das Ärmchen um den Nacken der Mutter gelegt und blickte die fremden Gesichter fragend und neugierig an . Es war ein dicker , gesunder Junge mit schönen Farben und kernigem Fleisch . Wer Gustav Büttner kannte , mußte dessen Augen wiedererkennen ; im übrigen sah das Kind Paulinen unverkennbar ähnlich . Die Komtessen verhielten sich sehr verschiedenartig dem Kleinen gegenüber . Wanda war äußerst wortreich , lobte und kritisierte und gab ihrem Mißfallen Ausdruck , daß der Junge keine geraden Beine habe . Das sei ein sicheres Zeichen für » Englische Krankheit « , erklärte sie kategorisch . Frau Katschner hatte zwar noch nie in ihrem Leben von diesem Leiden gehört , der Komtesse zu Gefallen aber tat sie , als halte sie das für sehr wahrscheinlich und erkundigte sich , was man dagegen anwenden müsse . Wanda war offenbar nicht ganz vorbereitet auf diese Frage ; nach einigem Überlegen entschied sie : » Moorbäder sind das beste ! « Ida betrachtete inzwischen das Kind aufmerksam mit nachdenklichen Augen . Sie lächelte es an , ergriff eines seiner Händchen und versuchte auf diese Weise , Freundschaft mit dem Kleinen zu schließen . Während sich Wanda und Frau Katschner weiter über die Englische Krankheit unterhielten , erkundigte sie sich nach dem Leben und Treiben des Kindes . Pauline taute dabei ganz auf . Jetzt , wo sie von dem Wichtigsten sprechen konnte , was es für sie auf der Welt gab , fand sie ihre gewöhnliche Lebhaftigkeit und Offenheit wieder . Das Eis war gebrochen . Nicht mehr die Komtesse stand vor ihr , sondern eine Frau wie sie , der sie ihr Herz rückhaltlos ausschütten durfte . Bald wußte Ida alles über das Kind , seine Angewohnheiten und Liebhabereien . Der kleine Gustav wurde aufgefordert , die paar Worte , welche er angeblich sprechen konnte , aufzusagen ; wohl aus Ängstlichkeit vor den Fremden versagte er jedoch völlig mit seinen Sprechkünsten . Nach einiger Zeit wurde Wanda ungeduldig , sie zog die Schwester an der Hand ; man müsse nun fort . Sie hätten ja noch ein paar » andere Armenbesuche « im Dorfe zu machen . Ida bat Pauline beim Abschiednehmen , sie bald einmal auf dem Schlosse zu besuchen . Dem Kleinen küßte sie die Händchen mit einem innigen Ausdruck in ihren stillen Zügen , wie er nur kinderliebenden Frauen eigen ist . Der Pony hatte sich inzwischen das Gras des Katschnerschen Gartens schmecken lassen . Wanda legte selbst mit Hand an beim Anschirren . Die Komtessen nahmen im Wägelchen Platz . Wanda ergriff Peitsche und Zügel , der Groom saß hinten auf , und fort ging ' s , den schmalen Weg zur Dorfstraße hinab . Pauline brachte das Kind in die Kammer zurück , dann schürzte sie ihr Kleid wieder auf und machte sich schweigend ans Scheuern . Frau Katschner nahm die Arbeit nicht wieder auf , sie beschäftigte sich vielmehr mit dem Zurechtmachen der Vesper . Von Zeit zu Zeit warf sie einen Blick nach der Tochter , forschend , ob die nicht endlich was sagen würde . Pauline bürstete und rieb , als ob ihre Seligkeit davon abhinge , daß die Diele rein würde . Es schwebte etwas Ungelöstes , Schwüles , ein Vorwurf zwischen Mutter und Tochter . » Willst de ne vaspern , Pauline ? « fragte die Mutter endlich . » Ich ha ' der dohie wos zurechte gemacht . « » Laßt ack , Mutter ! Ich ho ' keenen Hunger nee ! « sagte das Mädchen und vermied es noch immer , die Mutter anzusehen . Frau Katschner , die am Tische saß , hatte sich ihr Brot mit Quark gestrichen , von Zeit zu Zeit führte sie mit dem Messer ein Stück zum Munde . Pauline war inzwischen aufgestanden , sie stand jetzt am Ofen , den Zuber vor sich auf der Ofenbank . » Was meenst de wohl , Pauline ! « begann Frau Katschner von neuem das Gespräch ; » wenn mer ' s , und mir hätten ' s den Kontessen derzahlt von deinem Kleenen , daß der von dir is , wos meenst de wohl , wos die fir a Gesichte derzut gemacht haben mechten - haa ? « » Ich weeß nich , Mutter ! « sagte Pauline nur . Sie wandte der Mutter den Rücken zu und rang mit Aufbietung aller Kraft den Hader aus . » Mit suwas darf man der Art gar ne kimma . Das vertrogen se ne . Do is glei alle . Das kenn ' ich . Die Gräfin , su ne hibsche Frau wie das war , aber wenn a Madel , und se tat sich vergassen ... ne ! Da flog se glei naus . Do gab ' s nischt uf ' n Schlosse . Suwos darf man denen gar nich merken lassen . « » De Kontesse Ida is immer su gutt gewast - gegen mich ... « meinte Pauline mit stockender Stimme . Das Weinen war ihr nahe . » Nu hon Sie er suwas vurgeradt , Mutter ! Ich ho ' mich su schamen missen . Su ane Liege ! Ne , ich muß mich su siehre schamen , muß ich mich ! Grade der Ida , die su gutt is ! - Ne , Mutter , das war ne recht vun Sie ! « Pauline ließ ihren Tränen freien Lauf . Sie hatte sich auf die Ofenbank gesetzt , die Ellbogen auf die Knie gestützt und verbarg ihr Gesicht in den Händen . Frau Katschner war ärgerlich geworden . Sie sei wohl verrückt , warf sie der Tochter vor ; sie hätt ' s wohl den Komtessen gleich auf die Nase binden sollen , das mit den Jungen ? Das sei das richtige Mittel , um sich bei solchen Damen beliebt zu machen ! Komtesse Ida mit ihrer Zimperlichkeit sähe gerade danach aus , als ob sie dem Jungen dann noch was schenken würde . Und wenn Pauline nächster Tage aufs