werde die Sachen einpacken und mit einem Brief , den er schreiben müsse , an die Adresse der alten Wiehrs schicken . Der Brief lautete : Lieber Vater und liebe Mutter Wiehr ! Seien Sie mir nicht böse , daß ich ohne Abschied von Ihnen fortgegangen bin und nahe daran war , eine große Schlechtigkeit zu begehen . Ich hoffe , Alles gut machen zu können , und bitte Sie , meinen Eltern nichts von dem zu sagen , was ich beinahe begangen hätte . Lassen Sie mich nicht verfolgen und melden Sie mich in der Schule ab . Es dankt Ihnen für alles Gute , was Sie ihm , dem Unwürdigen