dumm war , daß viele Leute ihn für eine Mystifikation ihres gesunden Verstandes hielten . Die Kritik lobte . Wie könnt ihr euch so blamieren ? fragte ich einen Rezensenten . Was willst du , meinte er , die Frau ist bekannt als brillante Reiterin , als gute Mutter , als treffliche Hausfrau . Viele Mädchen und Frauen der Gesellschaft verehren sie . Man würde es übelnehmen , ihr nachzusagen , daß sie ein Schaf sei . Auch weiß man nie , ob man solche Leute nicht einmal brauchen kann « . » Unglaublich « meinte Johanne mit bäuerlichem Ernst , » aber jetzt muß ich hinaufgehen « . » Fräulein Johanne « er griff mit gutgespielter Schüchternheit nach ihrer Hand , » versprechen Sie mir , eine Kleinigkeit zu schreiben . Ich mache schon das Uebrige . Sie sollen sich einmal so einen Salon ansehen , wo die Tagesgrößen verkehren . Es muß Sie doch auch interessieren ? « » Das thut es auch . Nun aber - adieu « . Sie nickte ihm zu und sprang die Treppe hinauf . Er ist doch ein guter Mensch . Und Schriftstellerin zu werden , wie herrlich ! Und wenn sie am Ende wirkliches Talent hätte ? Wenn sie berühmt würde ? Freilich unangenehm wars , daß sie ihm und seiner Anregung das alles danken sollte . Aber was thats ? Schließlich mußte sie sich wirklich ihre allzuschwere Auffassung vom Leben abgewöhnen . Dieser Tage z.B. , den sie so baar aller guten Eigenschaften geglaubt hatte , war im Grunde kein schlechter Mensch . Er besaß vielleicht mehr Charakter als der , der so bittere Worte über ihn gefällt hatte . Wer weiß , wer weiß ? Ihre Augen blickten wieder munterer . Eine Hoffnung war über sie gekommen . Die weiße Winterlandschaft , die sie von ihrem Fenster aus sah , erschien ihr nicht mehr so entsetzlich . Sie suchte die ganze Nacht nach einem Stoff , den sie zu einer Skizze verarbeiten wollte . Am nächsten Tag ließ sie sich krank melden , blieb zu Hause , bekritzelte etliche Bogen , zerriß sie wieder und schrieb endlich in einem Zuge etwas nieder , von dem sie nicht wußte , ob es brauchbar war oder nicht . 10 Etliche Tage später erhielt Hans Tage einen auf allen vier Seiten engbeschriebenen Bogen . Dabei lag ein Zettel . » Ich weiß nicht , ob Sie das brauchen können . Johanne « . Donnerwetter ! die geht ins Zeug , lachte er , entfaltete den Bogen und las : Gebet . Das Fieber steigt und steigt . Und der Arzt ist weggegangen . Freilich , was sollte er hier noch weiter ? Die Krankenwärterin ist aufs Genaueste unterrichtet . Sie weilt im Nebengemach . Elise wird doch ihr einziges Kind nicht von fremder Hand pflegen lassen . Eher zusammenbrechen vor Erschöpfung . Aber man bricht nicht zusammen , wenn man sich aus Liebe opfert , nein . Es liegt eine stählende , feiende Kraft in solchem Sichaufgeben . Die junge Mutter beugt sich mit fieberndem Lächeln über das Kind . Blickt ihr nicht aus dessen gespannten , ernsten Zügen der Tod entgegen ? Wer hätte in diesem Gesicht die kleine Emmy wiedererkannt , das holde , herzige Geschöpfchen , das man so leicht erfreuen , so leicht glücklich machen konnte ? Ein zum Kreisen gebrachter Fingerhut , und sie jauchzte , ein rotbäckiger Apfel , den man ihr schenkt , und ihr Auge leuchtet vor Dankbarkeit . So harmlos und ursprünglich war sie , so voll goldener Freude an jedem Lächeln des Lebens , ein Vöglein , das in den rosenroten Morgen hineinjubiliert und nicht weiß , daß es eine Nacht giebt . Und jetzt , gerade jetzt , wo sie anfing zu erwachen , wo sie aus sich selbst das Gute zu lieben begann , jetzt , mit sieben Jahren , sollte sie sterben müssen ? Elise strich zitternd über das blonde Haar der Kleinen , das sonst mutwillig in hellen Goldfarben das Köpfchen umlockte . Heute lag es fahl , wie zusammengekittet , in kleinen , steifen Strähnen um die brennende Stirne . Nein , Gott konnte das nicht thun . Es war ja ihr Liebstes . Ihr Mann , Schiffskapitän , trieb in fernen Gewässern umher . Er wußte von nichts , er erfuhr es erst , wenn alles vorüber war . Aber es durfte nicht , nein , nein ... Elise wirft sich auf die Kniee und breitet die Arme nach oben . Lieber Gott , hast du nicht so viel reifwelke , müde Blumen in deinem Schöpfungsgarten ? So viel Unkraut , das keiner Biene , nicht dem Wind Freude giebt , wenn er duftdurstig über die Felder streicht ? Lieber Gott , nimm doch von diesem und nicht mein armes , junges Blümlein hier , das eben erst die Augen zu deinem Himmel aufzuschlagen begann ? Hörst du , hörst du , lieber Gott ? Du mußt mich ja hören , denn du bist allgegenwärtig . Siehe , ich will nie wieder Zerstreuungen ersehnen , Putz , Schmuck , Anerkennung , ich will nichts weiter als dieses kleine Seelchen da , will ihm dienen , es hegen und pflegen , bis es eine große , schöne , starke Seele geworden ist , die dir Wohlgefallen bereitet . Hörst du mich auch , mein Gott , hörst du mich auch ? Der Arzt meint , wenn sie erwachte , mit klarem Bewußtsein nach Nahrung verlangte , mich erkennte , dann wäre sie gerettet . Sie muß also erwachen , sie muß erwachen ... Die Hände der jungen Frau ringen sich schmerzhaft . Ich gebe mein halbes Leben für sie , du mein Gott , mein Augenlicht , o ich will gern blind werden , um ihre Gesundheit zu retten , ich ... ich ... nur noch ein paar , zwei , ein einzig Jahr laß sie mir , du mein lieber , guter , lieber Gott ,