für jede Lebensepoche . - Es war auch ein sehr wohlhabendes Haus , das auf dem besten Wege war , zu einem reichen zu werden . Mir imponierte es sehr , meinem Freunde Velten nicht im mindesten ; der war da sofort so bei sich wie früher bei Hartleben im Vogelsang und jetzt bei der Frau Fechtmeisterin Feucht . Und es war dasselbe wie zwischen den grünen Hecken des Vogelsangs : es kam wieder ein schönes Mädchen für ihn an den Zaun , nur diesmal nicht , um sich mit ihm zu zanken , zu vertragen und wieder zu zanken . Leonie des Beaux zankte sich mit niemand in der Welt und vor allem nicht mit einem , dem sie sich zu Dank verpflichtet glaubte , weil er gegen » unser Kind « , ihren Bruder , gut gewesen war . » Aber es sind ja auch beide ein paar Kinder « , sagte sie später , als wir zwei vertrauter und ganz bekannt miteinander geworden waren . » Ihr Herr Freund und mein armer Leon passen zueinander wie Hand und Handschuh Herr Andres ist freilich die Hand . Ich freue mich recht , daß sie zusammengekommen sind , wenn auch durch eine so lächerlich-tragische Torheit meines närrischen Bruders . O Herr Krumhardt , bitte , nehmen Sie meinen Bruder nicht lächerlich ! Man kann auch in einer Stadt wie Berlin noch immer in einem stillen Märchenwinkel aufwachsen , und das sind wir beide , Leon und ich ; und mein Papa hat dazu geholfen ( meine Mama ist lange tot ) , daß wir so geworden sind Leon besonders , denn er hat von uns zweien immer die unruhigste Phantasie und Seele . Übrigens ist er doch auch ein rechter , guter Kaufmann . Er führt die Bücher da unten in unserm Geschäft , und Papa ist recht mit ihm zufrieden . Aber Papa ist eigentlich auch sehr mit daran schuld , daß wir so aufgewachsen sind in Einbildung und Träumen . Das hat sich so von einer Generation zur andern weitergegeben , seit wir unter Ludwig dem Vierzehnten nach Brandenburg zu dem Großen Kurfürsten gekommen sind . Ach , Herr Krumhardt , die Kinder des Schneiders des Beaux haben ihr Hausheiligtum und ihre Ritterbuchbibliothek wie der edle Junker Don Quijote von la Mancha . Hat Leon Sie noch nicht hineingeführt ? Das wundert mich ! Herr Vel- Herr Andres sitzt sehr häufig dort und hat auch schon manches Merkwürdige da gefunden , wie er sagt . Soll ich für Sie da auch sagen : Sesam , öffne dich ! ? « » Das würde sehr liebenswürdig von Ihnen sein , gnädiges Fräulein . « » Oh , spotten Sie nur über die Firma des Beaux , Vater und Sohn ! « - Es war hier wirklich kein Grund zum Spotten . Das Haus des Beaux hatte nicht nur seinen Salon , seinen Konzertflügel samt reichen Teppichen , Kronleuchtern , schönen Ölgemälden , Kupferstichen und dergleichen , was sonst zum laufenden Tag gehört ; es hatte auch seine Bücherei , und in diesem nüchternen Berlin des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts , heraus wie aus dem siebenzehnten Säkulum und in den Einzelheiten noch viel weiter zurück in den Zeiten und Historien , sein Museum . Wie die Leutchen es zusammengebracht hatten , war schon an und für sich ein historisches Wunder . - » Von unseren angestammten Familienheiligtümern haben wir wenig mitbringen können in die Mark « , erklärte Fräulein Leonie . » Vieles ist geerbt oder angeheiratet ; aber echt ist alles . Papa kommt durch seinen Beruf nicht selten nach Paris , und dann reist er gewöhnlich auch nach Südfrankreich , und sein Vater und Großvater haben das auch so gemacht . Papa kommt nie nach Hause , ohne sich und uns Kindern etwas von dorther mitzubringen . Bitte , nehmen Sie Platz ! « Das sah man , als sie sich an dem schwerfälligen , kugelfüßigen , grünbehangenen Studiertische in der Mitte des Gemachs niederließ , daß nicht nur alles umher echt war , sondern daß auch sie zu diesem Raume gehörte , und - ihr Bruder auch . » Hier sitzen wir denn und denken uns zurück « , sagte Leonie . » Dann liegt auch für unsern Vater , oder grade für den erst recht , der Tag und unser Geschäft wie auf einem andern Weltball . Und hier ist an Leon und mich alles gekommen , was wir für unser Bestes halten und was den Leuten mit vollem Recht sehr komisch erscheinen muß , wenn wir damit unter sie geraten . Ich komme wohl nicht in die Verlegenheit ; aber mein armer Bruder von seinem Schreibpult im Kontor drunten leider doch dann und wann , und so neulich wieder in Ihrer Universität , wo Herr Andres so gütig war , sich seiner anzunehmen . Er , Leon , hat es noch nicht recht gelernt , den Traum und das Leben auseinanderzuhalten , und kommt also nur zu oft wie ein geschlagenes Kind nach Hause , und es kostet Wochen in diesem unserm Phantasiestübchen , ehe er sich wieder zurechtgefunden hat in der Welt . Wir haben eigentlich da draußen in der Zeitlichkeit einen großen Umgang , und darunter sucht er denn wie der alte Grieche nach Menschen , die zu ihm passen . Ach , wenn er dann nur ausgenutzt und gehänselt würde , so wollte ich gar nichts sagen ; aber er wird auch gekränkt und bis ins Tiefste verwundet , und wenn ich auch die Älteste und die Vernünftigste bin - ein noch älterer Bruder von uns ist bei Mars-la-Tour gefallen - , so kann ich doch nur allzuoft ihm gar nicht helfen . Mich hat dieser grade für uns so schreckliche Krieg mit Frankreich nun wohl schon lebensverständig und tagesnüchtern genug gemacht in unserm hiesigen französischen Altväter- und Kinderzauberreich ; aber ach , wenn ein Mensch es noch nötig hat , einen echten Freund zur Seite zu haben , so ist